bannen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungban-nen (computergeneriert)
GrundformBann
Wortbildung mit ›bannen‹ als Erstglied: ↗Bannung  ·  mit ›bannen‹ als Letztglied: ↗festbannen · ↗fortbannen · ↗herbannen · ↗verbannen · ↗wegbannen · ↗zurückbannen
 ·  mit ›bannen‹ als Binnenglied: ↗Geisterbanner · ↗Teufelsbanner
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben jmdn., etw. mit zauberhafter, magischer Gewalt festhalten, an einen Ort zwingen
Beispiele:
ihr Blick hatte ihn gebannt
er stand, lauschte (wie) gebannt
ihre Augen hingen (wie) gebannt an ihm
Was war es jedoch für ein Glanz, der wenige Schritte weiter den Staunenden zur Stelle bannte? [Th. MannKrull8,346]
Die Stille ... war so bannend [Kellerm.Tunnel28]
übertragen
Beispiele:
er ist ins Haus, ans Bett gebannt
der Künstler hatte ihr Bild auf die Leinwand gebannt
der Dichter hatte seine Gedanken auf das Papier, in Sätze gebannt
eine Stimme auf die Schallplatte bannen
2.
gehoben jmdn., etw. durch zauberhafte, magische Gewalt vertreiben
Beispiele:
der Meister konnte böse Geister, Gespenster, einen Zauber, den Spuk bannen
Das wird jetzt den Teufel bannen [SchillerKabaleII 4]
übertragen etw. beheben
Beispiel:
die Gefahr, Angst, Not, Sorgen, eine Krankheit bannen
3.
historisch den Bann über jmdn. aussprechen, jmdn. aus der kirchlichen (und weltlichen) Gemeinschaft ausschließen
Beispiele:
der abtrünnige Kaiser wurde gebannt
dem fünffach gebannten Tyrannen von Padua [C. F. MeyerHochzeit d. Mönchs3,212]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bann · bannen · verbannen
Bann m. ‘zwingende Gewalt’, ahd. (9. Jh.), mhd. ban, asächs. bann, afries. bonn, bann, aengl. gebann, engl. ban, anord. bann (germ. *banna-), Abstrakta zu einem reduplizierenden Verb, das in ahd. bannan (10./11. Jh.), gibannan (9. Jh.), mhd. bannen, asächs. aengl. bannan ‘befehlen, aufbieten, vor Gericht fordern’ (germ. *bannan) begegnet. Das germ. (Nasalpräsens aufweisende) Verb ist verwandt mit lat. fārī ‘künden, sprechen, sagen’, griech. phánai (φάναι) ‘kundmachen, sagen’, russ.-kslaw. bajati ‘erzählen, besprechen, heilen’, russ. (älter) bájat’ (баять) ‘reden, sprechen’ und mit diesen an die Wurzel ie. *bhā- ‘sprechen’ anzuschließen, zu der vielleicht auch aind. bhánati ‘spricht, tönt’ gehört (vgl. Mayrhofer 2, 469). Mit einer zu vermutenden Grundbedeutung ‘feierlicher Spruch’ entwickelt sich Bann zu einem zentralen Begriff des mittelalterlichen Rechts. Es bezeichnet einen ‘Befehl’, ein ‘Gebot, Verbot unter Strafandrohung’, danach auch ‘Einberufung zum Gericht’ wie auch in mhd. herban das ‘Aufgebot der Waffenfähigen zum Kriegsdienst’. Es gilt für die ‘Gerichtsgewalt’ (vgl. mhd. bluotban ‘Gerichtsbarkeit über Leben und Tod’), für das ‘Herrschaftsgebiet’ und den ‘Gerichtsbezirk’. Bann ist schließlich die ‘Ächtung’ und der ‘Ausschluß aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche’ (dafür heute ↗Exkommunikation, s. d.), zumal in der Wendung Acht und Bann (s. ↗Acht1 und vgl. Bannbulle). Heute wird Bann nur noch zur Darstellung und Beschreibung der genannten mittelalterlichen Verhältnisse verwendet oder aber übertragen im Sinne von ‘zwingende Gewalt, Fesselung, Zauber’ (jmdn. in seinen Bann ziehen, im Banne der Musik stehen) gebraucht. Das Verb bannen (s. oben) geht in spätmhd. Zeit (wie auch andere reduplizierende Verben) zur schwachen Flexion über. Seine Bedeutung ‘in den Bann tun’ (d. i. ‘exkommunizieren’) hält sich in historisierender Ausdrucksweise bis zur Gegenwart; allgemein heute im Sinne von ‘an einem Ort festhalten, an einen Ort verweisen, durch Spannung fesseln’. verbannen Vb. ‘aus einem Gebiet weisen, verstoßen, ausschließen’, ahd. firbannan ‘in den Bann tun, ächten’ (8. Jh.), mhd. verbannen ‘gebieten, in den Bann tun, verstoßen, verfluchen’.

Typische Verbindungen zu ›bannen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bannen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bannen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber eine originelle Interpretation der überlieferten Verse vermag bis heute zu bannen.
Die Zeit, 04.10.2010, Nr. 40
Was jetzt kommt, ist kühn, es bannt, und es hat großartige Momente.
Der Tagesspiegel, 05.04.1997
Es belegt sie mit bedeutungsvollen Worten, mit Namen, und bannt - begreift, begrenzt - sie auf diese Art.
Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 628
Sie muß auf das Risiko vorbereitet sein, um es zu bannen oder zu mindern, und bereit sein, die Chance zu nutzen.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 1024
Es gelingt ihm restlos, das Dunkel zu bannen, das um diese wesentlichen Ausgleichsverhandlungen verbreitet war.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 1017
Zitationshilfe
„bannen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bannen>, abgerufen am 02.04.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Bannbulle
Bannbruch
Bannbrief
Bann
Bankzins
Banner
Bannerherr
Bannerträger
Bannfluch
Bannformel