Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

bannen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ban-nen
GrundformBann
Wortbildung  mit ›bannen‹ als Erstglied: Bannung  ·  mit ›bannen‹ als Letztglied: festbannen · fortbannen · herbannen · verbannen · wegbannen · zurückbannen
 ·  mit ›bannen‹ als Binnenglied: Geisterbanner · Teufelsbanner
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben jmdn., etw. mit zauberhafter, magischer Gewalt festhalten, an einen Ort zwingen
Beispiele:
ihr Blick hatte ihn gebannt
er stand, lauschte (wie) gebannt
ihre Augen hingen (wie) gebannt an ihm
Was war es jedoch für ein Glanz, der wenige Schritte weiter den Staunenden zur Stelle bannte? [ Th. MannKrull8,346]
Die Stille … war so bannend [ Kellerm.Tunnel28]
übertragen
Beispiele:
er ist ins Haus, ans Bett gebannt
der Künstler hatte ihr Bild auf die Leinwand gebannt
der Dichter hatte seine Gedanken auf das Papier, in Sätze gebannt
eine Stimme auf die Schallplatte bannen
2.
gehoben jmdn., etw. durch zauberhafte, magische Gewalt vertreiben
Beispiele:
der Meister konnte böse Geister, Gespenster, einen Zauber, den Spuk bannen
Das wird jetzt den Teufel bannen [ SchillerKabaleII 4]
übertragen etw. beheben
Beispiel:
die Gefahr, Angst, Not, Sorgen, eine Krankheit bannen
3.
historisch den Bann über jmdn. aussprechen, jmdn. aus der kirchlichen (und weltlichen) Gemeinschaft ausschließen
Beispiele:
der abtrünnige Kaiser wurde gebannt
dem fünffach gebannten Tyrannen von Padua [ C. F. MeyerHochzeit d. Mönchs3,212]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bann · bannen · verbannen
Bann m. ‘zwingende Gewalt’, ahd. (9. Jh.), mhd. ban, asächs. bann, afries. bonn, bann, aengl. gebann, engl. ban, anord. bann (germ. *banna-), Abstrakta zu einem reduplizierenden Verb, das in ahd. bannan (10./11. Jh.), gibannan (9. Jh.), mhd. bannen, asächs. aengl. bannan ‘befehlen, aufbieten, vor Gericht fordern’ (germ. *bannan) begegnet. Das germ. (Nasalpräsens aufweisende) Verb ist verwandt mit lat. fārī ‘künden, sprechen, sagen’, griech. phánai (φάναι) ‘kundmachen, sagen’, russ.-kslaw. bajati ‘erzählen, besprechen, heilen’, russ. (älter) bájat’ (баять) ‘reden, sprechen’ und mit diesen an die Wurzel ie. *bhā- ‘sprechen’ anzuschließen, zu der vielleicht auch aind. bhánati ‘spricht, tönt’ gehört (vgl. Mayrhofer 2, 469). Mit einer zu vermutenden Grundbedeutung ‘feierlicher Spruch’ entwickelt sich Bann zu einem zentralen Begriff des mittelalterlichen Rechts. Es bezeichnet einen ‘Befehl’, ein ‘Gebot, Verbot unter Strafandrohung’, danach auch ‘Einberufung zum Gericht’ wie auch in mhd. herban das ‘Aufgebot der Waffenfähigen zum Kriegsdienst’. Es gilt für die ‘Gerichtsgewalt’ (vgl. mhd. bluotban ‘Gerichtsbarkeit über Leben und Tod’), für das ‘Herrschaftsgebiet’ und den ‘Gerichtsbezirk’. Bann ist schließlich die ‘Ächtung’ und der ‘Ausschluß aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche’ (dafür heute Exkommunikation, s. d.), zumal in der Wendung Acht und Bann (s. Acht1 und vgl. Bannbulle). Heute wird Bann nur noch zur Darstellung und Beschreibung der genannten mittelalterlichen Verhältnisse verwendet oder aber übertragen im Sinne von ‘zwingende Gewalt, Fesselung, Zauber’ (jmdn. in seinen Bann ziehen, im Banne der Musik stehen) gebraucht. – Das Verb bannen (s. oben) geht in spätmhd. Zeit (wie auch andere reduplizierende Verben) zur schwachen Flexion über. Seine Bedeutung ‘in den Bann tun’ (d. i. ‘exkommunizieren’) hält sich in historisierender Ausdrucksweise bis zur Gegenwart; allgemein heute im Sinne von ‘an einem Ort festhalten, an einen Ort verweisen, durch Spannung fesseln’. verbannen Vb. ‘aus einem Gebiet weisen, verstoßen, ausschließen’, ahd. firbannan ‘in den Bann tun, ächten’ (8. Jh.), mhd. verbannen ‘gebieten, in den Bann tun, verstoßen, verfluchen’.

Typische Verbindungen zu ›bannen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bannen‹.

Abstiegsgefahr Ansteckungsgefahr Böse Deflationsgefahr Dämon Einsturzgefahr Fluch Gefahr Gespenst Heimfluch Hochwassergefahr Inflationsgefahr Kriegsgefahr Lichtprojektion Rezessionsgefahr Schrecken Schreckgespenst Schwarz-weiß-fotografie Seuchengefahr Streikgefahr Terrorgefahr endgueltig keineswegs vorerst

Verwendungsbeispiele für ›bannen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber eine originelle Interpretation der überlieferten Verse vermag bis heute zu bannen. [Die Zeit, 04.10.2010, Nr. 40]
Er ist gebannt, in dem Moment, in dem er gemalt wird. [Die Zeit, 11.06.2008, Nr. 15]
Man musste sie bannen, wenn das neue Jahr kein Unheil bringen sollte. [Die Zeit, 10.03.2005, Nr. 11]
In den siebziger Jahren galt das Problem fälschlicherweise als chemisch gebannt, und in den entsprechenden Institutionen wurden Stellen abgebaut, die heute dringend gebraucht würden. [Die Zeit, 13.08.2001, Nr. 33]
Es belegt sie mit bedeutungsvollen Worten, mit Namen, und bannt – begreift, begrenzt – sie auf diese Art. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 628]
Zitationshilfe
„bannen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bannen>.

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