barbarisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbar-ba-risch
HerkunftGriechisch
GrundformBarbar
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
grausam, roh
Beispiele:
ein barbarischer Charakterzug
barbarische Wildheit
barbarische Sitten, Zustände
eine barbarische (= unmenschliche) Strafe, Haft
das barbarische Urteil
jmdn. barbarisch schlagen, behandeln
die Gedenkstätte war barbarisch verwüstet worden
2.
sehr ungebildet, ungesittet
Beispiele:
ein barbarischer Umgangston
eine barbarische Einstellung zu Kunstfragen
3.
salopp, übertrieben sehr
Beispiele:
eine barbarische Kälte
ein barbarischer Lärm
er schimpfte barbarisch
4.
historisch nichtgriechisch
Beispiele:
barbarische Völker saßen im Norden
barbarische Küsten befahren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Barbar · Barbarei · Barbarismus · barbarisch
Barbar m. ‘grausamer Mensch, Rohling, Ungebildeter’. Lat. barbarus Adj. ‘ausländisch, fremd, ungebildet’ ist Entlehnung von griech. bárbaros (βάρβαρος) ‘fremd, nichtgriechisch, unkultiviert, roh’. Das griech. Adjektiv und aind. barbaraḥ ‘stammelnd’ sind onomatopoetische Reduplikationsbildungen, die voneinander unabhängig entstanden sein können (vgl. Mayrhofer 2, 412). βάρβαροϛ, barbarus bedeuten substantiviert soviel wie ‘Fremder, Ausländer, der heimischen Sprache Unkundiger’. In dieser Verwendung wird barbarus in spätmhd. Zeit (um 1400, daneben auch Barber, 15. Jh., dann Barbar, 18. Jh.) ins Dt. entlehnt und steht häufig für den Fremden im Gegensatz zum Griechen oder Römer, dann auch für den Heiden, den Angehörigen einer fremden Religionsgemeinschaft, besonders den Türken. Die Verwendungen ‘Ungebildeter’ und ‘grausamer Mensch’ setzen im 16. bzw. 17. Jh. ein. Barbarei f. ‘Unmenschlichkeit, Roheit, niedrige Entwicklungsstufe, Unwissenheit’, aus lat. barbaria ‘Ausland’ (im Gegensatz zu Rom und Griechenland), ‘Unkultur, Roheit’ ins Dt. entlehnt, mhd. barbarīe. Zunächst allgemein ‘Land der Barbaren’, im engeren Sinne das Land der Berber, auch Berberei, die Barbareskenstaaten Marokko, Algerien, Tunesien. Die Bedeutungen ‘Unwissenheit’ und ‘Unmenschlichkeit’ setzen sich im 16. und 17. Jh. durch. Barbarismus m. ‘fehlerhaftes Sprechen, Sprachfehler, Roheit, Grausamkeit’. Aus gleichbed. lat. barbarismus, griech. barbarismós (βάρβαρος) im 16. Jh. ins Dt. übernommen. Barbarismus wird hauptsächlich zur Bezeichnung einer durch Fremdeinfluß verursachten sprachlichen Regelwidrigkeit verwendet, seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. auch in der Bedeutung ‘Grausamkeit’. barbarisch Adj. ‘grausam, unmenschlich, ungebildet’. Ähnlich wie Barbar zunächst von Volkszugehörigkeit und Sprache ‘fremd, ausländisch’, so vereinzelt Mitte des 14. Jhs. bezeugt, öfters seit dem 15. Jh. Die Bedeutung ‘unmenschlich’ ist seit der 2. Hälfte des 16. Jhs. nachzuweisen, die intensivierende Verwendung im Sinne von ‘sehr’ oder ‘groß, das gewöhnliche Maß übersteigend’ (bararisch heiß, barbarische Kälte) seit dem Ende des 18. Jhs.

Thesaurus

Synonymgruppe
barbarisch · ↗bestialisch · ↗brutal · ↗teuflisch · ↗unmenschlich · ↗viehisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›barbarisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aggression Akt Bombardierung Bombenangriff Brauch Gemetzel Gewaltakt Gote Grausamkeit Horde Hunne Invasor Kriegführung Kriegsführung Latein Roheit Sitte Söldner Terrorakt Unmenschlichkeit Verwüstung Völkerschaft Wildheit feig grausam ignorant menschenverachtend primitiv unmenschlich unzivilisiert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›barbarisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›barbarisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Letztlich gibt es vor ihrer barbarischen Kraft jedoch kein Entrinnen.
Der Tagesspiegel, 05.04.2005
Wie ich mit Frauen umgegangen bin, ist auch barbarisch, wie ich heute zugeben muss.
Bild, 08.03.2004
Die Tempel standen nicht lange, nachdem sie erbaut waren, inmitten einer barbarischen Umgebung.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 4079
Auch in die Legionen drang das barbarische Element sehr stark ein.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Zweiter Teil: Die Germanen, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1921], S. 22441
Sie setzen von nun an alles daran, besonders grob, roh und barbarisch zu wirken.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 121
Zitationshilfe
„barbarisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/barbarisch>, abgerufen am 19.01.2020.

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