Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

barbieren

Grammatik Verb · barbiert, barbierte, hat barbiert
Worttrennung bar-bie-ren
Herkunft Barbier, vgl. barbierafrz, barbejaraprov ‘rasieren’
eWDG

Bedeutung

veraltend jmdn. rasieren, jmdm. den Bart scheren
Beispiele:
er ließ sich barbieren
neben mir saß einer, der barbiert wurde [ G. KellerSalander5,268]
weil er als einziger … glatt barbiert war [ WerfelMusa Dagh224]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Barbier · Balbier · barbieren · balbieren
Barbier m. ‘Herrenfriseur’. Die seit dem 14. Jh. nachzuweisende, heute unübliche Berufsbezeichnung für den Bartscherer und Haarschneider, zu dessen Aufgaben in früherer Zeit auch medizinische Hilfeleistungen, namentlich kleinere chirurgische Eingriffe gehören, ist wie mnl. nl. barbier, engl. barber (über anglonorm. barber) eine Übernahme von gleichbed. afrz. frz. barbier, abgeleitet von afrz. frz. barbe ‘Bart’ (aus lat. barba; vgl. mlat. barbarius, barberius ‘Bartscherer’). Das dt. Substantiv begegnet allerdings zunächst in spätmhd. barbierer, erweitert um das für Personenbezeichnungen charakteristische Suffix -er (falls nicht neu gebildet zum erst später bezeugten Verb barbieren, s. unten), während die an das frz. Vorbild angeglichene Form Barbier, Barbir erstmals im 15. Jh. vorkommt. Barbierer bleibt daneben bis ins frühe 19. Jh. üblich. Außerdem ist ein auf Dissimilation beruhendes Balbierer (15. Jh.), Balbier m. (16. Jh.) noch im 18./19. Jh. weithin in Gebrauch und lebt in der Alltagssprache einzelner Landschaften fort. barbieren Vb. ‘den Bart scheren, rasieren’ (15. Jh., seit dem 16. Jh. auch balbieren Vb.), zum Substantiv Barbier (s. oben), vielleicht im Anschluß an afrz. barbier, aprov. barbejar ‘rasieren’. Bereits im 16. Jh. wird barbieren, balbieren metaphorisch im Sinne von ‘übervorteilen, betrügen’ verwendet (vgl. ähnlich gebrauchte Ausdrücke aus dem Bereich des Bader- und Barbiergewerbes wie einseifen, scheren, schröpfen, zur Ader lassen); daher verstärkend jmdn. über den Löffel barbieren (bzw. balbieren), zuerst Ende des 18. Jhs. als studentische Redensart notiert; die Wendung knüpft wohl an den noch für das 19. Jh. überlieferten Kunstgriff der Friseure an, das Rasieren eingefallener Wangen dadurch zu erleichtern, daß dem Kunden ein Löffel in den Mund geschoben wird.

Verwendungsbeispiele für ›barbieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hoffentlich hat der den Premier nicht über den Löffel barbiert! [Bild, 15.11.2003]
Ich habe nachher das unangenehme Gefühl gehabt, daß ich über den Löffel barbiert sei. [Friedländer, Hugo: Der Klub der Harmlosen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 28850]
Daß es dem Reichskanzler gelingen werde, Rußland ebenso über den Löffel zu barbieren, wie ihm das mit Napoleon gelungen sei, bezweifelte ich sehr. [Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 3997]
Il barbiere di Siviglia, von Gioacchino Rossini (ital. mit dt. Übertiteln); [Süddeutsche Zeitung, 12.02.2004]
Wir lassen uns nicht übers Ohr barbieren. [konkret, 1981]
Zitationshilfe
„barbieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/barbieren>.

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