beaufsichtigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-auf-sich-ti-gen (computergeneriert)
formal verwandt mitAufsicht
Wortbildung mit ›beaufsichtigen‹ als Grundform: ↗unbeaufsichtigt
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn., etw. unter Aufsicht nehmen, jmdn., etw. überwachen
Beispiele:
ein Kind, die Schulklasse beaufsichtigen
die Arbeiter bei ihrer Arbeit, einen Kranken beaufsichtigen
eine Abteilung von Soldaten, Gefangenen streng, scharf beaufsichtigen
er wurde polizeilich beaufsichtigt
staatlich beaufsichtigte Kommunen
die beaufsichtigenden Kontrollorgane
die Einfahrt der Schiffe im Hafen, der Verkehr an der Kreuzung wurde von der Polizei beaufsichtigt
jmds. Tätigkeit, Arbeit beaufsichtigen
jmds. Lebenswandel beaufsichtigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
beaufsichtigen · ↗überwachen
Synonymgruppe
aufpassen · beaufsichtigen · ↗beobachten · ↗checken · im Blick haben · im Sichtfeld haben · im Visier behalten · im Visier haben · ↗kontrollieren · ↗nachhalten · ↗überwachen
Unterbegriffe
  • (jemandem) auf die Finger sehen · aufpassen, was jemand tut
Assoziationen
Synonymgruppe
beaufsichtigen · ↗betreuen  ●  ↗befürsorgen  österr. · ↗bemuttern  ugs. · kuratieren  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufsichtsrat Bahnverkehr Bauarbeit Betreuer Einhaltung Erzieherin Finanzdienstleister Finanzprodukt Geschwister Handwerker Hausaufgabe Hedge-Fonds Kabelfernsehen Kleinkind Kreditinstitut Privatfernsehen Privatfunk Privatsender Regulierungsbehörde Schienenverkehr Schularbeit Wirtschaftsprüfer anleiten betreuen geleiten kontrollieren koordinieren regulieren verwalten überwachen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beaufsichtigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese hätten das Vorhaben viel stärker beaufsichtigen müssen, sagte Otto.
Die Zeit, 31.10.2013 (online)
Der Hund gehöre seinem Vater, er habe ihn damals nur beaufsichtigen sollen.
Süddeutsche Zeitung, 21.01.2000
Während zwei sich hinabließen, beaufsichtigte sie das Halten des Seils.
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 224
Da sie stehlen, müssen sie beaufsichtigt werden, und die Aufsicht soll von Professoren geleistet werden.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1922. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1922], S. 84
So etwas ziemt höchstens einer vielbeschäftigten Mutter, welche die Spiele ihrer Kinder gern persönlich beaufsichtigt und die Zeit dabei nicht unbenutzt lassen möchte.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 10376
Zitationshilfe
„beaufsichtigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beaufsichtigen>, abgerufen am 20.03.2019.

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