Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

bedürfen

Grammatik Verb · bedarf, bedurfte, hat bedurft
Aussprache 
Worttrennung be-dür-fen
Grundformdürfen
Wortbildung  mit ›bedürfen‹ als Erstglied: Bedürfnis  ·  mit ›bedürfen‹ als Grundform: Bedarf
eWDG

Bedeutung

gehoben einer Sache, jmds. bedürfenetw., jmdn. brauchen, nötig haben
Beispiele:
es bedurfte keines (weiteren) Beweises, keiner Worte
es hätte nur eines Hinweises bedurft, und ich wäre gekommen
sie sprach, ohne dass es einer Aufforderung bedurft hätte
es hat einiger Überredungskunst bedurft, um ihn dazu zu bewegen
etw. bedarf der Klärung
das bedarf keiner Entschuldigung
etw. bedarf einer besonderen Genehmigung
dieser Brief bedarf keiner Antwort
jmd. bedarf der Ruhe, Schonung, Pflege, einer Zerstreuung
ihrer Hilfe, seines Beistandes, Trostes bedürfen
eines Rates, einer Unterstützung, der Nachsicht bedürfen
er hatte alles, dessen er bedurfte
eines Freundes bedürfen
wir bedürfen deiner nicht mehr
er wähnte sich selbst zu genügen und keines Menschen zu bedürfen [ I. SeidelTor176]
veraltet etw., jmdn. bedürfen
Beispiele:
nimm, was du bedarfst [ StifterWitiko2,157]
[der Vater] bedurfte den Sohn [ HeyseI 5,367]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bedürfen · Bedürfnis · bedürfnislos · Bedürfnislosigkeit · bedürftig · Bedürftigkeit · Bedarf
bedürfen Vb. ‘brauchen, nötig haben’, ahd. bithurfan ‘bedürftig sein, brauchen, bedürfen’ (um 800), mhd. bedurfen, bedürfen, mnd. bedörven, bederven, bedarven stimmen mit der alten Bedeutung des Simplex dürfen (s. d.) überein; auch sie werden von Anfang an vor allem mit dem Genitiv verbunden (es bedurfte keiner Worte, der Ruhe bedürfen). Bedürfnis n. ‘Verlangen, Wunsch’, frühnhd. bedürfnisse (15. Jh.), mnd. bederfnisse, auch ‘Mangel, Dürftigkeit’; verhüllend sein Bedürfnis (‘seine Notdurft’) befriedigen, verrichten (19. Jh.). bedürfnislos Adj. ‘genügsam’ (Ende 18. Jh.); Bedürfnislosigkeit f. (Anfang 19. Jh.). bedürftig Adj. ‘arm, Mangel leidend, mittellos’, in der Wendung einer Sache, jmds. bedürftig sein ‘etw., jmdn. brauchen, nötig haben’; ahd. bithurftīg (Hs. 13. Jh.), spätmhd. bedurftic. Vgl. zu Anfang des 17. Jhs. bezeugtes, heute untergegangenes Bedurft f. ‘Bedürfnis’. Im Sinne von ‘notleidend’ begegnet das Adjektiv oft substantiviert die Bedürftigen Plur. Zu der letztgenannten Bedeutung ist Bedürftigkeit f. ‘Mangel, Armut’ (Mitte 16. Jh.) gebildet. Bedarf m. ‘Erfordernis, Nachfrage’, das die gleiche Ablautstufe wie der Singular des präterital gebildeten Präsens von bedürfen aufweist, wird im 16. Jh. aus mnd. bedarf, bederf ‘Notdurf, Mangel’ ins Hd. übernommen. Anfangs nur in der Kanzleisprache üblich, setzt sich Bedarf im 18. Jh. als Ausdruck der Handelssprache im Sinne von ‘Dinge, derer man bedarf’ allgemein gegenüber der alten Bedeutung ‘Mangel’ durch.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedarf haben · bedürfen · benötigen · brauchen · haben müssen
Assoziationen
Synonymgruppe
beanspruchen · bedingen · bedürfen · benötigen · erfordern · gebieten · nötig haben · verlangen · voraussetzen  ●  erheischen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›bedürfen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bedürfen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bedürfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie bedürfen in diesem Alter der Hilfe, des feinfühligen Verständnisses. [Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 34]
Da es sich um ein Fest besonderer Art handelt, bedarf es auch gründlicher Vorbereitungen. [Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 222]
Auch bedarf jede Deutung als Ergebnis früherer Tätigkeit weiterer Klärung durch weitere Tätigkeit. [Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1976, S. 32]
Ein infantileinfältiges Kind bedarf einer anderen Therapie als der geltungssüchtige Star. [Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 51]
Macht bedarf immer der Kontrolle, in der Wirtschaft ebenso wie in der Politik. [Die Zeit, 23.03.2000, Nr. 13]
Zitationshilfe
„bedürfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bed%C3%BCrfen>.

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