bedürftig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-dürf-tig
Wortbildung mit ›bedürftig‹ als Erstglied: ↗Bedürftigkeit  ·  mit ›bedürftig‹ als Grundform: ↗-bedürftig

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [gehoben] ⟨einer Sache, jmds. bedürftig sein⟩
  2. 2. arm, mittellos
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben einer Sache, jmds. bedürftig sein (= etw., jmdn. brauchen, nötig haben)
Beispiele:
der Ruhe, Pflege, Erholung, Abwechslung bedürftig sein
er ist ihrer Hilfe, Freundschaft bedürftig
die Ausbesserungen, deren die Festräume […] so dringend bedürftig waren [Th. MannKönigl. Hoheit7,335]
Treue Leute, die Schwaben, und deren sind wir hier zu Hofe bedürftig [C. F. Meyer4,35]
2.
arm, mittellos
Beispiele:
einem bedürftigem Mann helfen
an Bedürftige Kleidung austeilen
den Bedürftigen beistehen
ein Wohltäter der Bedürftigen
[die Gaben sollen] die Bedürftigen speisen und kleiden [HeyseII 2,70]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bedürfen · Bedürfnis · bedürfnislos · Bedürfnislosigkeit · bedürftig · Bedürftigkeit · Bedarf
bedürfen Vb. ‘brauchen, nötig haben’, ahd. bithurfan ‘bedürftig sein, brauchen, bedürfen’ (um 800), mhd. bedurfen, bedürfen, mnd. bedörven, bederven, bedarven stimmen mit der alten Bedeutung des Simplex ↗dürfen (s. d.) überein; auch sie werden von Anfang an vor allem mit dem Genitiv verbunden (es bedurfte keiner Worte, der Ruhe bedürfen). Bedürfnis n. ‘Verlangen, Wunsch’, frühnhd. bedürfnisse (15. Jh.), mnd. bederfnisse, auch ‘Mangel, Dürftigkeit’; verhüllend sein Bedürfnis (‘seine Notdurft’) befriedigen, verrichten (19. Jh.). bedürfnislos Adj. ‘genügsam’ (Ende 18. Jh.); Bedürfnislosigkeit f. (Anfang 19. Jh.). bedürftig Adj. ‘arm, Mangel leidend, mittellos’, in der Wendung einer Sache, jmds. bedürftig sein ‘etw., jmdn. brauchen, nötig haben’; ahd. bithurftīg (Hs. 13. Jh.), spätmhd. bedurftic. Vgl. zu Anfang des 17. Jhs. bezeugtes, heute untergegangenes Bedurft f. ‘Bedürfnis’. Im Sinne von ‘notleidend’ begegnet das Adjektiv oft substantiviert die Bedürftigen Plur. Zu der letztgenannten Bedeutung ist Bedürftigkeit f. ‘Mangel, Armut’ (Mitte 16. Jh.) gebildet. Bedarf m. ‘Erfordernis, Nachfrage’, das die gleiche Ablautstufe wie der Singular des präterital gebildeten Präsens von bedürfen aufweist, wird im 16. Jh. aus mnd. bedarf, bederf ‘Notdurf, Mangel’ ins Hd. übernommen. Anfangs nur in der Kanzleisprache üblich, setzt sich Bedarf im 18. Jh. als Ausdruck der Handelssprache im Sinne von ‘Dinge, derer man bedarf’ allgemein gegenüber der alten Bedeutung ‘Mangel’ durch.

Thesaurus

Synonymgruppe
bedürftig · ↗hilfsbedürftig
Assoziationen
Synonymgruppe
arm · auf öffentliche Unterstützung angewiesen · bedürftig · dürftig · ↗finanzschwach · ↗hilfebedürftig · ↗mittellos · ↗notleidend · ohne das Nötigste · ↗prekär · sozial schwach · ↗unvermögend · verarmt · ↗ärmlich
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (ein) kümmerliches Leben fristen · in ärmlichen Verhältnissen (leben) · kümmerlich leben · unter ärmlichen Bedingungen  ●  (sein) Leben fristen  Hauptform · unter äußerst bescheidenen Verhältnissen leben  positiv, verhüllend · zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig (haben)  Spruch · äußerst bescheiden leben  positiv, verhüllend · ↗vegetieren  ugs.
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · ↗heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon
  • arbeitslos (sein) · ↗arbeitssuchend · ↗beschäftigungslos · ↗erwerbslos · nicht erwerbstätig · ohne Arbeit · ohne Arbeitsverhältnis · ohne Beschäftigungsverhältnis · ↗unbeschäftigt  ●  ↗brotlos  fig. · keine Arbeit haben  variabel · ohne Job  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • alles ausgegeben haben · kein Geld mehr haben · keinen Cent mehr haben · nicht einen Cent haben  ●  auf dem Trockenen sitzen  fig.
  • (einen) finanziellen Engpass haben · Geldsorgen haben · finanziell in der Klemme sitzen · gerade nicht zahlen können · in Geldnot · in finanzieller Verlegenheit (sein) · ↗klamm  ●  (bei jemandem ist) Ebbe in der Kasse  fig. · gerade kein Geld haben  variabel · (es) gerade nicht klein haben  ugs., ironisch · auf dem Trockenen Sitzen  ugs., Redensart · bei jemandem sieht es finanziell (momentan) nicht so rosig aus  ugs., variabel · in pekuniärer Verlegenheit  geh. · knapp bei Kasse  ugs. · knapp dran  ugs.
  • (bei jemandem) ist nichts zu holen · kein Geld haben · keine Arbeit haben · mittellos dastehen · mittellos sein · nichts verdienen · nichts zu beißen haben · von Luft und Liebe leben  ●  am Hungertuch nagen  ugs.
  • Armer · ↗Bettler · ↗Habenichts · Mittelloser  ●  ↗Hungerleider  auch figurativ · Knochenrappler  ugs., selten · armer Schlucker  ugs.
  • (es) nicht (so) dicke haben · nicht Rockefeller sein  ●  nicht auf Rosen gebettet (sein)  fig. · (sein) Geld nicht scheißen können  derb, fig. · nicht in Geld schwimmen  ugs., fig.
  • auf der Schattenseite des Lebens (stehen) · nicht auf der Sonnenseite des Lebens (geboren) · zu kurz gekommen (sein)  ●  (sozial) benachteiligt (sein)  Hauptform
  • abgehängt · ↗strukturschwach · wirtschaftsschwach
  • (das Geld) reicht hinten und vorne nicht · (von etwas) nicht leben und nicht sterben können · kaum über die Runden kommen (finanziell) · so gerade (eben) über die Runden kommen · ums Überleben kämpfen (müssen) · wenig verdienen  ●  jeden Cent zweimal umdrehen müssen  fig. · jeden Pfennig zweimal umdrehen müssen  veraltet, fig. · zum Leben zu wenig, und zum Sterben zu viel sein  sprichwörtlich · zum Sterben zu viel, und zum Leben zu wenig sein  sprichwörtlich
  • (nur) den Mindestlohn bekommen · (sehr) wenig verdienen · (sich) mit (...) Euro begnügen müssen · für einen Hungerlohn arbeiten · mit (...) Euro abgespeist werden  ●  schlecht bezahlt werden  Hauptform
  • (finanziell) am Ende · (seine) Rechnungen nicht mehr (be)zahlen können · ↗bankrott · ↗insolvent · ↗mittellos · ohne Geld (dastehen) · ohne einen Cent in der Tasche · ↗pleite · ↗zahlungsunfähig  ●  ↗abgebrannt  ugs. · ↗blank  ugs. · ↗illiquid(e)  geh.
  • (nur) wenig Geld (zur Verfügung) haben · (sehr) aufs Geld achten müssen · (sich) (etwas) nicht leisten können · (sich) nichts erlauben können · (sich) nichts leisten können · haushalten müssen · sein Geld zusammenhalten (müssen)  ●  (sich) nach der Decke strecken (müssen)  fig. · keine großen Sprünge machen können  fig. · aufs Geld gucken müssen  ugs. · es nicht so dicke haben  ugs. · jeden Cent zwei mal umdrehen (müssen)  ugs. · nicht drinsitzen  ugs. · nichts zu verschenken haben  ugs.

Typische Verbindungen zu ›bedürftig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bedürftig‹.

Verwendungsbeispiele für ›bedürftig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihren Gewinn will sie zum größten Teil an bedürftige Kinder in der ganzen Welt spenden.
Bild, 19.07.2003
Dabei ist das Gras nun wirklich nicht die bedürftigste Pflanze in diesen Zeiten.
Der Tagesspiegel, 23.08.1997
Oft sind junge Mütter, die mit ihren Kindern unterwegs sind, besonderer Hilfe bedürftig.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 25639
Wer auf versteckte Weise bedürftig ist, will nicht plötzlich durchschaut werden.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 101
Wer bedürftig ist, komme und feiere mit uns das Passahfest.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 303
Zitationshilfe
„bedürftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bed%C3%BCrftig>, abgerufen am 05.04.2020.

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