bedrücken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-drü-cken
Wortzerlegungbe-drücken
Wortbildung mit ›bedrücken‹ als Erstglied: ↗Bedrücker  ·  mit ›bedrücken‹ als Grundform: ↗Bedrücktheit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Druck auf jmdn., etw. ausüben
Beispiele:
die Eroberer, Truppen bedrücken das Land
um das bedrückte Vaterland vom Drucke zu befreien [SteinbergTag153]
2.
etw. bedrückt jmdn.etw. drückt auf jmdn., lastet auf jmdm.
Beispiele:
die niedrige Decke bedrückt mich
Sorgen bedrücken jmdn.
Kummer bedrückt sein Herz
etw. bedrückt sein Gewissen
ihn bedrückt das Gefühl der Einsamkeit
dieses Erlebnis, diese Vorstellung bedrückt ihn sehr
das Unglück bedrückte alle
seine Nähe wirkte bedrückend auf sie
ich will alles sagen, was mich bedrückt
eine kopfschmerzerzeugende, mich arg bedrückende Luft [FontaneII 1,106]
oft im Part. Prät.
bedrücktinnerlich belastet, niedergeschlagen
Beispiele:
sie ist still und bedrückt
sie ging bedrückt umher
sie antwortete bedrückt
jmd. schüttet sein bedrücktes Herz aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

drücken · Drückeberger · Druck2 · eindrücken · Eindruck · Drücker · ausdrücken · Ausdruck · ausdrücklich · bedrücken · unterdrücken · Unterdrückung · Unterdrücker
drücken Vb. ‘pressen, belasten, bedrängen’. Bis ins 17. Jh. daneben gleichbed. umlautloses obd.drucken (s. d.). Ahd. thrucken ‘pressen, bedrücken, quälen, bedrängen’ (9. Jh.), mhd. drücken, drucken ‘(be)drängen, pressen, auspressen, sich drängen’, mnd. drücken, mnl. drucken, nl. drukken, aengl. þryccan ‘zerdrücken, drängen, beleidigen, unterdrücken’, schwed. trycka ‘drücken, drucken’ sind Intensivbildungen (germ. *þrukkjan) zu einer Weiterbildung der Verbalwurzel germ. *þrūg-, die innerhalb des Germ. auch in anord. þrūga ‘drohen, unterdrücken, nötigen’ überliefert ist. Mit verwandtem lit. trū́kti ‘entzweireißen, zerspringen, bersten’ stellen sich die germ. Formen zu ie. *treuk-, *trū̌k-, einer zweifachen Erweiterung der Wurzel ie. *ter(ə)- ‘reiben, drehend reiben’, auf die auch ↗drehen und ↗drohen zurückgehen (s. d.). Drückeberger m. ‘wer sich heimlich (vor einer Arbeit) davonmacht, eine Aufgabe nicht übernimmt’ (19. Jh.), scherzhafte Bildung nach dem Typ der Herkunftsnamen auf -berger (vgl. Perleberger ‘einer aus Perleberg’, s. auch ↗Schlauberger), zu sich drücken ‘sich heimlich davonmachen’ (13. Jh.). Druck2 m. ‘das Drücken, Zwang, Belastung’, modern als technischer Terminus in Luft-, Wasser-, Überdruck u. a.; ahd. thruc ‘Druck, Einwirkung’ (um 1000), mhd. druc ‘Druck, feindliches Zusammenstoßen’. eindrücken Vb. ‘eine Spur hinterlassen, einprägen, durch Druck zerstören’, ahd. inthrucken ‘etw. mit Druck einprägen, aufdrücken’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īndrucken; für geistige Beeinflussung und Wirkung ist heute beeindrucken üblich (seit etwa 1900). Daraus rückgebildet Eindruck m. ‘Druckspur, Einwirkung auf Fühlen und Denken’, mhd. īndruc ‘Empfindung, nachhaltige Wirkung’, bei den Mystikern gebräuchlich, danach häufig seit dem 18. Jh. (einen guten, tiefen Eindruck ‘Wirkung’ machen, hinterlassen). Drücker m. ‘mechanische Vorrichtung, Handhabe zur Ausübung von Druck’ (17. Jh.), dann ‘Bedienungsknopf zur Herstellung eines elektrischen Kontaktes’; vgl. dagegen mhd. drücker ‘Unterdrücker’, so noch im 19. Jh., dann abgelöst von Unterdrücker (s. unten). ausdrücken Vb. ‘auspressen, (in Worten) darstellen’, mhd. ūʒdrücken ‘auspressen’; seit dem 15. Jh. ‘in Worte fassen, aussprechen’ (Luther: mit ausgedruckten Worten für lat. expressis verbis); im 16. Jh. wird das Part. Prät. ausgedruckt häufig für heutiges ausdrücklich (s. unten) verwendet. Das 18. Jh. verbindet ausdrücken (und Ausdruck) mit dem Sichtbarwerden von Gefühl und seelischer Reaktion und bezieht es auf künstlerische Gestaltung und Formgebung. Ausdruck m. ‘äußerliches Zeichen inneren Geschehens, Erlebens’, spätmhd. ūʒdruc, seit dem 18. Jh. ‘die Art zu sprechen’, auch ‘Redensart, Wort, (künstlerische) Gestaltung’. ausdrücklich Adj. ‘betont, deutlich, klar’ (16. Jh.). bedrücken Vb. ‘belasten’, ahd. bithrucken ‘schänden, niederdrücken, unterdrücken’ (10. Jh.), mhd. bedrücken ‘niederdrücken, überwältigen’. unterdrücken Vb. ‘niederhalten, unterjochen, gewaltsam beherrschen’, mhd. underdrücken ‘nach unten drücken, unterjochen, unterwerfen’; Unterdrückung f. ‘Unterwerfung, (gewaltsame) Beherrschung’ (15. Jh.); Unterdrücker m. (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bedrücken · ↗betrüben · ↗deprimieren · ↗desillusionieren · einen (seelischen) Tiefschlag versetzen · ↗grämen · traurig stimmen
Antonyme
Synonymgruppe
(jemandem) (noch) lange nachhängen · (jemandem) (schwer) auf der Seele liegen · bedrücken · ↗belasten · ↗berühren · ↗lasten (auf)  ●  (jemandem) (schwer) im Magen liegen  ugs., fig. · (schwer) zu knapsen haben (an)  ugs., regional
Assoziationen
  • (etwas ist für jemanden) ein schwerer Schlag · (für jemanden) ein langer Kampf sein, bis · (jemandem) sehr zusetzen · (sich) lange herumquälen (mit) · nur schwer verwinden (können) · schwer daran zu tragen haben, dass · sehr damit zu kämpfen haben, dass  ●  kaum hinwegkommen über  variabel · lange nicht fertig werden mit  Hauptform · (lange) zu knapsen haben (an)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitslosigkeit Armut Elend Enge Gedanke Gemüt Gewicht Gewissen Herz Last Nachricht Schweigen Seele Sorge Stimmung Tatsache alle bedrängen besonders dennoch du er ich mehr natürlich quälen sehr sonderlich weniger ängstigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bedrücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am meisten bedrücke sie, dass die ideologischen Gräben in dieser Frage nicht zugeschüttet werden konnten.
Die Welt, 01.10.2003
Was freut Sie, was bedrückt Sie, was regt Sie auf, und was würden Sie am liebsten noch heute ändern?
Bild, 05.08.1997
Holt war ihrem Leben wesentlich geworden, und das bedrückte ihn.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 371
Bedrückt bin ich, meine Gute, weil ich kein Geld habe, leise Schulden, sehr wenig, und weil ich gar nicht weiß, wie weiter.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 24.05.1934. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1934], S. 16222
Ich bin 40, sie bedrücken mich mehr als je zuvor.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 324
Zitationshilfe
„bedrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bedrücken>, abgerufen am 22.10.2019.

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