Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

befassen

Grammatik Verb · befasst, befasste, hat befasst
Aussprache 
Worttrennung be-fas-sen
Wortzerlegung be- fassen
eWDG

Bedeutung

sich mit etw., jmdm. befassensich mit etw., jmdm. beschäftigen, auseinandersetzen
Beispiele:
sich (gern, oft, eingehend, ausgiebig, wenig) mit einer Angelegenheit, einem Problem befassen
sich mit Literatur, Kunst, wissenschaftlichen Untersuchungen, gegnerischen Anschauungen, Naturbeobachtungen befassen
sich mit jmdm., jmds. Charakter, Schicksal befassen
er befasste sich nicht mit Kleinigkeiten
das Gericht, die Polizei muss sich mit diesem Fall befassen
die Kritik befasst sich mit der Aufführung des Dramas
die Zeitung befasste sich mit den neuesten Tagesereignissen
jmdn. mit etw. befassenjmdn. veranlassen, sich mit etw. zu beschäftigen
Beispiele:
das Gericht mit einer Anklage befassen
eine mit Atomphysik befasste (= sich beschäftigende) Gruppe
Wenn Sie die Berichte abgegeben haben, werden Sie ja mit dieser Sache nicht mehr befaßt werden [ FalladaJeder stirbt212]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fassen · faßlich · faßbar · unfaßlich · unfaßbar · gefaßt · Fassung · fassungslos · abfassen · befassen · erfassen · einfassen · Einfassung · umfassen · umfassend
fassen Vb. ‘(mit der Hand) ergreifen, in Gewahrsam nehmen, enthalten, eine Fassung, Umrahmung geben, sich innerlich zu eigen machen, begreifen’, reflexiv ‘die Selbstbeherrschung (wieder)erlangen’, ahd. faʒʒōn ‘in ein Gefäß füllen, gießen, beladen, bepacken, mit etw. bekleiden’ (9./10. Jh.), mhd. vaʒʒen ‘ergreifen, zusammenpacken, aufladen, überziehen mit etw., rüsten, kleiden, schmücken’, mnd. mnl. vāten, vatten, nl. vatten, anord. fata ‘lose zusamenfügen’ ist wohl zu einem in ahd. faʒʒa ‘Bündel, Bürde, Gepäck, Last’ (um 800), anord. fata ‘Kanne, Bütte’ belegten Substantiv gebildet und gehört daher etymologisch zu Faß (s. d.); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 12. Ausgangsbedeutung ist ‘(in ein Gefäß) füllen, umhüllen, bekleiden’, die in den heute vielfältigen Verwendungsweisen sowie in den meisten Ableitungen und Komposita noch erkennbar ist. – faßlich Adj. (17. Jh.), faßbar Adj. (19. Jh.) ‘gut verständlich, einprägsam, konkret’; unfaßlich Adj. (16. Jh.), unfaßbar Adj. (17. Jh.) ‘das geistige Fassungsvermögen übersteigend, absurd’; gefaßt Part.adj. ‘innerlich gerüstet, beherrscht, gelassen’ (16. Jh.). Fassung f. ‘Umrahmung, Vorlage, Version, Selbstbeherrschung’, ahd. faʒʒunga ‘Last, Ladung’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vaʒʒunge ‘Faß, Bekleidung, Schmuck’; fassungslos Adj. ‘bestürzt, außer sich’ (19. Jh.). abfassen Vb. ‘in Schriftform bringen, konzipieren’ (17. Jh.), ‘abfangen, festnehmen’ (19. Jh.). befassen Vb. mhd. bevaʒʒen ‘besetzen, befestigen’, später (bis zum 17. Jh.) ‘mit den Händen begreifen, umfassen, einschließen, erfassen’, heute meist reflexiv sich mit etw. befassen ‘beschäftigen’ (18. Jh.). erfassen Vb. ‘ergreifen, begreifen, registrieren’ (17. Jh.). einfassen Vb. ‘umgeben, umschließen, einfüllen’, mhd. īnvaʒʒen; Einfassung f. ‘Einrahmung’ (16. Jh.). umfassen Vb. ‘(mit den Armen) umfangen, einschließen’ (15. Jh.); umfassend Adj. ‘weitreichend, universal’ (18. Jh.). Ferner s. verfassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) anschneiden · (etwas) ansprechen · (etwas) benennen · (sich) befassen (mit) · behandeln · eingehen (auf) · zu sprechen kommen (auf) · zum Thema machen · zur Diskussion stellen · zur Sprache bringen  ●  thematisieren  Hauptform · aufs Tapet bringen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) befassen (mit) · (sich) kümmern · (sich) umtun · aktiv sein · aktiv werden (in einer Angelegenheit) · arbeiten (an) · befasst sein (mit) (Verwaltungsdeutsch) · nicht untätig sein  ●  (an etwas) dran sein  ugs. · (et)was tun  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›befassen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›befassen‹.

Verwendungsbeispiele für ›befassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jedenfalls ist weder die Regierung damit befaßt noch gar die Opposition ins Vertrauen gezogen worden. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 39]
Wir befassen uns noch ausführlich mit den Tabus, die ich angerührt habe. [Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 3]
Doch brauchen wir uns bei diesem Problem mit der Größe dieser Rate hier nicht weiter zu befassen. [Krelle, Wilhelm: Produktionstheorie, Tübingen: Mohr 1969 [1961], S. 211]
Wir befassen uns zunächst mit der Frage nach dem öffentlichen Interesse. [Giersch, Herbert: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wiesbaden: Gabler 1960, S. 251]
So genau habe ich mich in meinem Leben mit meinem Aussehen nie befasst. [Die Zeit, 04.11.1999, Nr. 45]
Zitationshilfe
„befassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/befassen>.

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