befehden

GrammatikVerb · befehdet, befehdete, hat befehdet
Aussprache
Worttrennungbe-feh-den (computergeneriert)
GrundformFehde
Wortbildung mit ›befehden‹ als Erstglied: ↗Befehdung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn., etw., sich bekämpfen
Beispiel:
im Mittelalter befehdeten sich die Fürsten oft untereinander
gehoben, übertragen
Beispiele:
Parteien, Politiker, Schriftsteller befehden sich in ihren Anschauungen
jmdn. in einer Kritik befehden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fehde · Fehdebrief · Fehdehandschuh · Urfehde · befehden
Fehde f. ‘Zwist, (kriegerische) Auseinandersetzung, Feindseligkeit’, ahd. gifēhida ‘Feindseligkeit’ (9./10. Jh.), mhd. vēhede, vēde ‘Feindseligkeit, Haß, Streit’, mnd. mnl. vēde, aengl. fǣhþ ‘Feindschaft, Gewalt, Rache’ sind Abstraktbildungen zu einem Adjektiv, das in ahd. gifēh ‘feindlich, geächtet’ (10. Jh.), mhd. gevēch ‘feindlich, feindselig’, mnl. ghevee, aengl. fāh ‘feindlich’, (ge)fāh ‘geächtet’ erhalten ist. Verwandt sind ferner mhd. fēhe ‘Feindseligkeit, Haß, Streit’, ahd. fēhen (11. Jh.), mhd. vēhen ‘beneiden, feindlich behandeln’, asächs. āfēhian ‘verurteilen’, engl. foe ‘Feind’. Sie führen mit aind. píśunaḥ ‘verleumderisch, böse’, lit. peĩkti ‘tadeln, schmähen’, peĩkštis ‘zanken, hadern, streiten’, pìktas ‘böse, zänkisch, zornig’, lat. piget ‘es ist verdrießlich’ auf die Wurzelvarianten ie. *peig-, *peik̑-, *peik- ‘feindselig gesinnt’ (s. auch ↗feige). Aus germanischem Rechtsbrauch stammend, ist die Fehde als Mittel der Selbsthilfe (auch als Rache für Totschlag) zwischen Sippen bzw. Familien rechtlich zulässig. Im Mittelalter wird der Ausdruck (vgl. besonders mnd. vēde) auch auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Fürsten, Adel und Städten zur Austragung von Rechtsstreitigkeiten bezogen. Nach überhandnehmendem Mißbrauch werden Fehden im Ewigen Landfrieden (1495) endgültig verboten. Das zum Archaismus gewordene Wort wird im 18. Jh. neu belebt und hat die oben genannte abgeschwächte, allgemeinere Bedeutung. Fehdebrief m. ‘schriftliche Ankündigung einer Fehde an die gegnerische Partei’, spätmhd. vēhedebrief. Fehdehandschuh m. ‘als Zeichen der Herausforderung hingeworfener Handschuh’. Die symbolische Geste ist bereits in der Ritterzeit üblich, das Kompositum jedoch wohl erst im 18. Jh. nach dem Vorbild von frz. jeter le gant ‘den Handschuh (hin)werfen’ gebildet. Urfehde f. ‘feierlich geleistetes Friedensversprechen, erklärter Verzicht auf Rache’. Mhd. urvēde ist wie gleichbed. mhd. urvēhe Abstraktbildung zu einem Adjektiv (mit negierendem ur-, aus *uz ‘aus’) spätmhd. urvēch, frühnhd. urfech ‘frei von Feindseligkeit’, eigentlich ‘der, dessen Feindseligkeit aus ist’. befehden Vb. ‘bekämpfen, anfeinden’ (15. Jh.), vgl. spätmhd. vēheden.

Thesaurus

Synonymgruppe
Front machen gegen (jemanden) · ↗anfeinden · ↗angehen (gegen) · befehden · ↗mobilmachen (gegen) · vorgehen gegen (jemanden)
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) anfeinden · (sich) befehden · ↗(sich) bekriegen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) balgen · (sich) befehden · ↗(sich) beharken · ↗(sich) zanken · Streit haben · im Clinch liegen (mit) · im Streit liegen · in Streit liegen (mit) · über Kreuz liegen (mit)  ●  ↗(sich) streiten  Hauptform · auf Kriegsfuß stehen (mit jemandem)  fig. · ↗(sich) fetzen  ugs. · ↗(sich) herumstreiten  ugs. · ↗(sich) herumzanken  ugs. · (sich) in den Haaren haben  ugs. · (sich) in den Haaren liegen  ugs. · ↗(sich) kabbeln  ugs. · ↗(sich) kampeln  ugs. · (sich) streiten wie die Kesselflicker  ugs. · ↗(sich) zoffen  ugs. · Krach haben  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anhänger Wahlkampf bitter erbittert gegenseitig heftig ständig untereinander

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›befehden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man befehdet einander nicht mehr, man hat jetzt nebeneinander seinen Stand und geht einander doch aus dem Weg.
Süddeutsche Zeitung, 16.06.2000
Man befehdete sich von Burg zu Burg gern und häufig.
Die Zeit, 30.05.1980, Nr. 23
Nun befehden sich nicht mehr die alte und neue Zeit.
Schalk, Fritz: Die europäische Aufklärung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 15893
Der Adel wich aus der Stadt und befehdete sie von seinen Burgen aus.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 937
Ihre Organisation umgreift noch die, welche sie befehden, und normt ihr Bewußtsein.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 266
Zitationshilfe
„befehden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/befehden>, abgerufen am 22.11.2019.

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