befehlen

GrammatikVerb · befiehlt, befahl, hat befohlen
Aussprache
Worttrennungbe-feh-len (computergeneriert)
Wortbildung mit ›befehlen‹ als Letztglied: ↗anbefehlen  ·  formal verwandt mit: ↗pflegebefohlen · ↗schutzbefohlen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdm. einen Befehl geben, jmdn. bindend beauftragen, etwas zu tun
Beispiele:
jmdm. (ausdrücklich, in rauem, barschem Ton) befehlen, eine Arbeit zu verrichten
ihm war befohlen, die Nachricht weiterzuleiten
den Soldaten wurde befohlen, in Reih und Glied anzutreten
der Polizist befahl, ihm zu folgen
sich [Dativ] von niemandem (etwas) befehlen lassen
sprichwörtlichwer befehlen will, muss erst gehorchen lernen
jmdm. etw. gebieten
Beispiele:
uneingeschränkten Gehorsam, unbedingte Verschwiegenheit befehlen
ein Verhalten, wie es die Klugheit, Sitte, Pflicht, Treue, das Gewissen befiehlt
Als ob man die Liebe befehlen könnte [MozartEntführungII 3]
wie das Gesetz es befahl [SchillerSpaziergang]
umgangssprachlich, scherzhaft
Beispiele:
wie Sie befehlen!
wie du befiehlst!
2.
jmdn., etw. an eine bestimmte Stelle beordern
Beispiele:
jmdn. zum Militärdienst, zur Nachmusterung, an die Front befehlen
die Menschenmenge in einen Raum befehlen
er wurde zum Chef, in eine andere Stadt befohlen
etw. kommen lassen
Beispiel:
den besten Wein auf die Tafel befehlen
3.
(über) jmdn., etw. befehlenüber jmdn., etw. die Befehlsgewalt haben, herrschen
Beispiele:
(über) eine Armee befehlen
der Fürst hatte (über) dieses Land zu befehlen
über ein Unternehmen zu befehlen haben
4.
gespreizt befehlen?Ausdruck großer Höflichkeit   Sie wünschen, belieben?
Beispiele:
die gnädige Frau befehlen?
befehlen Sie Wein?
5.
veraltend, gehoben sich, jmdn., etw. einer Sache, jmdm. anvertrauen
Beispiele:
sich jmds. Schutz befehlen
er ist seiner Fürsorge, ihm befohlen
Gott befohlen! (= Abschiedsgruß)
Befiehl du deine Wege ... der allertreusten Pflege [Kirchenlied]
In deine Hand befehlʼ ich meinen Sohn [Grillp.Weh demI]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

befehlen · Befehl · befehligen
befehlen Vb. ‘anordnen, gebieten’. Ahd. bifel(a)han ‘anvertrauen, begraben, empfehlen’ (8. Jh.), mhd. bevelhen ‘anvertrauen, übergeben’, asächs. bifelhan, mnd. bevēlen, afries. bifela, aengl. befēolan ‘anvertrauen, verbergen’ sind Präfixbildungen zu einem germ. Simplex, das in ahd. fel(a)han ‘zurechtlegen, einsäen, anvertrauen’ (8./9. Jh.), aengl. fēolan ‘eindringen’, anord. fela ‘verbergen’, got. filhan ‘begraben, verbergen’ (germ. *felhan) und auch in nhd.empfehlen (s. d.) erhalten ist. Weitere Herkunft ungewiß. Außergerm. finden sich keine sicheren Verwandten. Ein Vergleich mit griech. pélas (πέλας) ‘Haut, Fell’, apreuß. pelkis ‘Mantel’, der die germ. Formen als k-Erweiterungen der Wurzel ie. *pel- ‘bedecken, verhüllen’ erklären würde, ist wenig wahrscheinlich. Auszugehen ist von einer Bedeutung ‘eindringen’ und ‘verbergen, begraben, der Erde anvertrauen’, die zu ‘anvertrauen’ im allgemeinen Sinne weiterentwickelt; über ‘ein Amt, einen Auftrag anvertrauen, geben’ wird das Verb synonym mit ‘gebieten’. Nur in religiöser Sprache (etw. Gott befehlen) wird die alte Bedeutung ‘anvertrauen’ bis heute bewahrt. Vom Verbum abgeleitet Befehl m. ‘Auftrag, Gebot’, spätmhd. bevelch, bevel ‘Übergebung, Obhut’, frühnhd. auch Befehlich, Befehlig m., wovon befehligen Vb. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
befehlen · ↗befehligen · ↗kommandieren
Synonymgruppe
(eine/die) Anweisung geben · ↗anordnen · befehlen · ↗dekretieren · ↗verhängen · ↗vorschreiben  ●  ↗verfügen (dass)  Amtsdeutsch · ↗anweisen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
befehlen · ↗bestimmen · ↗festlegen · ↗reglementieren · ↗verfügen · ↗vorschreiben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschuß Bombardierung Deportation Einmarsch Engel Ermordung Erschießung Exekution Führer General Hauptmann Hinrichtung Invasion Kaiser Kommandant Kommandeur König Luftangriff Mobilmachung Mord Oberst Offizier Rapport Rückzug Untergebener Vorgesetzter anbefehlen barsch gehorchen ihr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›befehlen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und er hat mir befohlen, in meinem Zuhause Herr zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2004
Statt zu schreien, befahl sie dem Mann barsch, sich nackt auszuziehen.
Bild, 30.10.1997
In diesem Kampf befahl der Abt, und sie hatten dem Abt zu gehorchen.
Nitschke, August: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 4442
Es wurde damals gar nichts befohlen, sondern er wies mich nur an, weiter über dieses Problem überhaupt nachzudenken.
o. A.: Einhundertsiebenundvierzigster Tag. Mittwoch, 5. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 23221
Die Schwester hatte es so gewünscht, um nicht zu sagen - befohlen.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8889
Zitationshilfe
„befehlen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/befehlen>, abgerufen am 15.12.2019.

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