begeben

GrammatikVerb · begibt, begab, hat begeben
Aussprache
Worttrennungbe-ge-ben
Grundformgeben
Wortbildung mit ›begeben‹ als Erstglied: ↗Begebnis · ↗Begebung · ↗begebbar
 ·  mit ›begeben‹ als Letztglied: ↗fortbegeben · ↗heimbegeben · ↗herunterbegeben · ↗hinaufbegeben · ↗hinausbegeben · ↗hinbegeben · ↗hineinbegeben · ↗hinunterbegeben · ↗hinwegbegeben · ↗hinüberbegeben · ↗wegbegeben · ↗zurückbegeben
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich an eine bestimmte Stelle begebenan eine bestimmte Stelle gehen
Beispiele:
papierdeutschsich in jmds. Wohnung, in die Stadt, an seinen Platz, auf Reisen begeben
papierdeutscher begab sich von England nach Frankreich
papierdeutschsie hat sich zeitig zu Bett, zur Ruhe begeben
papierdeutschsich auf den Heimweg begeben (= heimgehen)
papierdeutschsich in ärztliche Behandlung begeben (= sich ärztlich behandeln lassen)
mit dieser Unternehmung hat er sich auf unsicheres, unerforschtes Terrain begeben
gehobensich in jmds. Schutz begeben (= sich unter jmds. Schutz stellen)
sprichwörtlichwer sich in Gefahr begibt (= sich einer Gefahr aussetzt), kommt darin um
gehoben, bildlich sich an etw. begebenetw. beginnen
Beispiel:
sich an die Arbeit, ans Werk, an eine Untersuchung begeben
2.
gehoben etw. begibt sichetw. ereignet sich, geschieht
Beispiele:
etw. Außergewöhnliches hat sich begeben
er erzählte ihm, was sich dort begeben hatte
da begab es sich, dass ...
Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging [Anfang der biblischen Weihnachtsgeschichte]
so wisse er nicht, was sich weiter mit ihr begeben habe [Bergengr.Pelageja189]
3.
gehoben sich einer Sache begeben(freiwillig) auf etw. verzichten
Beispiele:
sich eines Rechts, eines Anspruchs, einer Möglichkeit begeben
Der eigene Ton [des Dichters] ist alles; wer den nicht hält, begibt sich der inneren Freiheit [Hofmannsth.ProsaI 309]
Der Gemeindevorsteher Klaus Tietge, der sich nun freiwillig des atmenden Lebens begeben hatte (= Selbstmord begangen hatte) [Liliencron3,104]
4.
Kaufmannssprache etw. ausgeben, in Umlauf setzen
Beispiele:
eine Anleihe, einen Wechsel begeben
Schuldverschreibungen begeben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geben · abgeben · Abgabe · angeben · Angabe · Angeber · angeblich · aufgeben · Aufgabe · ausgeben · Ausgabe · ausgiebig · begeben · Begebenheit · beigeben · Beigabe · eingeben · Eingabe · Eingebung · ergeben · Ergebung · ergeben · Ergebenheit · Ergebnis · ergiebig · freigebig · Freigebigkeit · hingeben · Hingabe · Hingebung · hingebungsvoll · nachgeben · nachgiebig · übergeben · Übergabe · umgeben · Umgebung · Untergebener · vergeben · Vergebung · vergebens · vergeblich · zugeben · Zugabe
geben Vb. ‘(hin-, dar)reichen, schenken, überlassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. geban (8. Jh.), mhd. geben, asächs. geƀan, mnd. gēven, mnl. ghēven, nl. geven, aengl. giefan (engl. to give ist aus dem Nord. entlehnt), anord. gefa, schwed. giva, got. giban (germ. *geban). Herkunft ungesichert. Das Verb wird allgemein mit lat. habēre ‘halten, haben, besitzen’, habilis ‘handlich, geeignet’, air. gaibid ‘nimmt, ergreift, erhält’, lit. gabénti ‘fördern, transportieren, herbei-, fortschaffen’, aruss. gabati ‘bedrängen, verfolgen (?)’, tschech. (älter) habati ‘raffen’, poln. gebać ‘anfechten, reizen, beunruhigen’ zu der in mehreren Varianten vorliegenden Wurzel ie. *ghabh-, *ghab-, *ghap- ‘fassen, nehmen’ (die letzte Variante wohl unter Einfluß der Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, s. ↗heben) gestellt. Der auffallende Bedeutungsunterschied zwischen den germ. Vertretern und dem ie. Wurzelansatz (‘geben’ – ‘nehmen’) wird damit erklärt, daß hier eine germ. Eigenbildung als Ersatz für ie. *dō- ‘geben’ vorliegt, die sowohl lautlich (im Vokalismus der Stammsilbe) wie inhaltlich unter dem Einfluß von germ. *neman (s. ↗nehmen) als Gegenwort steht (was man hat, auswählend ergreift, „nimmt“, kann man darreichen, schenken, „geben“). Die reiche Bedeutungsentfaltung des Verbs führt zu zahlreichen Präfixbildungen mit weiteren Ableitungen. abgeben Vb. ‘(einen Teil) hergeben, abtreten, überlassen, darstellen, sein’ reflexiv ‘sich beschäftigen, befassen’, frühnhd. ab(e)geben, vgl. ahd. abageban ‘verlassen, im Stich lassen’ (9. Jh.); Abgabe f. ‘zu entrichtende Leistung, Überlassung’ (2. Hälfte 17. Jh.). angeben Vb. ‘(aus)sagen, anzeigen, verraten, bestimmen, prahlen, aufschneiden’, mhd. an(e)geben, auch ‘(ein Kleid) anlegen’; Angabe f. ‘Aussage, Prahlerei, Aufschneiderei’ (Anfang 16. Jh.); Angeber m. ‘Denunziant, Aufschneider’, frühnhd. angeber ‘Anfänger, Anstifter’; angeblich Adj. ‘vermeintlich’ (1. Hälfte 18. Jh.). aufgeben Vb. ‘zur Weiterleitung übergeben, erledigen lassen, verzichten, zurücktreten’, mhd. ūfgeben; Aufgabe f. ‘Übergabe zur Weiterleitung, Auftrag, Verzicht’, mhd. ūfgābe. ausgeben Vb. ‘austeilen, aushändigen, verkünden, Geld verbrauchen, spendieren’, reflexiv ‘seine Kräfte verbrauchen, verausgaben’, ahd. ūʒgeban ‘(her)ausgeben, ausschütten’ (9. Jh.), mhd. ūʒgeben; Ausgabe f. ‘Austeilung, Aushändigung, Verkündigung, Verbrauch an Geld, Edition, Nummer einer Zeitung, Zeitschrift’, spätmhd. ūʒgābe; ausgiebig Adj. ‘reichlich’ (Mitte 18. Jh.). begeben Vb. reflexiv ‘sich aufmachen, gehen, sich ereignen, geschehen’, sich einer Sache begeben ‘auf etw. verzichten’, ahd. bigeban ‘verlassen, aufgeben’ (10. Jh.), mhd. begeben; Begebenheit f. ‘Ereignis, Geschehen’ (1. Hälfte 17. Jh.). beigeben Vb. ‘mitgeben, hinzufügen, zur Verfügung stellen, nachgeben, sich fügen’ (1. Hälfte 16. Jh.); Beigabe f. (1. Hälfte 19. Jh.). eingeben Vb. ‘einflößen, einreichen’, mhd. īngeben ‘übergeben, überweisen’; Eingabe f. ‘das Einflößen, schriftlicher Vorschlag, Gesuch’, spätmhd. ingābe; Eingebung f. ‘plötzlich auftauchender Gedanke, Intuition’ (1. Hälfte 15. Jh.). ergeben Vb. ‘als Ergebnis hervorbringen’, reflexiv ‘zustande kommen, sich hingeben, widmen, die Waffen strecken, sich dem Feind ausliefern’, ahd. irgeban ‘(von sich) geben, heraus-, übergeben, sich jmdm. ausliefern, Rechenschaft ablegen’ (8. Jh.), mhd. ergeben ‘zeigen, herausgeben, übergeben, anheimgeben, einträglich sein’, reflexiv ‘sich in jmds. Gewalt geben, sich fügen’; Ergebung f. ‘das Sichergeben, Unterwerfung, Ergebenheit’ (14. Jh.); ergeben Part.adj. ‘gefügig, hingebungsvoll, wohlgeneigt’, in frühnhd. Zeit aus dem Part. Prät. mhd. ergeben ‘sich durch Gelübde dem Mönchsleben ergeben habend’; Ergebenheit f. ‘demütige Hingabe, Fügsamkeit’, mhd. ergebenheit ‘Klostergelübde’; Ergebnis n. ‘Resultat’ (um 1800); ergiebig Adj. ‘ertragreich, fruchtbar’ (16. Jh.). freigebig Adj. ‘gern gebend, großzügig’, Freigebigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.). hingeben Vb. ‘weg-, fortgeben, verschenken’ (15. Jh.), reflexiv ‘sich aufopfern, sich widmen’ (18. Jh.); vgl. schon ahd. hinageban ‘hingeben, übergeben, preisgeben’ (um 1000); Hingabe f. ‘Opferbereitschaft, Leidenschaft’ und gleichbed. Hingebung f. (1. Hälfte 19. Jh.), älter im Sinne von ‘das Weg-, Fortgeben’ (Hingebung seit dem 17. Jh., Hingabe seit dem 18. Jh.); hingebungsvoll Adj. ‘voll Eifer, Aufopferung’ (1. Hälfte 19. Jh.). nachgeben Vb. ‘nicht standhalten, Widerstand aufgeben, sich fügen, erschlaffen, locker werden’, spätmhd. nāchgeben ‘zulassen, einräumen’; nachgiebig Adj. ‘nicht standhaltend, keinen Widerstand entgegensetzend, schlaff, leicht umzustimmen, fügsam’ (18. Jh.). übergeben Vb. ‘aushändigen, überantworten, ausliefern, für etw. freigeben’, reflexiv ‘sich erbrechen’, mhd. übergeben ‘übertreffen, beeinträchtigen, verletzen, verzichten’, reflexiv ‘sich aufgeben, schuldig bekennen’; Übergabe f. ‘Aushändigung, Auslieferung’ (Ende 15. Jh.). umgeben Vb. ‘ein-, umschließen’, ahd. umbigeban ‘umgeben, umstellen’ (8. Jh.), mhd. umbegeben; Umgebung f. ‘einen Ort umgebende Landschaft, jmdn. umgebender Kreis von Menschen’ (um 1800; vorher dafür Environs, nach gleichbed. frz. environs Plur.), älter im Sinne von ‘das Herumgeben, Umhängen’ (Ende 15. Jh.). Untergebener m. ‘wer einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt ist’ (um 1600), substantivierte Form zum Part.adj. untergeben ‘einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt’, eigentlich Part. Prät. zu heute nicht mehr üblichem untergeben ‘unter Aufsicht stellen’, ahd. untargeban ‘unterwerfen, unterstellen’ (um 800), spätmhd. undergeben. vergeben Vb. ‘weggeben, austeilen, verschenken, verzeihen’, meist reflexiv ‘seinem Ansehen schaden’, nur reflexiv ‘sich beim Austeilen (der Spielkarten) irren, falsch geben’, ahd. firgeban ‘vergeben, schenken, einräumen’ (8. Jh.), mhd. vergeben; Vergebung f. ‘das Vergeben, Vergabe, Verzeihung’, spätmhd. vergebunge ‘Verzeihung’; vergebens Adv. ‘vergeblich, erfolglos, umsonst, nutzlos’, spätmhd. vergeben(e)s, mit sekundärem s für gleichbed. mhd. vergebene ‘geschenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich’, Adverb zum Part. Prät. mhd. vergeben; vgl. ahd. firgebano Adv. ‘umsonst, ohne Gegenleistung’ (um 1000). vergeblich Adj. ‘erfolglos, nutzlos, umsonst’, zuerst md. vergebelich (15. Jh.), vgl. mhd. frühnhd. vergebenlich (wohl gekürzt aus vergebendlich). zugeben Vb. ‘hinzufügen, dazugeben, für richtig erklären, einräumen, gestehen’ (15. Jh.), vgl. schon ahd. zuogeban ‘hinzufügen, zuteilen, verteilen’ (9. Jh.), dagegen mhd. zuogeben ‘tapfer auf jmdn. eindringen, jmdm. zusetzen’; Zugabe f. ‘was zusätzlich über die pflichtgemäße Leistung oder Menge hinaus gegeben wird’, spätmhd. zuogābe ‘Zugabe, Mitgift’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) abspielen · ↗(sich) ereignen · ↗(sich) zutragen · ↗ergehen · ↗geschehen · kommen zu (es) · nicht ausbleiben · ↗passieren · ↗vorfallen  ●  ↗erfolgen  förmlich · (sich) begeben (es)  geh. · ↗(sich) tun  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) begeben (nach / zu ...) · (sich) bewegen (nach / zu ...) · ↗(sich) hinbegeben · ↗hingehen  ●  ↗(irgendwohin) gehen  Hauptform, variabel · (sich) bemühen (nach / zu ...)  geh. · ↗(sich) hinbemühen  geh. · (sich) verfügen (nach / zu ...)  geh., Amtsdeutsch, altertümelnd

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktie Anleihe Bond Bundesanleihe Dollar-Anleihe Emission Euro-Anleihe Genußschein Hochzinsanleihe Optionsschein Papier Papiere Pfandbrief Schatzschein Schein Schuldtitel Schuldverschreibung Staatsanleihe Titel Umtauschanleihe Unternehmensanleihe Vorzugsaktie Wandelanleihe Wandelschuldverschreibung Wertpapier Zertifikat bereits kürzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›begeben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So weit in die Ferne hätte er sich nicht begeben müssen.
Die Welt, 28.04.2005
Und weil man es irgendwann nicht mehr hören möchte, haben wir uns auf die Suche begeben.
Der Tagesspiegel, 16.08.2003
Die weiteren Gäste treffen ein, und man begibt sich zu Tisch.
Fath, Rolf: Werke - S. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 22094
Also bleibt nichts, als sich selbst auf die Suche zu begeben.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 166
Da er sich krank fühlte, begab er sich schließlich in ein Hotel.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Grafen Komarowski vor dem Schwurgericht zu Venedig. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 823
Zitationshilfe
„begeben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/begeben>, abgerufen am 12.12.2019.

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