begraben

GrammatikVerb · begräbt, begrub, hat begraben
Aussprache
Worttrennungbe-gra-ben (computergeneriert)
Wortzerlegungbe-graben
Wortbildung mit ›begraben‹ als Erstglied: ↗Begräbnis
eWDG, 1967

Bedeutung

siehe auch Grab
1.
den Verstorbenen der Erde übergeben
Beispiele:
einen Toten begraben
jmdn. würdig, in Ehren, mit großem Pomp, Prunk, in aller Stille begraben
jmdn. lebendig begraben
ich fühle mich wie lebendig begraben (= wie abgeschnitten von aller Welt)
Ich begrub dort meine liebe Mutter und beweinete sie sehr [Storm5,67]
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag [BrechtSchweyk6]
jmdn. verschütten (und dadurch töten)
Beispiele:
die Lawine begrub eine Gruppe Touristen
das zusammenstürzende Haus begrub seine Bewohner unter sich
unter Schutt, Trümmern begraben werden
2.
übertragen
a)
gehoben etw. aufgeben
Beispiele:
seine Hoffnung, Pläne, Träume, Forderungen begraben
das sind längst begrabene Wünsche
b)
gehoben etw. Geschehenes vergessen
Beispiele:
eine Affäre, Angelegenheit, einen Justizskandal begraben
begrabene Geschichten wieder aufrühren
seinen Schmerz begraben
c)
gehoben
Beispiel:
etw. in seiner Brust, in seinem Herzen begraben (= es als Geheimnis, Erinnerung bewahren)
d)
etw. beenden
Beispiele:
gehobenden Streit, einen alten Zwist begraben
umgangssprachlichdas Kriegsbeil begraben (= den Streit beilegen)
gehobenUnterdrückte / Begrabt eure Zwietracht [BrechtGedichte205]
e)
umgangssprachlich
Beispiele:
dort möchte ich nicht begraben sein (= dort möchte ich auf keinen Fall längere Zeit bleiben)
salopphier liegt der Hund begraben (= das ist der Kern der Sache)
saloppihr könnt euch begraben lassen (= mit euch ist nichts anzufangen) (= ihr versteht davon nichts)
3.
veraltet etw., sich vergraben
Beispiele:
Da saß ich nun, den Kopf ... in die Hände begraben [G. KellerGr. Heinrich4,640]
er ... begrub sich in die Kissen [des Lagers] [C. F. MeyerSchuß v. d. Kanzel3,104]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

graben · ausgraben · Ausgrabung · begraben · Begräbnis · Gräber · Grabmal · Grabscheit
graben Vb. ‘Erde umwerfen, eine Vertiefung (im Erdboden) machen, einkerben, unter der Erde suchen, schürfen’. Das gemeingerm. Verb ahd. graban (um 800), mhd. graben, asächs. graƀan, mnd. mnl. grāven, nl. graven, afries. greva, aengl. grafan, engl. to grave, anord. grafa, schwed. gräva, got. graban (germ. *graban) gehört mit aslaw. grebǫ ‘rudere, grabe’, russ. grebú (гребу) ‘rudere, scharre zusammen’, älter auch ‘grabe, wühle, raffe an mich’, aslaw. pogrěbati, russ. pogrebát’ (погребать) ‘begraben, beerdigen’ zu einer Ausgangsform ie. *ghrebh-, die oft (wie bei Pokorny 1, 455) in zwei homophone Ansätze mit der Bedeutung ‘kratzen, scharren, graben’ sowie ‘ergreifen, erraffen, harken’ (s. ↗grabbeln) aufgespalten wird, wobei zugegeben wird, daß zwischen beiden Ansätzen zum Teil nicht scharf zu trennen ist. Das Paradigma des germ. Verbs folgt nicht dem e-/o-Ablaut des ie. Ansatzes, sondern ist in die Ablautreihe germ. a/ō übergetreten. Zum Verb gehören ↗Grab, ↗Graben, ↗Gracht, ↗Grube; außerhalb der Ablautformen des Verbalparadigmas stehen die (zur alten ie. Ausgangsform stimmenden) Bildungen ↗Gruft, ↗Grubber und das Iterativum ↗grübeln (s. d.). ausgraben Vb. ‘durch Graben aus der Erde herausholen, durch Graben im Erdboden eine Vertiefung schaffen’, ahd. ūʒgraban (10. Jh.), mhd. ūʒgraben; dazu Ausgrabung f. ‘Freilegung (vor)geschichtlicher Funde’, Terminus der Archäologie seit dem 18. Jh. begraben Vb. ‘beerdigen, bestatten’, übertragen ‘aufgeben, nicht mehr davon sprechen’, ahd. bigraban ‘beerdigen’ (8. Jh.), mhd. begraben, auch ‘ziselieren, mit einem Graben umgeben’; Begräbnis n. ‘Bestattung, Beerdigung’, auch ‘Grabstätte, Gruft’, mhd. begrebnis(se) ‘Grabstätte’. Gräber m. häufig auch umlautlos Graber, ahd. grabāri (Hs. 13. Jh.), bigrabāri (10. Jh.) ‘Totengräber’, mhd. grabære, mnd. grāvēre; heute meist in Zusammensetzungen wie Gold-, Schatz-, Totengräber. Grabmal n. ‘am Grab aufgestelltes Erinnerungsmal’ (16. Jh.; zuerst in Luthers Bibelübersetzung), Zusammensetzung mit ↗Mal (s. d.) in dessen Bedeutung ‘Zeichen’. Grabscheit n. ‘Spaten, Schaufel’, mhd. grabeschīt, seit dem Frühnhd. die fugenvokallose Form Grabscheit; zum Grundwort s. ↗Scheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
beerdigen · begraben · ↗beisetzen · ↗bestatten · das letzte Geleit geben · zu Grabe tragen · zur letzten Ruhe betten  ●  das letzte Aufgebot bestellen  fig., selten · die letzte Ehre erweisen  geh. · ↗einbuddeln  derb · unter die Erde bringen  derb · ↗verscharren  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Hitler-Stellvertreter Hoffnung Hund Kriegsbeil Leich Leiche Leichnam Soldat Tote Traum dort lebendig längst tot

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›begraben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den Jahrhunderten davor hatte die Sandwüste vierzehn Dörfer unter sich begraben.
Der Tagesspiegel, 24.08.2001
Acht von ihnen liegen unter dem fast 1000 Jahre alten Dom begraben.
Die Welt, 05.06.1999
Ich wurde auf russischer Erde geboren, in dieser Erde wird man mich begraben.
Der Spiegel, 13.10.1997
Er hat nicht mal Zeit, seine erschlagenen Kinder zu begraben.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 49
Und einen anderen, Karl S., haben sie heute morgen begraben.
Brief von Rektor H. vom 14.09.1944. In: Ortwin Buchbender u. Reinhold Sterz (Hgg.), Das andere Gesicht des Krieges, München: Beck, 1982, S. 154
Zitationshilfe
„begraben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/begraben>, abgerufen am 15.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
begrabbeln
begossen
begöschen
Begönnerung
begönnern
Begräbnis
Begräbnisfeier
Begräbnisfeierlichkeit
Begräbniskosten
Begräbnisplatz