begreifen
GrammatikVerb · begriff, hat begriffen
Aussprache
Worttrennungbe-grei-fen (computergeneriert)
Ableitung vongreifen
Wortbildung mit ›begreifen‹ als Erstglied: ↗begreifbar · ↗begreiflich
 ·  mit ›begreifen‹ als Letztglied: ↗einbegreifen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. verstehen
a)
jmdm. etwas nachempfinden
Beispiele:
ich kann ihn nicht begreifen
er begriff sie in ihrer Geduld nicht
sich selbst nicht mehr begreifen
du wirst gleich begreifen, warum ich das getan habe
ich kann das vollkommen begreifen (= gutheißen)
b)
etw. auffassen, geistig voll erfassen
Beispiele:
sie begreift schnell, leicht, schlecht, langsam, schwer
den Sinn, einen Zusammenhang begreifen
kein Mensch begreift, was das bedeuten soll umgangssprachlich
ich begreife kein Wort davon
Du gleichst dem Geist, den du begreifst [GoetheFaustI 512]
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn [den Kommunismus] begreifen [BrechtMutter6]
c)
selten es begreift siches ist klar
Beispiel:
es begreift sich, dass wir sofort aufbrachen
2.
veraltet etw. umfassen
Beispiel:
Das Werk soll in sich begreifen alles, was die hochdeutsche Sprache vermag [Briefw. Grimm mit Lachm.2,690]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

begreifen · Begriff · begreiflich · begrifflich · begriffsstutzig
begreifen Vb. ‘verstehen, geistig voll erfassen, umfassen, einschließen’. Ahd. bigrīfan (8. Jh.), mhd. begrīfen, mnd. begrīpen, nl. begrijpen bedeuten ursprünglich ‘ergreifen, betasten’, auch ‘umfassen, enthalten’ (zur Herkunft s. ↗greifen). Schon in ahd. Zeit, wo es lat. comprehendere ‘begreifen’ übersetzt, später vor allem bei den Mystikern, erfährt das Wort eine Bedeutungserweiterung, indem körperliches ‘Greifen, Fassen’ auf geistige Aneignung, ‘mit dem Verstande erfassen, verstehen’, ausgedehnt wird. Begriff m. mhd. begrif ist zu begreifen im Sinne von ‘umfassen, enthalten’ gebildet und bedeutet ‘Umfang, Bezirk, Umfang und Inhalt einer Vorstellung’, ferner ‘Zusammenfassung, kurzer Auszug’. Begriff kommt durch die philosophischen Aufklärer Wolff und Thomasius allgemein in Gebrauch; Begriff und Vorstellung werden in der philosophischen Terminologie bald gegeneinander abgegrenzt, so daß Begriff die heute vorherrschende Bedeutung ‘wesentliche Merkmale einer Sache oder einer Gruppe von Erscheinungen, die zu einer gedanklichen Einheit zusammengefaßt sind’ erhält. begreiflich Adj. ‘verständlich’ ist aus mhd. begrīflich ‘faßbar, leicht fassend, begreifend’ hervorgegangen, während begrifflich Adj. vom Substantiv abgeleitet, ‘einen Begriff, eine gedankliche Einheit betreffend’ bedeutet (17. Jh.). begriffsstutzig Adj. ‘schwerfällig im Begreifen, schwer von Begriff, verdutzt’ (Mitte 19. Jh.), s. ↗stutzen; anfangs oft mit Umlaut begriffsstützig.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich einer Sache) bewusst werden · ↗aufnehmen · ↗erfassen · ↗fassen · ↗klar sehen · ↗verarbeiten  ●  ↗verstehen  Hauptform · (bei jemandem) fällt der Groschen  ugs., fig. · ↗(jemandem) eingehen  geh. · ↗(sich jemandem) erschließen  geh. · Klick machen  ugs. · ↗blicken  ugs. · ↗checken  ugs. · dahintersteigen  ugs. · ↗durchblicken  ugs. · ↗durchschauen  ugs. · ↗durchsehen  ugs. · ↗durchsteigen  ugs. · hinter etwas steigen  ugs. · ↗kapieren  ugs. · ↗peilen  ugs. · ↗raffen  ugs. · rallen  ugs., regional · ↗schnallen  ugs. · ↗spannen  ugs. · ↗überreißen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auflösung Ausmaß Chance Entstehen Ernst Herausforderung Lektion Phänomen Schwinden Sinn Steigen Tragweite Wandel Wesen Zusammenhänge allmählich du einbegriffen endlich erst ich kaum langsam nicht nie plötzlich schnell schwer sofort wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›begreifen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Bürger gehen auf die Straße und die Regierung will nicht begreifen, dass sie das gestatten muss.
Die Zeit, 12.09.2013, Nr. 37
Die Medien müssen begreifen, daß man uns nicht mehr das Wort verbieten kann.
konkret, 1994
Der Mann hat von Religion mehr begriffen als viele Christen.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 180
Ich kann das erst nicht recht verstehen, dann aber begreife ich.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 147
Nun begriff ich das leise Gehen draußen auf dem Gang.
Rilke, Rainer Maria: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Prosa 1906 bis 1926, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1966 [1910], S. 801
Zitationshilfe
„begreifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/begreifen>, abgerufen am 20.09.2017.

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