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begreiflich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung be-greif-lich
Wortzerlegung begreifen -lich
Wortbildung  mit ›begreiflich‹ als Erstglied: begreiflicherweise
eWDG

Bedeutung

verständlich
Beispiele:
ein begreiflicher Irrtum
einen begreiflichen Wunsch haben
in begreiflicher Erregung, Entrüstung, Befangenheit
jmdm. etw. begreiflich machen
ich kann mich ihm nicht begreiflich machen
jmdm. wird, ist etw. begreiflich
du wirst es begreiflich finden, dass …
es ist leicht begreiflich, dass …
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

begreifen · Begriff · begreiflich · begrifflich · begriffsstutzig
begreifen Vb. ‘verstehen, geistig voll erfassen, umfassen, einschließen’. Ahd. bigrīfan (8. Jh.), mhd. begrīfen, mnd. begrīpen, nl. begrijpen bedeuten ursprünglich ‘ergreifen, betasten’, auch ‘umfassen, enthalten’ (zur Herkunft s. greifen). Schon in ahd. Zeit, wo es lat. comprehendere ‘begreifen’ übersetzt, später vor allem bei den Mystikern, erfährt das Wort eine Bedeutungserweiterung, indem körperliches ‘Greifen, Fassen’ auf geistige Aneignung, ‘mit dem Verstande erfassen, verstehen’, ausgedehnt wird. Begriff m. mhd. begrif ist zu begreifen im Sinne von ‘umfassen, enthalten’ gebildet und bedeutet ‘Umfang, Bezirk, Umfang und Inhalt einer Vorstellung’, ferner ‘Zusammenfassung, kurzer Auszug’. Begriff kommt durch die philosophischen Aufklärer Wolff und Thomasius allgemein in Gebrauch; Begriff und Vorstellung werden in der philosophischen Terminologie bald gegeneinander abgegrenzt, so daß Begriff die heute vorherrschende Bedeutung ‘wesentliche Merkmale einer Sache oder einer Gruppe von Erscheinungen, die zu einer gedanklichen Einheit zusammengefaßt sind’ erhält. begreiflich Adj. ‘verständlich’ ist aus mhd. begrīflich ‘faßbar, leicht fassend, begreifend’ hervorgegangen, während begrifflich Adj. vom Substantiv abgeleitet, ‘einen Begriff, eine gedankliche Einheit betreffend’ bedeutet (17. Jh.). begriffsstutzig Adj. ‘schwerfällig im Begreifen, schwer von Begriff, verdutzt’ (Mitte 19. Jh.), s. stutzen; anfangs oft mit Umlaut begriffsstützig.

Thesaurus

Synonymgruppe
augenfällig · begreiflich · eingängig · einleuchtend · einsichtig · einsichtsvoll · erklärlich · ersichtlich · fassbar · fasslich · glaubhaft · klar · nachvollziehbar · nachzuvollziehen · plausibel · schlüssig · sinnfällig · triftig · verstehbar · verständlich · überzeugend  ●  evident  geh. · gut  ugs. · intelligibel  fachspr., Philosophie · noetisch  fachspr., griechisch, Philosophie
Assoziationen
Synonymgruppe
begreiflich · vorstellbar
Synonymgruppe
(gut) nachvollziehen können · (gut) verstehen können · begreiflich · verständlich  ●  nachvollziehbar (sein)  Hauptform · (die) logische Konsequenz (sein)  ugs., floskelhaft · erklärlich  geh. · es verwundert nicht (dass/wenn)  geh. · kein Wunder (sein)  ugs. · nur konsequent (sein)  ugs.
Assoziationen
  • (durchaus) plausibel · leuchtet ein · logisch · nicht von der Hand zu weisen · überzeugend  ●  nachvollziehbar  Hauptform · naheliegend  fig. · (da) passt eins zum anderen  ugs., fig.
  • (etwas ist) kein Wunder · (schon) gerechnet haben mit · abzusehen sein · nicht weiter verwunderlich sein · nicht überraschen · vorauszusehen sein · was Wunder, dass (...) · wenig überraschen · wenig überraschend kommen · zu erwarten sein  ●  wen wundert's!  Spruch · (sich) (an drei Fingern) ausrechnen (können)  ugs., variabel · nicht wirklich eine Überraschung sein  ugs.

Typische Verbindungen zu ›begreiflich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›begreiflich‹.

Verwendungsbeispiele für ›begreiflich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß es zu solchem Prozeß kommen konnte, ist sehr bedauerlich, aber begreiflich. [Friedländer, Hugo: Prozeß wider das Grafen-Ehepaar Kwilecki wegen Kindesunterschiebung. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 76]
Daß es solch lockeren Vögeln nicht an toller Gesellschaft fehlte, ist wohl begreiflich. [Winckler, Josef: Der tolle Bomberg, Rudolstadt: Greifenverl. [1956] [1922], S. 104]
Daß es Deutsche gibt, denen die englische Sitte mehr zusagt als die unsere, ist begreiflich. [Wundt, Wilhelm: Erlebtes und Erkanntes. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 1830]
Daß die vielen unglücklichen Ehen zur Verminderung der Eheschließungen beitragen, ist begreiflich. [Friedländer, Hugo: Die unglücklichen Ehen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 21998]
Das Buch ist aus Versehen in den Leihbibliotheken geblieben, aus kaum begreiflichem Versehen, wahrscheinlich durch seine Dicke geschützt – wer ackert tausend Seiten durch? [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1938. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1938], S. 63]
Zitationshilfe
„begreiflich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/begreiflich>.

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