Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

behaftet

Grammatik partizipiales Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung be-haf-tet
Grundformbehaften
Wortbildung  mit ›behaftet‹ als Letztglied: risikobehaftet · vorurteilsbehaftet

Bedeutungsübersicht+

  1. ⟨jmd., etw. ist mit etw. behaftet⟩ jmdm., einer Sache haftet etw. an
  2. [veraltet] ⟨jmd. ist mit jmdm. behaftet⟩ jmd. ist an jmdn. gebunden
eWDG

Bedeutungen

jmd., etw. ist mit etw. behaftetjmdm., einer Sache haftet etw. an
Beispiele:
er ist mit einer Krankheit behaftet
ein mit einem Leiden behafteter Mensch
jmd. ist mit einem Laster behaftet
eine Sache ist mit einem Fehler, Makel, mit Mängeln behaftet
eine … mit den gefährlichsten geistigen Widersprüchen behaftete Angelegenheit [ MusilMann206]
veraltet jmd. ist mit jmdm. behaftetjmd. ist an jmdn. gebunden
Beispiel:
Einen mit Familie behafteten Diener kann ich nicht brauchen [ Ebner-Eschenb.7,34]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

heften · Heft2 · behaftet
heften Vb. ‘etw. (mit Reißzwecken, Nägeln, Nadeln) befestigen, anbringen, (mit Fäden, Drahtklammern) zusammenfügen’, übertragen ‘fest, unverwandt worauf richten’ (die Augen, den Blick auf jmdn., etw. heften). Das gemeingerm. Verb ahd. (8. Jh.), mhd. heften, asächs. heftian, afries. hefta, aengl. hæftan ‘befestigen, binden, fesseln’, mnd. mnl. hechten, heften, nl. hechten ‘befestigen, anbringen’, auch intransitiv ‘haften, hängen, festsitzen’ (zum nd.-nl. Wandel von ft zu cht s. Gerücht, Nichte), anord. hepta, hefta ‘befestigen, hindern, verzögern’, schwed. häfta ‘an-, zusammenheften, haften, festsitzen, bürgen’, got. haftjan ‘sich anheften’ ist Faktitivum zu dem unter -haft (s. d.) behandelten Adjektiv germ. *hafta-. Während die verbale Ableitung in den frühen Sprachstufen vorwiegend das Herstellen eines dauerhaften Zusammenhalts durch Festbinden bezeichnet, tritt im Nhd. (und schon im Mnd.) der Begriff des vorläufigen Anbringens, provisorischen Aneinanderfügens stärker in den Vordergrund. Reflexiven Gebrauch, wie er bereits im Got. belegt ist, kennt das Hd. seit ahd. Zeit, namentlich im Sinne von ‘sich anhängen, verbinden, hinwenden, anschließen, jmdm. folgen’ (vgl. auch sich an jmdn., an jmds. Fersen, Sohlen heften ‘jmdn. hartnäckig verfolgen’). Rechtssprachliche Verwendungen (‘in Gewahrsam nehmen, verhaften, beschlagnahmen’) finden sich im Mhd. und Frühnhd., ebenso im Aengl., Mnl. und gelegentlich noch im Nl. Heft2 n. ‘schmales Buch aus gefalteten, von Fäden, Drahtklammern zusammengehaltenen Papierblättern’, seit Mitte des 18. Jhs. (zunächst meist als Mask.) bezeugte Rückbildung aus dem Verb heften, vielleicht begünstigt durch ältere Zusammensetzungen mit ursprünglich verbalem erstem Glied wie Heftfaden, Heftnadel (15. Jh.). behaftet Part.adj. nur in der Fügung mit etw. behaftet sein ‘etw. (von anderen als unangenehm, belastend Empfundenes) an sich haben’, spätmhd. behaftet ist eine unter dem Einfluß von mhd. nhd. haften (s. d.) umgebildete Form von ahd. bihaft ‘gefesselt, gebunden, verstrickt’, mhd. frühnhd. behaft ‘gebunden, verpflichtet, besessen, mit etw. versehen’ (mit unumgelautetem Vokal neben ahd. biheftit, mhd. beheftet), Part. Prät. des zu heften gehörenden präfigierten Verbs ahd. biheften ‘binden, fesseln, belasten, quälen, sich beschäftigen’ (8. Jh.), mhd. beheften ‘fest-, zusammenheften, umstricken, einschließen, in Gewahrsam nehmen, verpflichten, verbinden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
behaftet (mit) · ergriffen · heimgesucht (von)

Typische Verbindungen zu ›behaftet‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›behaftet‹.

Verwendungsbeispiele für ›behaftet‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Charakteristisch für die damit behafteten Kinder ist das Atmen mit offenem Munde. [Schmid-Monnard, Carl u. Schmidt, Rudolf: Schulgesundheitspflege, Leipzig: Voigtländer 1902, S. 156]
In jedem Fall hat W. einen mit schweren sozialen Defiziten behafteten Charakter entwickelt. [Die Zeit, 23.11.2009, Nr. 47]
Die damit behafteten Kinder leiden an Lichtscheu und kneifen die Augen zusammen. [Schmid-Monnard, Carl u. Schmidt, Rudolf: Schulgesundheitspflege, Leipzig: Voigtländer 1902, S. 155]
Der Nationalspieler war zwar bemüht, zeigte jedoch eine mit vielen Fehlern behaftete Leistung. [Die Zeit, 02.11.2009, Nr. 44]
Die mit großem Risiko behaftete Selbstständigkeit scheidet also meist von vornherein aus. [Die Zeit, 26.09.2006, Nr. 32]
Zitationshilfe
„behaftet“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/behaftet>.

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