beißen

GrammatikVerb · biss, hat gebissen
Aussprache
Worttrennungbei-ßen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›beißen‹ als Erstglied: ↗Beißbeere · ↗Beißer · ↗Beißerei · ↗Beißhemmung · ↗Beißkorb · ↗Beißring · ↗Beißwerkzeug · ↗Beißzahn · ↗Beißzange · ↗beißfest · ↗beißsicher · ↗beißwütig
 ·  mit ›beißen‹ als Letztglied: ↗abbeißen · ↗anbeißen · ↗aufbeißen · ↗ausbeißen · ↗durchbeißen · ↗einbeißen · ↗entzweibeißen · ↗festbeißen · ↗herausbeißen · ↗hineinbeißen · ↗reinbeißen · ↗totbeißen · ↗verbeißen · ↗wegbeißen · ↗zubeißen · ↗zusammenbeißen
 ·  mit ›beißen‹ als Grundform: ↗zerbeißen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. mit den Zähnen packen und sich damit eingraben
Beispiele:
die Überfallene setzte sich zur Wehr, biss und kratzte
der Hund, das Pferd beißt (= ist bissig)
eine Schlange hat ihn gebissen
die Hunde beißen sich
der Hund hat ihn ins Bein gebissen
(besonders) norddeutsch der Hund hat ihm ins Bein gebissen
in den Apfel, das Würstchen, eine Scheibe Brot beißen
das harte Brot nicht beißen können
beim Essen auf einen Stein, ein Pfefferkorn, einen kranken Zahn beißen
sich [Dativ] aus Versehen auf die Zunge beißen
sich [Dativ] (vor Schmerz, um nicht lachen zu müssen) auf die Lippen beißen
sich [Dativ] die Unterlippe blutig beißen
das gefangene Tier beißt sich [Dativ] an dem Eisengitter die Zähne stumpf
der Hund biss wütend um sich
der Hund biss nach mir (= versuchte mich zu packen)
umgangssprachlich ein Floh, eine Wanze hat mich gebissen (= hat mir Blut ausgesaugt)
umgangssprachlich heute beißen die Fische nicht (= gehen nicht an die Angel)
Sie biß an ihren Nägeln und war kaum imstande, ihre Erregung zu verbergen [Wasserm.Gänsemännchen294]
er stand auf, um den unruhig seine Lippen beißenden Wirt von sich zu befreien [KafkaSchloß15]
essen
Beispiele:
es war nichts zu beißen da
nichts zu beißen und zu brechen haben
fachsprachlich den Wein beißen (= unter Kaubewegungen kosten)
übertragen
Beispiele:
er muss in den sauren Apfel beißen (= muß etwas notgedrungen tun)
bei jmdm. auf Granit beißen (= auf starken Widerstand stoßen)
umgangssprachlich die Farben beißen sich (= passen nicht zueinander)
umgangssprachlich, scherzhaft, verhüllend der Klapperstorch hat sie, ihr ins Bein gebissen (= sie ist schwanger)
salopp beiß mich bloß nicht! (= fahr mich nicht so an!)
salopp komm ruhig näher, ich beiße nicht (= tue dir nichts)
salopp da beißt sich die Katze, Schlange in den Schwanz (= das ist ein fehlerhafter Kreislauf)
salopp, derb er musste ins Gras beißen (= sterben)
salopp, derb vom wilden Affen gebissen sein (= den Verstand verloren haben)
sprichwörtlich Hunde, die (viel, laut) bellen, beißen nicht (= jmd., der rasch zu lauter und unbeherrschter Kritik neigt, ist nicht gefährlich)
umgangssprachlich, sprichwörtlich den Letzten beißen die Hunde (= der Letzte ist am schlechtesten dran)
2.
scharf, stechend, ätzend sein
Beispiele:
der Frost beißt
der Rettich, Essig, Pfeffer beißt auf der Zunge
der Rauch, die Seife beißt (mir, mich) in die Augen, in den Augen
ein beißender Geruch, Schmerz
beißende Kälte
Die Sonne brennt heiß, uns beißt der Schweiß in die Augen [RemarqueIm Westen117]
der Zahnarzt hatte ihr Zahnfleisch mit beißendem Zeug bepinselt [BöllHaus48]
nur im Part. Präs.
übertragen
Beispiele:
eine beißende Ironie, Satire
beißender Spott, Hohn
eine beißende Kritik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

beißen · Biß · Gebiß · bissig · Bissen · bißchen · bissel
beißen Vb. ‘mit den Zähnen zupacken, die Zähne in etw. hineindrücken, scharf sein, brennen, ätzen’. Ahd. bīʒan ‘(hinein)beißen, stechen’ (8. Jh.), mhd. bīʒen, asächs. bītan, mnd. mnl. bīten, nl. bijten, afries. bīta, aengl. bītan, engl. to bite, anord. bīta, schwed. bita, got. beitan (germ. *bītan) gehören mit aind. bhinátti ‘spaltet, zerschlägt, durchsticht, bricht ein’ und lat. findere ‘spalten’ zu ie. *bheid- ‘spalten’, vielleicht eine Erweiterung der unter ↗Beil (s. d.) angeführten Wurzel ie. *bhei-, *bhei̯ə-, *bhī- ‘schlagen’. Eng verwandt mit dem gemeingerm. Verb sind die unter ↗beizen und ↗bitter (s. d.) genannten Formen. Biß m. ‘Zugriff mit den Zähnen, durch Beißen entstandene Verletzung’, ahd. biz (mit ungeklärtem Lautstand z oder ʒ am Wortende, s. ↗beizen) ‘das Beißen, Biß, Bissen, Brocken’ (9./10. Jh.), mhd. biʒ, biz, asächs. biti, mnd. bēte, mnl. bete, nl. beet ‘Biß, Bissen’, aengl. bite, engl. bit ‘Biß’. Gebiß n. ‘Gesamtheit der Zähne’, ahd. gibiʒ ‘Gebiß, Bissigkeit, Schärfe’ (10. Jh.), mhd. gebiʒ, mnd. (ge)bit(te), gebēte ‘Gebiß, Zaum’. bissig Adj. ‘schnell und scharf zubeißend, durch scharfe Worte verletzend’, seit frühnhd. Zeit, vom 15. bis 19. Jh. auch beißig, mhd. bīʒec, erhalten in ↗bärbeißig (s. d.); vgl. ahd. bīʒīg, biʒʒīg (Hs. 12. Jh.). Bissen m. ‘was man auf einmal abbeißen und in den Mund stecken kann, Happen, kleine Mahlzeit, Imbiß’, ahd. biʒʒo ‘abgebissenes Stück, Bissen, Klumpen, Brocken’ (9. Jh.), mhd. biʒʒe, mnd. bēte, aengl. bita, engl. bit, anord. biti, schwed. beta ‘Bissen’. bißchen (16. Jh.), landschaftlich bissel (15. Jh.) Adv. Adj., meist ein bißchen, ein bissel ‘ein wenig, etwas’, eigentlich ‘ein kleiner Bissen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
beißen · ↗kauen
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich dachte, jetzt ist es aus, das Tier beißt dich tot.
Bild, 02.09.2003
Seitdem beißt er auch nicht mehr gegnerische Spieler oder springt sie an.
Der Tagesspiegel, 14.07.2001
Das Kind beginnt, mit dem Mund zuzugreifen, zu schnappen, zu beißen.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind ` Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 218
Ohne aggressiv zu sein, beißt sie, wenn man sie anfassen will.
Bücherl, Wolfgang: Das Haus der Gifte, Stuttgart: Franckh'sche Verlagshandlung 1963, S. 58
Eigentlich ist es ungut von mir, der armen Person ins Brod zu beißen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 286
Zitationshilfe
„beißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beißen>, abgerufen am 16.11.2018.

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