beichten

GrammatikVerb · beichtete, hat gebeichtet
Aussprache
Worttrennungbeich-ten (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. gestehen, bekennen
a)
Religion
Beispiele:
seine Sünden beichten
beim Pfarrer, Priester beichten
beichten gehen (= zur Beichte gehen)
b)
das, was jmdn. bedrückt, bekennen
Beispiele:
dem Freunde seine Not, Schuld, seinen Kummer beichten
die Tochter beichtete der Mutter ihre erste große Enttäuschung
umgangssprachlich, scherzhaft nun beichte mal! (= Aufforderung zu einem Geständnis)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Beichte · Beicht · beichten · Beichtiger · Beichtvater · Beichtkind · Beichtgeheimnis · Beichtsiegel
Beichte südd. auch Beicht f. ‘Geständnis, Bekenntnis’, in der christlichen Religion ‘Bekenntnis der Sünden’ (Bußsakrament der römisch-katholischen Kirche). Ahd. bī̌giht, bī̌jiht (9. Jh.), bī̌gihta (11. Jh.) ‘Bekenntnis, feierliche Aussage, Versprechen, Sündenbekenntnis’, mhd. begiht(e), bīht, asächs. bigihto, mnl. bijichte, nl. biecht, afries. bijechte ist Verbalabstraktum zu ahd. bijehan ‘bekennen, Lob sprechen’ (8. Jh.), mhd. bejehen ‘bekennen, beichten’, asächs. bigehan, mnd. begēn, bejēn, afries. biia. Dessen Simplex germ. *jehan ‘sprechen, versichern’, woraus ahd. jehan ‘sagen, bekennen’ (8. Jh.), mhd. jehen, asächs. gehan ‘sagen, sprechen’, aber auch ‘bekennen, geloben’, mnl. gien, anord. und zugehöriges ahd. jiht ‘Bekenntnis, Lobpreis’ (um 1000), mhd. giht, mnd. mnl. gieht, afries. iecht kann mit aind. yā́cati ‘fleht, fordert’, lat. iocus ‘Scherzrede, Scherz’ (s. ↗Jux) zur Wurzel ie. *i̯ek- ‘(feierlich) sprechen’ gestellt werden (s. auch ↗genieren, ↗Gicht). Das seit dem Mhd. auftretende Endungs-e (ahd. -a) setzt sich spät endgültig durch; Luther gebraucht meist, Adelung nur Beicht, Campe verbucht beide Formen Beicht und Beichte. Germ. *bi-jihti- gehört zunächst im Sinne von ‘Bekenntnis, Geständnis, Gelöbnis’ zur Rechtssprache. Die Verwendungsweise entspricht damit genau der von lat. cōnfessio ‘Ein-, Zugeständnis, Geständnis’, danach kirchenlat. ‘Sündenbekenntnis’ (s. ↗Konfession). Doch die Annahme einer Lehnübertragung ist keineswegs zwingend. Vom Substantiv abgeleitet beichten Vb. ‘eine Beichte ablegen, seine Sünden bekennen’, auch ‘gestehen, bekennen’, mhd. bīhten. Zum katholischen Sprachgebrauch gehören Beichtiger m. (heute selten) ‘Beichtvater’, ahd. bī̌gihtigāri ‘Bekenner des Glaubens’ (Hs. 12. Jh.), mhd. bīhtegære, bīhtigære ‘Bekenner (Beichtkind), Beichtvater’, zu mhd. bīhtegen ‘beichten’, abgeleitet von ahd. bī̌gihtīg (9. Jh.), mhd. bīhtec, bīhtic ‘zur Beichte bereit, seine Sünden bekennend’; Beichtvater m. ‘Geistlicher, bei dem gebeichtet wird’, mhd. bīhtvater, und Beichtkind n. ‘Beichtende(r)’ spätmhd. bīhtkint. Beichtgeheimnis n. ‘Pflicht des Geistlichen, über das Anvertraute zu schweigen und das ihm Anvertraute selbst’ (Mitte 19. Jh.) neben älterem Beichtsiegel n. (2. Hälfte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
beichten · ↗bekennen · ↗eingestehen · ↗einräumen · ↗gestehen · ↗offenbaren · ↗zugestehen  ●  ↗einbekennen  österr. · ↗zugeben  Hauptform · herausrücken mit  ugs. · ↗konzedieren  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Elter Erlebnis Fehltritt Freundin Geheimnis Geistliche Jugendsünde Katholik Leidenschaft Liebe Mord Mutter Pastor Pfarrer Priester Seitensprung Sünde Sünder Tat Träne Verfehlung Vergehen Verstoß Vorgesetzter bereuen beten du kommunizieren nachher

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beichten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie beichtet ihrem Chef, doch der lässt sie einfach weitermachen.
Der Tagesspiegel, 29.11.2001
Doch wenn der Sohn den Crash wirklich nicht bemerkt hat, dann hat er seinem Vater natürlich auch nichts "beichten" können.
Bild, 04.06.1998
Ich habe gebeichtet und ich habe für meine Schuld - denn mein Heimweh ist Schuld!
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 116
Ihm beichtet sie, als er sie zur Rede stellen will, ihr Elend.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 446
Da half nichts, ich mußte beichten, daß ich heimlich hergekommen war.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6949
Zitationshilfe
„beichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beichten>, abgerufen am 17.02.2019.

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