Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

beigehen

Grammatik Verb · geht bei, ging bei, ist beigegangen
Aussprache  [ˈbaɪ̯geːən]
Worttrennung bei-ge-hen
Wortzerlegung bei- gehen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich, besonders D-Nordwest ] ⟨jmd. geht etw. bei⟩ sich daranmachen
  2. 2. [umgangssprachlich, regional] ⟨jmd. geht bei⟩ sich um etw. kümmern; mit einer Arbeit beginnen, um diese zu erledigen
  3. 3. [D , veraltet] ⟨jmd. lässt sich etw. beigehen⟩ sich nach intensivem Nachdenken für etw. entscheiden
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, besonders D-Nordwest jmd. geht etw. beisich daranmachen
Beispiele:
»Manche ältere Damen haben fast geweint, als wir gesagt haben, wir müssen zwei bis vier Wochen schließen«, erzählt B[…]. »Wir haben ihnen geraten: ›Kauft alles, wo die Mäuse nicht beigehen (= nicht fressen)‹« – ob Konserven oder Käse, Milch & Co., die länger haltbar sind. [Neue Westfälische, 15.07.2016]
Probleme gab es bisher noch nicht – und das, obwohl die Terrierhündin Maya mit in der Wohnung lebt. »Maya hat gelernt: Was in der Wohnung ist, da darf man nicht beigehen (= nicht damit spielen)«[…]. [Neue Osnabrücker Zeitung, 06.09.2019]
Goh dor nich bi, dat is för dien lütt Süstergeh da nicht bei (= fass das nicht an!), das ist für deine kleine Schwester. [Hamburger Abendblatt, 15.11.2014]
[…] Notlauf gibt es nur bei Automatikgetrieben, soweit ich weiß. Und Notlauf hat auch nichts mit dem Abgasverhalten zu tun, wenn der Sprinter [ein Lieferwagen] gequalmt hat dann scheint mir das eher ein Problem mit der Einspritzpumpe zu sein. Da geht man nicht gern bei (= das fasst man nicht selbst an, um es zu reparieren), mein Motor wurde auch mal im Sprinter verbaut, ich weiß was gebrauchte Einspritzpumpen kosten[.] [Die Lichter der Stadt, 21.01.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
bildlich Dann geht jemand bei, klaut sich meinen Startseitentext, kürzt ihn etwas, stellt lediglich Absätze um und verändert ihn minimal […] und packt ihn auf die eigene Seite als News. [Duplicate Content Penalty, 22.04.2013, aufgerufen am 31.08.2020]
2.
umgangssprachlich, regional jmd. geht beisich um etw. kümmern; mit einer Arbeit beginnen, um diese zu erledigen
Beispiele:
Da muss ich endlich mal beigehen, sagt der, der etwas lang Aufgeschobenes tun will: beispielsweise die Steuererklärung machen. [Hamburger Abendblatt, 15.10.2010]
Im Blog gehe ich kaum bei und muss mal da nach dem Rechten schauen, ggf. das System aktualisieren, wenn Updates vorhanden sind. [OpenSource CMS Fireball CMS stellt die Entwicklung ein, 22.11.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
Baustellen gab es in jüngster Vergangenheit schließlich genug. Da schadet ein kurzes Durchatmen nicht. Im kommenden Jahr soll es nun losgehen. Die Arbeiten verschieben sich im Übrigen nicht, weil Firmen nicht beigehen oder die Stadt kein Geld mehr in der Kasse hat. [Saarbrücker Zeitung, 23.05.2009]
Was sagt das Land als Fördermittelgeber für Marktgestaltung zu den Veränderungen, sind doch die Gelder an eine Zweckbindungszeit von 25 Jahren gekoppelt, damit nicht jeder beigeht und das Grundgefüge des Markt verändert, wie er es will. [Schweriner Volkszeitung, 09.02.2007]
Deswegen [weil sie die Kanonen der Angreifer hören] gehen Vater und Mutter jetzt gleich bei und nehmen die Betten und tragen sie unten in den Keller runter, da werden wir doch nicht gleich totgeschlagen werden von den Steinen, die etwa herunterfallen oder von den Balken, die einstürzen. [Kabisch, Richard: Erziehender Geschichtsunterricht. Göttingen 1912]
3.
D , veraltet jmd. lässt sich [Dativ] etw. beigehensich nach intensivem Nachdenken für etw. entscheiden
Beispiele:
Auf Zureden der Guisen hatten sich früher Franz II. und Maria beigehen lassen, den Namen und das Wappen des englischen Königshauses anzunehmen, weil Elisabeth wegen Verstoßung ihrer Mutter nicht allgemein für die rechtmäßige Erbin Heinrichs VIII. angesehen wurde. [Kurts, Friedrich / Nösselt, Friedrich: Weltgeschichte für Töchterschulen. Teil 3. Stuttgart 1880]
Der fleißige Sammler im Freundeskreise der Uhland, Gebrüder Grimm, Lachmann, Franz Pfeiffer usw. hatte sich beigehen lassen, über Verhältnisse im damaligen Deutschland, über die jedermann lachte oder seufzte, harmlosen Spott auszuziehen, und zwar, was ihm besonders schwer angerechnet wurde, mit Benutzung populärer Sangweisen. [Die Grenzboten. Jg. 57, 1898, Drittes Vierteljahr]
Obschon Ich während Ihrer Laufbahn als Minister mehrere Gelegenheiten hatte über Ihre wenige Discretion unzufrieden zu sein, so war Ich doch weit entfernt ahnden zu können, daß Sie Sich beigehen lassen würden, Meinen Ihnen eigenhändig geschriebenen vertrauten Brief ohne Meine Erlaubniß öffentlich bekannt zu machen. [Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert. Bd. 4. Leipzig 1889]
Einen Vorrang vor andern Königen zu behaupten wird Sardinien selbst sich wohl nicht beigehn lassen, die Gleichheit mit ihnen kan man demselben aber mit Recht schwerlich absprechen. [Günther, Karl Gottlob: Europäisches Völkerrecht in Friedenszeiten nach Vernunft, Verträgen und Herkommen, mit Anwendung auf die teutschen Reichsstände. Bd. 1. Altenburg 1787]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„beigehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beigehen>.

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