beilegen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbei-le-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungbei-legen
Wortbildung mit ›beilegen‹ als Erstglied: ↗Beileger · ↗Beilegung  ·  mit ›beilegen‹ als Grundform: ↗Beilage
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
einer Sache etw. beifügen, zu einer Sache etw. dazulegen
Beispiele:
dem Bewerbungsschreiben Lichtbilder beilegen
dem Antrag sind sämtliche Unterlagen beizulegen
dem Brief an die Eltern einige Zeilen an die Schwester beilegen
Früher hatte er [der Wirt] bei Bestellung des Getränkes aus eigenem Antrieb hinzugefügt: Und etwas Gebäck darf ich beilegen? [KlugeKortüm221]
2.
übertragen
a)
jmdm., sich (fälschlich) eine Bezeichnung geben
Beispiele:
Napoleon ließ sich [Dativ] den Titel Kaiser beilegen
sich [Dativ] einen Künstlernamen beilegen
b)
einer Sache (fälschlich) einen Sinn geben
Beispiele:
den Worten einen tieferen Gehalt beilegen als berechtigt
man riss das Zitat aus dem Zusammenhang und legte ihm einen völlig anderen Sinn bei
dem Gedicht einen neuen Sinn beilegen
einer Sache zu großen Wert beilegeneiner Sache zu großen Wert beimessen
Beispiele:
Ihr Vater hat kleinen Meinungsverschiedenheiten ... viel zu großes Gewicht beigelegt [MusilMann715]
Dem Arbeiterausstand legte er keine große Bedeutung bei [Kellerm.Tunnel206]
c)
veraltet jmdm., einer Sache etw. zuschreiben
Beispiele:
[sie haben] mir die Schuld daran beigelegt [G. Hauptm.Quint1,159]
So weit ging die Verblendung des Mannes, daß er dem Tiere alles Ernstes fast Menschenverstand beilegte [Stifter1,413]
3.
etw. im Guten regeln, beenden
Beispiele:
Differenzen, Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten (friedlich, gütlich) beilegen
die Sache im guten beilegen
den Konflikt, Zwist (zwischen zwei Parteien) beilegen
der Streit um den Erfinder ist immer noch nicht beigelegt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legen · ablegen · Ableger · anlegen · Anlage · auflegen · aufgelegt · Auflage · auslegen · Auslage · beilegen · Beilager · Beilage · einlegen · Einlage · erlegen · niederlegen · Niederlage · überlegen1 · Überlegung · überlegen2 · unterlegen · Unterlage
legen Vb. ‘zum Liegen bringen’. Das gemeingerm. bezeugte Verb ahd. leg(g)en (8. Jh.), mhd. legen (auch lecken, leggen), asächs. leggian, mnd. leggen, mnl. legghen, lēghen, nl. leggen, aengl. lecgan, engl. to lay, anord. leggja, schwed. lägga, got. lagjan ist Kausativum im Sinne von ‘liegen machen’ zu dem unter ↗liegen (s. d.) dargestellten starken Verb wie russ.-kslaw. ložiti sja, russ. ložít’sja (ложиться) ‘sich legen’ zu aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’. ablegen Vb. ‘von sich tun, (Kleidung) ausziehen bzw. nicht mehr tragen, abladen, deponieren, vollziehen, leisten’, mhd. abelegen ‘(Kleidung) ausziehen, abladen, abgelten, auszahlen, außer Kraft setzen, Abbruch tun’; Ableger m. ‘junger Pflanzentrieb’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Auf- und Ablader’ (15. Jh.). anlegen Vb. ‘an etw. legen, ankleiden, zielen, auf etw. abzielen, bezwecken, anzetteln, entwerfen, gestalten, bewirken, nutz- und gewinnbringend verwenden’, ahd. analeg(g)en ‘an-, auflegen, hineinschicken’ (8. Jh.), mhd. anelegen ‘ankleiden, anzetteln, vorbereiten, veranschlagen, auferlegen, auf Zinsen anlegen’; Anlage f. ‘Hinzu-, Beigefügtes, nutzen- und gewinnbringende Verwendung, Begabung, Neigung, das Gestaltete (Grünfläche, Baugestaltung)’, mhd. anlāge ‘Anliegen, Bitte, Hinterhalt’. auflegen Vb. ‘auf etw. legen, aufbürden, anordnen, (von Büchern) drucken und herausbringen’, ahd. ūfleg(g)en (um 1000), mhd. ūflegen ‘auf-, auslegen, aufstellen, zeigen, ausdenken, ersinnen, erschaffen, anordnen, bestimmen, veranstalten, stiften’; aufgelegt Part.adj. ‘geneigt, gestimmt zu etw., gelaunt’ (18. Jh.); Auflage f. ‘das Auferlegte, zu Leistende, Anweisung, Gebot, Beschwerde, Beschuldigung’ (16. Jh.), ‘Auferlegung, das Aufgelegte auf eine Unterlage, Anzahl der auf einmal gedruckten und verlegten Exemplare eines Druckes’ (17. Jh.). auslegen Vb. ‘ausbreiten, zur Schau stellen, mit einem Belag versehen, Geld vorschießen, deuten, interpretieren’, mhd. ūʒlegen ‘zum Verkauf anbieten, besetzen, verbrämen, ausrüsten, erfüllen, schmücken, darlegen, bestimmen, verabreden, deuten, erklären’; Auslage f. ‘Kosten, verauslagtes Geld, zur Ansicht ausgebreitete Ware, das Auslegen, zur Ansicht Bereitlegen’ (16. Jh.). beilegen Vb. ‘danebenlegen, hinzufügen, mitschicken, beseitigen, (Streit) schlichten’, ahd. bileg(g)en ‘be-, hinlegen, legend bedecken’ (8. Jh.), mhd. bīlegen ‘(sich) dazulegen (zum Beilager)’; Beilager n. ‘Eheschließung, Beischlaf’, mhd. bīleger, frühnhd. bī-, beilager (Ende 14. Jh.); Beilage f. ‘das Beigefügte’ (vielfach kanzleisprachlich von Schriften, Listen), ‘Zukost’, älter auch ‘anvertrautes Gut’ und ‘Beilager’ (15. Jh.). einlegen Vb. ‘hineinlegen, konservieren, mit einer Einlage verzieren, einzahlen’, mhd. īnlegen ‘ein-, hineinlegen, gegen jmdn. eine Klage vorbringen’; Einlage f. ‘das Hineingelegte, Versteifung (bei Kleidern), angelegtes oder eingezahltes Geld, Spargeld’ (16. Jh., bereits früh im Bankwesen). erlegen Vb. ‘(Wild) töten, (durch Tötung) niederlegen’, auch ‘einen Geldbetrag entrichten’, ahd. irleg(g)en ‘auferlegen, entgegensetzen, bestimmen’ (8. Jh.), mhd. erlegen ‘niederlegen, aus-, ein-, belegen, schlichten’. niederlegen Vb. ‘etw., sich hinlegen, ein Amt aufgeben’, ahd. nidarleg(g)en ‘hinwerfen, -legen, -stellen’ (9. Jh.), mhd. niderlegen ‘niederlegen, besiegen, beseitigen, abstellen, in Beschlag nehmen’; Niederlage f. ‘das Besiegtwerden, Unterlegensein, Warenlager, Großhandelszweigstelle’, mhd. niderlāge ‘das Niederlegen, -sinken, Sichniederlassen, Aufenthalt, Ruhe, Verlust, Schaden, das Niedermetzeln’. überlegen1 Vb. ‘überdecken, nachdenken, bedenken, erwägen’, ahd. ubarleg(g)en ‘vorwerfen, vorhalten’ (um 1000), mhd. überlegen ‘überziehen, bedecken, belegen mit, über-, zu-, zusammenrechnen’; Überlegung f. ‘Erwägung, das Bedenken’ (18. Jh.). überlegen2 Vb. ‘über etw. legen, ein Tuch umnehmen, ein Kind strafen’ (18. Jh.). unterlegen Vb. ‘als Unterlage darunterschieben, zuschreiben’, ahd. untarleg(g)en ‘stützen, unterstellen’ (8. Jh.), mhd. underlegen; Unterlage f. ‘Fundament, Grundlage, das Untergelegte, (beweisendes) Schriftstück, Beweisstück’, mhd. underlāge ‘Unterwerfung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) einstellen · ↗(sich) abgewöhnen · ↗ablegen · ↗abstellen · ↗aufgeben · ↗aufhören (mit) · ↗beenden · beilegen · ↗bleiben lassen · ↗bleibenlassen · ↗einstellen · nicht weiterführen · nicht weitermachen  ●  ↗sistieren  schweiz. · ↗ablassen (von)  geh. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • (einen Plan) verwerfen · (es sich) anders überlegen  ●  ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) aus dem Kopf schlagen  ugs., fig.
  • abreißen · ↗aufhören · ↗enden · nicht fortgesetzt werden · nicht fortsetzen · zum Ende kommen · zum Erliegen kommen · zum Stillstand kommen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
anheften · ↗beifügen · ↗beigeben · beilegen
Synonymgruppe
(einen Streit) beilegen · ↗(in einem Streit) vermitteln · ↗abwiegeln · ↗befrieden · ↗schlichten  ●  ↗mediieren  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atomstreit Differenz Disput Grenzkonflikt Grenzstreit Grenzstreitigkeit Handelsstreit Hinterhand Konflikt Kontroverse Krise Meinungsverschiedenheit Mittelhand Patentstreit Rechtsstreit Regierungskrise Sammelklage Steuerstreit Streit Streitfall Streitigkeit Streitpunkt Tarifkonflikt Tarifstreit Verhandlungsweg Zwist außergerichtlich friedlich gütlich legen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beilegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber souverän ist sie, sonst hätte sie das erste Heft nicht beigelegt.
Die Welt, 08.05.2004
Damit ihr wißt, was ihr versäumt habt, lege ich mein erotischstes Foto bei.
Bild, 21.08.1998
Gerne lege ich ein paar Aufnahmen unseres Sohnes Jörg bei.
Klee, Ernst: Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 135
Von mir lege ich auch ein Bild bei und die anderen kommen später.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 12.08.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Wie kamen Sie denn überhaupt dazu, sich einen falschen Namen beizulegen?
Friedländer, Hugo: Der König der Spieler Rudolf Stallmann und Genossen auf der Anklagebank. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3719
Zitationshilfe
„beilegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beilegen>, abgerufen am 15.09.2019.

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