Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

beirren

Grammatik Verb (in Verbindung mit »lassen«, meist verneint)
Aussprache 
Worttrennung be-ir-ren
Wortzerlegung be- irren
Wortbildung  mit ›beirren‹ als Erstglied: beirrbar
eWDG

Bedeutung

jmdn. von seinem Vorsatz abbringen, jmdn. unsicher machen
Beispiele:
sich von niemandem, durch nichts beirren lassen
sich durch Drohungen in seiner aufrechten Haltung, in seinem Vorhaben nicht beirren lassen
er lässt sich nicht so leicht beirren
dieses Ereignis konnte ihn nicht beirren
Es wird mir nicht leicht … dich in dem Vertrauen zu deinem Bruder zu beirren [ KafkaSchloß243]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

irre · irr · Irrer · Irrenhaus · Irrenanstalt · Irrsinn · irrsinnig · Irre · irren · beirren · verirren · irrig · Irrtum · irrtümlich · Irrfahrt · Irrgarten · Irrlehre · Irrlicht · Irrwisch
irre irr Adj. ‘unsicher, zweifelnd, verwirrt, geistesgestört’, ahd. irri ‘umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos’ (9. Jh.), mhd. irre, erre ‘vom rechten Wege abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig’, asächs. irri ‘zornig’, mnd. erre, aengl. ierre ‘umherschweifend, verdorben, schlecht, zornig, wild’, got. aírzeis ‘verirrt’. Vergleicht man aind. irasyáti ‘zürnt, will übel’, lat. errāre ‘umherirren, sich verirren’ und zieht rasen (s. d.) und die dort genannten Formen heran, so kann von ie. *er(ə)s-, *rē̌s- ‘fließen, aufgebracht, erregt sein’, wohl s-Erweiterung der Wurzel ie. *er-, *or- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’, ausgegangen werden. S. auch rinnen, rennen, rieseln. Germ. *erzja- setzt die Wurzelbedeutung teils in ‘unruhig umherschweifend’, teils in ‘heftig bewegt, zornig’ fort. Nhd. irre ‘geistig verwirrt, geisteskrank’ (17. Jh.) geht hervor aus ‘verwirrt, geistig vom rechten Weg abgekommen’; dazu Irrer m. ‘Geistesgestörter’ (19. Jh.); Irrenhaus n. (18. Jh.), für älteres Narrenhaus; Irrenanstalt f. (19. Jh.). Irrsinn m. ‘Wahnsinn, Geistesgestörtheit’ (18. Jh.), zuvor ‘verwirrtes, unrichtiges Denken’ (17. Jh.); irrsinnig Adj. ‘wahnsinnig, geistesgestört’ (19. Jh.); in heutiger Umgangssprache (20. Jh.) oft verstärkend ‘sehr’. Irre f. ‘falscher Weg, falsche Richtung’, mhd. irre, (md.) erre ‘Irrtum, Verirrung, Irrfahrt’; vgl. got. aírzei ‘Irrlehre’. irren Vb. ‘sich ziellos hin und her bewegen, rastlos umherziehen, eine falsche Meinung haben, sich täuschen’, ahd. irrōn ‘irregehen, umherirren, in Ungewißheit sein, abtrünnig werden’ (8. Jh.), irren ‘verwirren’ (9. Jh.), mhd. irren ‘in Verwirrung bringen, stören, auf Abwege, zum Unglauben bringen, ungewiß, unsicher sein’, aengl. iorsian, irsian ‘böse sein, machen’, got. aírzjan ‘irreführen’. beirren Vb. ‘unsicher machen’ (17. Jh.). verirren Vb. reflexiv ‘vom Weg abkommen, sich nicht zurechtfinden’, ahd. firirrōn (um 1000), mhd. verirren ‘in die Irre führen, stören, verwirren, sich verirren, in Irrtum fallen’. irrig Adj. ‘falsch’, mhd. irrec, irric ‘zweifelhaft, hinderlich’, vgl. ahd. irrī̌gheit ‘Irrlehre, Irrtum’ (um 1000). Irrtum m. ‘Fehler, Versehen’, ahd. irrituom ‘Irrlehre, Irrtum, Irrgang’ (9. Jh.), mhd. irretuom ‘Irrung, Hindernis, Schaden, Ketzerei, Streit’; irrtümlich Adj. ‘fälschlich, versehentlich’ (19. Jh.). Irrfahrt f. ‘Fahrt in die falsche Richtung, vergebliches Suchen nach dem rechten Weg’, mhd. irrevart. Irrgarten m. ‘Labyrinth’ (16. Jh.). Irrlehre f. ‘falsche Lehre’ (17. Jh.). Irrlicht n. kurz aufleuchtendes, unruhig flackerndes Flämmchen (über Moorböden, durch Selbstentzündung von Sumpfgas), im Volksglauben als in die Irre führender Kobold oder Totengeist vorgestellt (17. Jh.); dafür auch Irrwisch m. (16. Jh.), zu Wisch ‘Fackel’ (s. d.); auch ‘unruhiger Mensch, lebhaftes Kind’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) ins Nachdenken bringen · derangieren · durcheinanderbringen · in Verlegenheit bringen · irritieren · nachdenklich machen · verunsichern · verwirren  ●  (jemanden) beirren  geh. · ins Bockshorn jagen  ugs.
Assoziationen
  • (völlig) verwirrt sein · benommen sein · nicht mehr wissen, wo rechts und links ist · nicht mehr wissen, wo vorne und (wo) hinten ist · unzurechnungsfähig sein  ●  (völlig / komplett) neben der Kappe sein ugs. · einen Blackout haben ugs. · nicht (ganz) auf der Höhe sein ugs. · nicht mehr wissen, ob man Männchen oder Weibchen ist ugs. · nicht mehr wissen, ob man Männlein oder Weiblein ist ugs. · nicht wissen, wo oben und (wo) unten ist ugs. · völlig daneben sein ugs.
  • (jemanden) konfus machen · (jemanden) nervös machen  ●  (jemanden) kirre machen ugs. · (jemanden) kribbelig machen ugs. · (jemanden) rappelig machen ugs. · (jemanden) verrückt machen ugs. · (jemanden) wuschig machen ugs.

Typische Verbindungen zu ›beirren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beirren‹.

Verwendungsbeispiele für ›beirren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jeanette wurde denn auch durch die Kühle meiner Tante keinen Augenblick beirrt. [Le Fort, Gertrud von: Das Schweißtuch der Veronika, Frankfurt a. M.: Fischer 1959 [1928], S. 3]
Ich lasse mich nicht beirren, solche Widerstände mußte ich schon oft überwinden. [Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 254]
In diesem Willen zum Erfolg läßt sie sich nicht beirren. [Die Welt, 20.08.2005]
Unser gelegentliches Drängen in dieser Richtung hat Stiller nicht einen Tag lang beirrt. [Frisch, Max: Stiller, Rheda-Wiedenbrück: Bertelsmann 1997 [1954], S. 370]
Oft wurde ich durch die Blicke der Leute auf der Straße beirrt. [Nossack, Hans Erich: Nekyia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961 [1947], S. 19]
Zitationshilfe
„beirren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beirren>.

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