beistehen

GrammatikVerb · stand bei, hat beigestanden
Aussprache
Worttrennungbei-ste-hen (computergeneriert)
Wortzerlegungbei-stehen
Wortbildung mit ›beistehen‹ als Grundform: ↗Beistand
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdm. in schwieriger Lage helfen
Beispiele:
jmdm. in der Not, in Gefahr beistehen
jmdm., der ungerecht beschuldigt worden ist, beistehen
dem Angegriffenen beistehen
einem Land gegen seine Feinde beistehen
jmdm. mit Rat und Tat beistehen
einander, sich gegenseitig beistehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehen · gestanden · abstehen · Abstand · auferstehen · Auferstehung · aufstehen · Aufstand · aufständisch · ausstehen · Ausstand · Außenstände · beistehen · Beistand · bestehen · Bestand · beständig · Bestandteil · einstehen · Einstand · entstehen · gestehen · eingestehen · zugestehen · geständig · Geständnis · Umstand · unterstehen1 · Unterstand · unterstehen2 · vorstehen · Vorsteher · Vorstand · zustehen · Zustand · zuständig
stehen Vb. ‘auf die Füße gestellt sein, auf einer Stelle verharren’ geht zurück auf ahd. (8. Jh.), mhd. stēn, woraus (bei Überführung in die regelmäßige Konjugation mit zur Silbentrennung und wohl auch als Dehnungszeichen nach dem Muster von ↗sehen, s. d., eingefügtem h) stehen (zuerst md. 14. Jh.) wird. Ahd. mhd. stēn ist eine (wohl unter dem Einfluß von ahd. mhd. gēn neben gān, s. ↗gehen, entstandene) Nebenform zu ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. stān, mnl. staen, nl. staan, schwed. stå. Daneben besteht ein nasalierter und Dentalerweiterung aufweisender Stamm germ. *stand- in ahd. stantan (8. Jh.), mhd. standen, asächs. standan, mnl. standen, aengl. standan, engl. to stand, anord. standa, got. standan (wozu auch ↗Stand und mit sekundärem Ablaut ↗Stunde, s. d., gehören). Wie Präteritalformen ohne n (got. stōþ, stōþum, aengl. stōd, stōdon, engl. stood ‘stand, standen’) zeigen, war der Nasal in germ. *stand- ursprünglich nur präsensbildend. Verwandt sind aind. sthā- ‘stehen’, tíṣṭhati ‘steht’, griech. histánai, Aorist stḗnai (ἱστάναι, στῆναι) ‘stellen’, lat. stāre ‘stehen’, air. tair(ṡ)issiur ‘stehe, bleibe stehen’, lit. stóti ‘sich (hin)stellen, treten’, aslaw. stojati, russ. stoját’ (стоять) ‘stehen’, aslaw. stati ‘sich stellen’, russ. stat’ (стать) ‘werden, anfangen, sich stellen’. Man vereinigt alle Formen unter einem Wurzelansatz ie. *stā, *stə- ‘stehen, stellen’ und betrachtet die aspirierte Tenuis (th) des Aind. als Neuerung gegenüber der ie. Ausgangsform. Das ā in den Kurzformen des germ. Verbs (statt eines lautgesetzlich zu erwartenden germ. ō) geht auf eine frühe Angleichung an das unter ↗gehen (s. d.) behandelte, zur Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- gehörende Gegenwort zurück (vgl. ahd. mhd. gān, s. oben). An die Wurzel ie. *stā- bzw. deren unterschiedliche Erweiterungen schließen sich eine Vielzahl von Wörtern an (s. z. B. ↗Stadel, ↗Stadt, ↗Statt, ↗Staude, ↗stauen, ↗staunen, ↗stet, ↗Steuer f. ↗Steuer n., ↗stieren, ↗Stuhl, ↗stur, ↗Stute, ↗stützen). gestanden Part.adj. ‘erfahren, gesetzt’ (ein gestandener Mann), spätmhd. gestanden ‘groß, erwachsen’, also wohl ‘zum Stehen gekommen’. abstehen Vb. ‘von etw. ablassen, abgehen, von etw. entfernt sein’, seit dem 16. Jh. auch ‘durch langes Stehen an Qualität verlieren, verderben’, mhd. abestān, abestēn, auch ‘absteigen’ (vom Pferd); Abstand m. ‘Distanz, Entfernung’ (17. Jh.), ‘das Ablassen, Aufgeben von etw.’ (15. Jh.), Abstand nehmen von etw. ‘auf etw. verzichten’ (19. Jh.). auferstehen Vb. ‘vom Tode wieder erstehen’, ahd. ūfirstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūferstān ‘aufstehen, sich erheben, vom Tode auferstehen’; Auferstehung f. ‘Wiedererwecktwerden vom Tode’ (15. Jh.); vgl. mhd. ūferstandunge. aufstehen Vb. ‘sich erheben’, ahd. ūfstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūfstān, auch ‘jmdm. aufkündigen, aus dem Dienst treten’; Aufstand m. ‘Erhebung, Empörung, Aufruhr’, spätmhd. ūfstant; aufständisch Adj. ‘aufrührerisch, sich erhebend, empörend’ (19. Jh.). ausstehen Vb. ‘fällig, zu zahlen sein’ (14. Jh.), ‘weggehen, seinen Dienst verlassen, eine Verpflichtung erfüllen’ (15. Jh.), ‘etw. bis zum Ende durchstehen, ertragen, aushalten’ (16. Jh.), mhd. ūʒstān, -stēn ‘aus-, wegbleiben, ausruhen (vom Pferd)’; Ausstand m. ‘Arbeitsniederlegung, Streik’; seit dem 17. Jh. im Obd. (zunächst im Bair.) in der speziellen Bedeutung ‘Ausscheiden aus einem Dienst, einer Stellung’ (Gegensatz Einstand, s. unten); seit den 80er Jahren des 19. Jhs. auf Arbeitsniederlegungen bezogen; in dieser Bedeutung seit etwa 1890 allgemein verbreitet neben dem aus dem Engl. entlehnten Konkurrenzwort ↗Streik (s. d.). Außenstände Plur. ‘fälliges, noch nicht (zurück)gezahltes Geld’ (19. Jh.); älter Ausstände Plur., Ausstand m., mhd. ūʒstant ‘ausstehendes Geld’. beistehen Vb. ‘unterstützen, helfen’, ahd. bīstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. bīstān ‘dabeistehen, Hilfe leisten’; Beistand m. ‘Hilfe, Unterstützung’, spätmhd. bīstant. bestehen Vb. ‘(auf längere Zeit) existieren, vorhanden sein, erfolgreich zum Ende führen’, ahd. bistantan, -stān, -stēn ‘bleiben, verharren’ (9. Jh.), mhd. bestān, bestēn ‘stehenbleiben, standhalten, umstehen, entgegentreten, feindlich angreifen, etw. unternehmen’; Bestand m. ‘Dauer, Existenz, Vorrat’, frühnhd. bestant (Anfang 15. Jh.), auch ‘Waffenstillstand, Pacht’; vgl. ahd. bistentida f. (10. Jh.); beständig Adj. ‘dauerhaft, immer wiederkehrend, festbleibend’, mhd. bestendec; Bestandteil m. ‘Teil eines Ganzen, einer größeren Einheit’ (18. Jh.). einstehen Vb. ‘für etw. eintreten, bürgen, etw. verantworten’ (18. Jh.), frühnhd. ‘in eine Gemeinschaft eintreten, einen Dienst antreten’, spätmhd. īnstān (substantiviert) ‘das In-sich-selbst-Sein’; Einstand m. ‘Amts-, Dienstantritt, Eintrittsleistung, -geld, Eintrittsschmaus’, spätmhd. īnstant ‘Vorkaufsrecht, Einstellung der Gerichtsverhandlung’. entstehen Vb. ‘sich entwickeln, hervorgehen’, ahd. intstantan, -stān, -stēn ‘verstehen’ (8. Jh.), mhd. entstān, -stēn ‘verstehen, wahrnehmen, merken’, vom Mhd. an auch (gemäß den unterschiedlichen Verwendungen von ↗ent-, s. d.) ‘sich von etw. wegstellen, entgehen, mangeln’ (so bis ins 19. Jh.) und ‘zu sein beginnen, werden’. gestehen Vb. ‘bekennen, nicht leugnen’, ahd. gistantan, -stān, -stēn ‘(be)stehen, fest-, stillstehen, beruhen, aufhören, anfangen, standhalten’ (9. Jh.), mhd. gestān, -stēn, auch ‘sich stellen, treten, beistehen, zugestehen, wozu stehen, bekennen (vor Gericht), kosten’; eingestehen Vb. ‘bekennen’ (18. Jh.); zugestehen Vb. ‘gewähren, einräumen’ (17. Jh.); vgl. mhd. zuogestēn ‘mit jmdm. einmütig sein, zur Seite stehen’; geständig Adj. ‘seine Schuld bekennend’ (16. Jh.), mhd. gestendec ‘beständig, unveränderlich, einwilligend, zustimmend, hilfreich’; Geständnis n. ‘Bekenntnis der Schuld, das Eingestehen’ und ‘das Eingestandene’ (17. Jh.). Umstand m. ‘besondere Lage, Sachverhalt’ (15. Jh.), in (gesegneten, anderen) Umständen sein ‘schwanger sein’ (17. Jh.), ‘Umschweif, Umständlichkeit’ (15. Jh.), (keine) Umstände (‘Umständlichkeiten’) machen (16. Jh.), ‘(keine) Mühe, Förmlichkeit machen’ (18. Jh.); vgl. mhd. umbestant ‘was, wer herumsteht’ (kollektiver Sing.). unterstehen1 Vb. ‘unter einem Schutzdach stehen, sich unterstellen’, spätmhd. understān, -stēn; Unterstand m. ‘Unterkunft, wo man sich unterstellt, Schutz’ (16. Jh.), militärisch ‘abgedeckter Schutzraum’ (19. Jh.), spätmhd. understant ‘Stütze, Hilfe’. unterstehen2 Vb. ‘untergeordnet, unterstellt sein’ (17. Jh.), reflexiv ‘wagen, sich erlauben, erdreisten’ (16. Jh.), ahd. untarstantan, -stān, -stēn ‘haltmachen, zukommen’ (8. Jh.), mhd. understān, -stēn ‘zustande bringen, bewirken, bestehen, bekämpfen’, reflexiv ‘etw. unternehmen, sich einer Sache unterziehen’. ↗verstehen s. d. vorstehen Vb. ‘hervorragen, an der Spitze stehen, leiten’, ahd. forastantan, -stān, -stēn ‘voranstehen, sich auszeichnen, vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. vorestān, -stēn ‘bevorstehen, sorgen für, regieren’; Vorsteher m. ‘Leiter’ (16. Jh.); Vorstand m. ‘Leitungsgremium, Leiter’ (Anfang 19. Jh.), älter ‘Verteidiger, Bürge’ (15. Jh.), ursprünglich auch ‘Zustand des Stehens vor einem anderen oder etw. anderem, Bürgschaft, erste Stelle’ (16. Jh.). Widerstand, widerstehen s. ↗wider. zustehen Vb. ‘von Rechts wegen gebühren, Anspruch auf etw. haben’ (15. Jh.), mhd. zuostān, -stēn ‘verschlossen sein, zu einem treten, ihm beistehen, zukommen, angehören, zuständig sein’; Zustand m. ‘Art und Weise, Verhältnisse, worin sich Personen und Dinge befinden’ (17. Jh.), älter ‘Hinzugehöriges, Dabeistehendes’ (15. Jh.); zuständig Adj. ‘zur Sache gehörig, kompetent’, auch ‘dazugehörig’ (16. Jh.), ‘zeitlich bevorstehend’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) hilfreich zur Seite stehen · ↗begünstigen · behilflich sein · beistehen · ↗fördern  ●  (eine) Lanze brechen für (jemanden / etwas)  fig. · (jemandem) den Rücken stärken  fig. · (jemandem) den Weg ebnen  fig. · (jemandem) die Steine aus dem Weg räumen  fig. · ↗unterstützen  Hauptform · (jemandem) unter die Arme greifen  ugs., fig. · (jemanden) unter seine Fittiche nehmen  ugs. · ↗protegieren  geh. · supporten  ugs., engl.
Assoziationen
  • (finanziell) fördern · ↗(finanziell) stärken · ↗(finanziell) stützen · ↗(finanziell) unterstützen · (sich) finanziell beteiligen (an) · als Zuschuss zahlen · ↗bezuschussen · ↗sponsern · ↗subventionieren
  • (jemanden) aus der Schusslinie nehmen · ↗(jemanden) schützen (vor) · (sich) schützend vor jemanden stellen · seine (schützende) Hand halten über · unter seinen persönlichen Schutz nehmen · unter seinen persönlichen Schutz stellen · vom Hals halten
  • (jemanden) in Obhut nehmen · (jemanden) unter seine Fittiche nehmen · (jemandes) Mentor sein  ●  (jemanden) an die Hand nehmen  fig. · (sich) kümmern um (jemanden)  ugs. · aufpassen auf (jemanden)  ugs., variabel
  • (jemandem) zu seinem Glück verhelfen · (jemandes) Glück ein wenig nachhelfen
  • aktiv (mithelfen) · mit Rat und Tat (unterstützen)  ●  in Worten und Taten (beistehen)  geh.
  • (jemandem) beispringen · (jemandem) zu Hilfe kommen · (jemanden) in Schutz nehmen · ↗(verbal / argumentativ) unterstützen  ●  (jemandem) Schützenhilfe leisten  fig. · (jemandem) zur Seite springen  fig. · (jemandem) zur Seite stehen  fig.
  • beisteuern · ↗beitragen · ↗zusteuern  ●  ↗kontribuieren  geh., lat., veraltet
  • (jemandem) beistehen · (jemandem) zur Seite stehen · ↗(jemanden) unterstützen · Beistand leisten · ↗halten (zu) · ideell unterstützen · moralisch unterstützen · verbal unterstützen  ●  mit Rat und Tat unterstützen  variabel
  • Fordern und Fördern · Fördern und Fordern  ●  (mit) Zuckerbrot und Peitsche  negativ, fig.
Antonyme
  • im Stich lassen  ugs.
Synonymgruppe
(mit) Hand anlegen · (sich) nützlich machen · Hilfe leisten · ↗assistieren · behilflich sein · ↗beispringen · beistehen · ↗fördern · ↗mithelfen · ↗sekundieren · ↗unterstützen · zur Hand gehen  ●  ↗helfen  Hauptform · (jemandem) die Hand reichen  ugs. · (jemandem) die Stange halten  ugs. · mit anfassen  ugs. · mit anpacken  ugs.
Unterbegriffe
  • (für jemanden) die Situation retten · ↗(jemanden) herausreißen  ●  (für jemanden) den Karren aus dem Dreck ziehen  fig. · (jemandem) aus der Patsche helfen  ugs.
  • (für jemand anderen) die Vorteile sichern · (für jemand anderen) etwas riskieren  ●  (für jemand anderen) die Kastanien aus dem Feuer holen (und sich dabei die Pfoten verbrennen)  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) Rat geben · (jemanden) auf die Sprünge helfen · Tipp geben · beistehen · ↗beraten
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(jemandem) beistehen · (jemandem) zur Seite stehen · ↗(jemanden) unterstützen · Beistand leisten · ↗halten (zu) · ideell unterstützen · moralisch unterstützen · verbal unterstützen  ●  mit Rat und Tat unterstützen  variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allah Angriffsfall Bedrängte Befreiungskampf Bewältigung Glaubensbruder Hilfsbedürftige Konfliktsituation Krankenbett Leidende Nato-Partner Not Notfall Notleidende Notsituation Rat Schwache Schwangere Sterbende Trauernde Verfolgter Waise beratend gegenseitig helfend hilfreich notfalls solidarisch stehen tatkräftig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beistehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit seiner Intervention brachte er die Banken dazu, dem Unternehmen weiter beizustehen.
Süddeutsche Zeitung, 09.03.2002
Auf eine Weise, die sich der Sprache entzieht, stehen sie jetzt deiner schwächer werdenden Kraft bei.
Wolf, Christa: Störfall: Berlin u. Weimar: Aufbau-Verlag 1987, S. 9
Auch gute Dinge, wie sie noch nie gesehen waren, stehen hier bei.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 373
Der Mond steht ihm mit seinem breiten Lächeln bei der Arbeit bei.
Die Zeit, 23.02.1953, Nr. 08
Gott hat ihm beigestanden, den Herd der Revolutionen auf lange, hoffentlich auf immer, unschädlich zu machen.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8369
Zitationshilfe
„beistehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beistehen>, abgerufen am 19.08.2018.

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