bekommen

GrammatikVerb · bekommt, bekam, hat/ist bekommen
Aussprache
Worttrennungbe-kom-men
Wortzerlegungbe-kommen
Wortbildung mit ›bekommen‹ als Letztglied: ↗abbekommen · ↗anbekommen · ↗aufbekommen · ↗ausbekommen · ↗daranbekommen · ↗dazubekommen · ↗durchbekommen · ↗fertigbekommen · ↗freibekommen · ↗garbekommen · ↗heraufbekommen · ↗herausbekommen · ↗herbekommen · ↗hereinbekommen · ↗herumbekommen · ↗herunterbekommen · ↗hinbekommen · ↗hineinbekommen · ↗hinzubekommen · ↗kleinbekommen · ↗losbekommen · ↗mitbekommen · ↗nachbekommen · ↗vorbeibekommen · ↗vorbekommen · ↗wegbekommen · ↗wiederbekommen · ↗zubekommen · ↗zurechtbekommen · ↗zurückbekommen · ↗zusammenbekommen · ↗überbekommen
eWDG, 1967

Bedeutungen

I.
1.
etw., jmdn. bekommenin den Besitz von etw., jmdm. kommen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
Beispiele:
Geld, Prozente, Zuschuss, ein Geschenk, etw. zum Geburtstag bekommen
einen Orden, Preis, Belohnung bekommen
einen Brief, eine Nachricht, einen Bescheid, eine Anweisung, Vorladung, einen Auftrag, eine Antwort, einen Fingerzeig, eine Erlaubnis bekommen
Order bekommen
umgangssprachlicher kann nicht genug bekommen
umgangssprachlich bekommen Sie schon? (= werden Sie schon bedient?)
einen Kuss bekommen
Urlaub bekommen (= beurlaubt werden)
gehobenseinen Abschied bekommen (= verabschiedet werden)
Besuch, Gäste bekommen (= besucht werden)
umgangssprachlichvon einer Angelegenheit Wind bekommen (= etw. von einer Angelegenheit erfahren)
Anschluss bekommen (= verbunden werden)
keine (telefonische) Verbindung bekommen
b)
jmdn., etw. finden
Beispiele:
eine Frau, einen Mann bekommen
er kann (für sein Unternehmen) keine Kräfte bekommen
eine Arbeit, Stellung bekommen
wir haben keinen Platz mehr bekommen
c)
etw. gewinnen, erlangen
Beispiele:
Macht, Gewalt über jmdn. bekommen
die Oberhand bekommen
umgangssprachlichOberwasser bekommen
festen Boden unter den Füßen bekommen
Einblick, Kenntnis bekommen
einen Begriff von etw. bekommen
einen falschen Eindruck, ein schiefes Bild, eine schlechte Meinung von etw. bekommen
einen Blick für etw. bekommen
Fühlung zu, Kontakt mit jmdm. bekommen
Aktualität bekommen
sein Leben hat einen neuen Sinn bekommen
seinen Willen, sein Recht bekommen (= durchsetzen)
d)
etw. Unangenehmes einstecken müssen
Beispiele:
eine Rüge, Lehre bekommen
Prügel, eine Ohrfeige bekommen
salopp, abwertendeinen Anschnauzer bekommen
umgangssprachlich, salopp, abwertendetw. hinter die Ohren bekommen
salopp, abwertender hat sieben Monate (Gefängnis) bekommen
umgangssprachlicheinen Dämpfer bekommen
salopp, umgangssprachlichDresche, sein Fett bekommen
umgangssprachlicher hat eins aufs Dach bekommen
von etw. getroffen werden
Beispiel:
einen Streifschuss, elektrischen Schlag bekommen
e)
gibt an, dass etw., jmd. irgendwohin gelangt
Grammatik: mit Ortsbestimmung
Beispiele:
er hat dieses Buch versehentlich in die Hände bekommen
umgangssprachlicher hat dieses Buch versehentlich in die Finger bekommen
umgangssprachlicher hat etw. Warmes in den Magen bekommen
er hat etw. in die falsche Kehle bekommen (= er hat sich verschluckt)
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlicher hat etw. in die falsche Kehle bekommen (= er hat etw. übelgenommen)
jmdn. in seine Macht, Gewalt bekommen
jmdn. fest in die Hand bekommen
f)
umgangssprachlich
Grammatik: »b.« + Part. Prät. eines Verbs, das ein Dat.obj. und ein Akk.obj. regiert
Beispiele:
ich bekomme etw. geschickt, geschenkt (= jmd. schickt, schenkt mir etw.)
er bekommt etw. geliehen, zugewiesen, gesagt
er hat Geld ausgezahlt, eine Arbeit aufgeladen, Essen vorgesetzt bekommen
ein Glas eingeschenkt bekommen
bildlich
Beispiel:
saloppetw. aufs Brot geschmiert bekommen (= von jmdm. an etw. Unangenehmes erinnert werden)
g)
bekommen‹ + Inf. mit ›zu‹die Möglichkeit haben, etw. zu tun
Beispiele:
etw. zu kaufen, zu trinken, zu essen bekommen
jmdn. zu fassen, zu packen bekommen
umgangssprachlich gezwungen sein, etw. zu ertragen
Beispiele:
zu Hause bekam er etwas zu hören (= mußte er sich manches anhören)
der Krankenpfleger bekommt manches zu sehen
sie bekam es zu spüren
2.
weist auf eine Zustandsveränderung hin
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
gibt an, dass etw. bald eintreten, geschehen wird
Beispiele:
wir bekommen gutes Wetter, Schnee, Regen
wir werden Schwierigkeiten, Unannehmlichkeiten, Scherereien, Streit bekommen
b)
jmd. bekommt etw.etw. entsteht in jmdm., zeigt sich an jmdm.
Beispiele:
eine Krankheit bekommen
er hat Kopfschmerzen, Fieber, Krämpfe, einen Anfall bekommen
das Übergewicht bekommen (= kippen)
Heimweh, Angst, einen Schreck, Herzklopfen, eine Gänsehaut, einen roten Kopf, Lust, Mut bekommen
umgangssprachliches mit der Angst zu tun bekommen
umgangssprachlichetw. satt bekommen (= einer Sache überdrüssig werden)
graue Haare, Runzeln, Zähne bekommen
die Bäume haben frisches Laub bekommen
bildlich
Beispiele:
saloppein dickes Fell bekommen
die Frau hat ein Kind bekommen (= zur Welt gebracht)
c)
umgangssprachlich in einer Bemühung erfolgreich sein
Grammatik: mit präd. Ergänzung oder adv. Bestimmung
α)
jmdn., etw. zu etw. bringen
Beispiele:
jmdn. satt, still, mürbe bekommen
den Gefangenen frei bekommen
jmdn. nicht aus dem Bett, nicht zum Schreiben bekommen
etw. nicht fertig bekommen
β)
jmdn., etw. in einen angestrebten Zustand versetzen
Beispiele:
ein Unternehmen auf die Beine bekommen
die Arbeit unter Dach und Fach bekommen
den Fleck aus dem Kleid bekommen
das Wild vor den Schuss, Lauf bekommen
jmdn. zu Gesicht bekommen
γ)
etw. (nicht) über sich bekommenfähig, unfähig sein, etw. zu tun, sich zu etw. (nicht) durchringen können
Beispiel:
er bekam es nicht über sich, sich zu entschuldigen
II.
jmdm. bekommt etw. gut, schlechtjmdm. bringt etw. Nutzen, Schaden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
die Kur, Reise ist mir (nicht) gut bekommen
sein Vorwitz ist ihm schlecht bekommen
wie ist dir der gestrige Abend bekommen?
wohl bekommʼs! (= Trinkspruch)
jmdm. bekommt etw. (nicht)jmdm. ist etw. (nicht) zuträglich
Grammatik: ohne Adv.
Beispiele:
das schwere Essen ist mir nicht bekommen
mir bekommt die Einsamkeit nicht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bekommen · bekömmlich · Bekömmlichkeit
bekommen Vb. ‘erhalten, in den Besitz einer Sache gelangen’ und unpersönlich mit Dativ ‘jmdm. zuträglich sein’, ahd. biqueman ‘(heran)kommen, begegnen, passen, nützen’ (8. Jh.), mhd. bekomen ‘kommen, begegnen, wachsen, erhalten’. Die zum Verb ↗kommen (s. d.) gehörende, in den meisten germ. Sprachen vorhandene Präfixbildung (vgl. auch als außergerm. Parallele lat. convenīre ‘zusammenkommen, eintreffen, übereinstimmen, passen’) bedeutet ursprünglich ‘hinzu-, herbeikommen’, unterliegt aber in den einzelnen germ. Sprachen einer starken Bedeutungsdifferenzierung, z. B. got. biqiman ‘überfallen’, asächs. bikuman ‘kommen’, aengl. becuman ‘sich ereignen, eintreffen, gelangen’, engl. to become ‘werden, sich ziemen’, nl. bekomen ‘erhalten, zuträglich sein’. Im Dt. wird räumliche Annäherung (frühnhd. vor allem ‘begegnen, treffen’) noch bis ins 17. Jh. ausgedrückt, daneben entwickeln sich seit dem Ahd. die Bedeutungen ‘erhalten’ (zunächst intransitiv mit Genitiv, so ahd. bei Otfrid und häufig im Mhd.) und ‘hervorkommen, wachsen, gedeihen’ (bis Anfang des 19. Jhs.) sowie, an die letztere anschließend, der unpersönliche Gebrauch ‘gedeihlich, zuträglich sein’ (‘etw. einbringen, zu etw. gereichen’ bereits im Freisinger Paternoster, 9. Jh.). Zu bekommen mit dem Sinn ‘erhalten, kriegen’ entstehen in jüngerer Zeit Zusammensetzungen wie abbekommen (Anfang 19. Jh.), freibekommen (Ende 19. Jh.), herausbekommen (18. Jh.). bekömmlich Adj. ‘zuträglich’, zu bekommen ‘zuträglich sein’ gehörend, wird in der 2. Hälfte des 19. Jhs. üblich; dagegen ist spätmhd. bekemelich, frühnhd. bekommlich, bekömmlich (vereinzelt bis ins 17. Jh.) bedeutungsgleich mit ahd. biquāmi, mhd. bequæme ‘angemessen, passend, tauglich’ (s. ↗bequem). Bekömmlichkeit f. ‘Zuträglichkeit’, junge Ableitung von bekömmlich ‘zuträglich’ (Anfang 20. Jh.), die nicht frühnhd. Bekommlichkeit, Bekömmlichkeit ‘Angemessenheit, Tauglichkeit’ (15./16. Jh.; s. ↗Bequemlichkeit) fortsetzt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) zuteil werden · bekommen · ↗beziehen · ↗erhalten · ↗erlangen  ●  ↗abbekommen  ugs. · ↗kriegen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • bekommen
Synonymgruppe
Strafe verhängen · ↗aburteilen · ↗bestrafen · für schuldig erklären · mit Strafe belegen · ↗schuldig sprechen · ↗verurteilen (zu)  ●  ↗verknurren (zu)  schweiz. · bekommen  ugs. · ↗verdonnern (zu)  ugs.
Synonymgruppe
(sich) zuziehen (Krankheit) · bekommen (Krankheit) · ↗erkranken (an) · krank werden  ●  ↗(sich was) einfangen  ugs., salopp · ↗(sich was) wegholen  ugs., salopp · (sich) den Tod holen  ugs., übertreibend · ↗(sich) einhandeln  ugs. · (sich) holen (Krankheit)  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
abbekommen · ↗kassieren  ●  bekommen  negativ, Hauptform · ↗(ab)kriegen  ugs. · einstecken müssen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antwort Auftrag Chance Euro Geld Gesicht Griff Hand Kind Preis Problem Unterstützung Zuschlag abbekommen auch dafür dann er ich jetzt mehr mitbekommen nicht noch nur sie so wieder wir zurückbekommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bekommen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und ich bekam den Geruch von »nassem Hund« nicht aus der Nase.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 74
Damit hatten sie endlich die Form bekommen, die sie für die nächsten neunzig Jahre behalten sollten.
Die Zeit, 04.04.1997, Nr. 15
Die Folge ist, ich bekomme Hunger und dann schlage ich zu und lege mich ins Bett.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 18.05.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Bis dahin ist das allerdings noch nicht fertig, aber gut ist es, wenn das Öl hier steht und die Farbe bekommen wir hier.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 15.01.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich kann Morgen noch einmal schreiben und den bekommst Du auch noch.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 16.12.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„bekommen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bekommen>, abgerufen am 12.12.2019.

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