Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

belangen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-lan-gen
Grundformlangen
Wortbildung  mit ›belangen‹ als Letztglied: anbelangen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Jura] jmdn. vor Gericht stellen, verklagen
    1. jmdn., etw. zur Verantwortung ziehen
  2. 2. [veraltend, papierdeutsch] ⟨was jmdn., etw. belangt⟩ was jmdn., etw. angeht, betrifft
eWDG

Bedeutungen

1.
Jura jmdn. vor Gericht stellen, verklagen
Beispiele:
den Schuldigen gerichtlich, disziplinarisch, gesetzlich, polizeilich belangen
jmdn. wegen eines Verbrechens, wegen Verleumdung, Beschimpfung belangen
jmdn. bei Gericht belangen
Und jeder Gefangene weiß, daß er wegen Unterschlagung belangt wird [ FalladaWolf2,240]
jmdn., etw. zur Verantwortung ziehen
Beispiele:
Abgeordnete können belangt werden
die Zeitung für die Unrichtigkeit der Nachricht belangen
2.
veraltend, papierdeutsch was jmdn., etw. belangtwas jmdn., etw. angeht, betrifft
Beispiele:
was ihn belangt, so muss man Rücksicht auf ihn nehmen
was diese Sache belangt, so sollte man hier eine Änderung schaffen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

belangen · anbelangen · Belang · belanglos · Belanglosigkeit
belangen Vb. ‘verklagen, zur Verantwortung ziehen’, bei (heute veraltetem) unpersönlichem Gebrauch ‘angehen, betreffen’. Ahd. bilangēn (11. Jh.), mhd. belangen, blangen, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. langēn, mhd. langen (zu lang, s. d.), heißt (unpersönlich, meist mit Genitiv) ‘es verlangt, gelüstet jmdn. wonach’. Diese Verwendung geht (bis auf Reste in obd. Mundarten) im Frühnhd. unter. Im Mhd. und Mnd. entwickelt sich die Bedeutung ‘erreichen, sich erstrecken’ (vgl. ahd. gilangōn), an die sich ‘zur Verantwortung ziehen’ (als Rechtsausdruck mnd. und vom 15. Jh. an frühnhd., jetzt allgemein verbreitet) und ‘angehen, betreffen’ (15. Jh.; vgl. nl. belangen ‘betreffen’, engl. to belong ‘gehören, in Beziehung stehen’) anschließen. – anbelangen Vb. ‘angehen, betreffen’, bereits im 15. Jh. neben gleichbed. belangen und anlangen stehend (vgl. entsprechendes nl. aanbelangen ‘betreffen’), verdrängt in dieser Bedeutung einfaches belangen zunehmend seit dem 18. Jh. Belang m. ‘Bedeutung, Wichtigkeit’. Mhd. belanc ‘Verlangen’, rückgebildet aus mhd. belangen ‘verlangen, gelüsten’, lebt nur noch im Frühnhd. bis zum 16. Jh. weiter. Gleichbed. mnl. belanc bildet daneben die Variante ‘Vorteil, Gewinn’ aus, zu der sich mnd. belanc ‘Bedeutung, Interesse’ stellt. In diesem Sinne erscheint nhd. Belang vor allem in Fügungen wie von (geringem, hohem, keinem) Belang, ohne Belang seit Mitte des 18. Jhs. im Hd., zunächst im Kanzleistil, dann auch, namentlich durch Lessings Einfluß, im allgemeinen Sprachgebrauch. Im 20. Jh. breitet sich die schon im 19. Jh. vorkommende Verwendung des Plur. Belange als ‘Interessen, Angelegenheiten’ rasch aus. belanglos Adj. ‘bedeutungslos, unwichtig’, Ende des 19. Jhs. zu Belang gebildet, sehr gebräuchlich im 20. Jh.; dazu Belanglosigkeit f. ‘Unwichtigkeit’, auch ‘unbedeutende Sache’ (um 1900).

Thesaurus

Synonymgruppe
ahnden · belangen · bestrafen · maßregeln · strafen · zur Verantwortung ziehen  ●  abstrafen  geh.
Synonymgruppe
(jemandem) beikommen · (jemanden) belangen · (jemanden) zu fassen bekommen  ●  (jemanden) am Arsch kriegen  derb · (jemanden) an den Hammelbeinen kriegen  ugs., fig. · (jemanden) an den Wickel bekommen  ugs. · (jemanden) an den Wickel kriegen  ugs., salopp · (jemanden) drankriegen  ugs. · (jemanden) zu fassen kriegen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›belangen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›belangen‹.

Verwendungsbeispiele für ›belangen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich erfuhr bald, daß es für besser gehalten worden war, ihn auf der Stelle zu belangen. [Schädlich, Hans Joachim: Tallhover, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 245]
Gerichtlich belangen kann man ihn erst, wenn er sich anderswo neu gemeldet hat. [Die Zeit, 22.01.2004, Nr. 05]
Wen kann ich belangen, wird dieses „Recht“ mir nicht zuteil? [Die Zeit, 16.11.1979, Nr. 47]
Da macht es sich nicht so gut, künftige Partner zu belangen. [Süddeutsche Zeitung, 20.04.2004]
Weil sie das nicht gemacht habe, müßte er sie eigentlich wegen Schwarzfahrens belangen. [Süddeutsche Zeitung, 28.05.1997]
Zitationshilfe
„belangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/belangen>.

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