benehmen

Grammatik Verb · benimmt, benahm, hat benommen
Aussprache 
Worttrennung be-neh-men
Grundformnehmen
Wortbildung  mit ›benehmen‹ als Letztglied: danebenbenehmen · vorbeibenehmen  ·  mit ›benehmen‹ als Grundform: Benehmen · benommen  ·  formal verwandt mit: Benimm
eWDG

Bedeutungen

1.
sich in einer bestimmten Art in seiner Umwelt bewegen, sich betragen
Beispiele:
sich anständig, manierlich, korrekt, höflich, zurückhaltend gegen jmdn. benehmen
sich unhöflich, flegelhaft, ungehörig, albern, dumm, schlecht, unflätig, unpassend, anstößig, kindisch, linkisch jmdm. gegenüber benehmen
saloppsich schäbig, schofel, gemein jmdm. gegenüber benehmen
sich wie eine Dame, ein Kavalier benehmen
umgangssprachlichsich wie ein dummer Junge benehmen
umgangssprachlichsich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen (= sich ungeschickt, tolpatschig benehmen)
ich wusste nicht, wie ich mich dabei benehmen sollte
er weiß sich zu benehmen
sich nicht benehmen können
2.
gehoben jmdm. etw. nehmen, entziehen
Beispiele:
die Häuser benehmen mir die Aussicht
das Tempo, die Hitze, der Schreck benahm ihm den Atem
die Verblüffung benahm ihm die Sprache, Worte
der Kopfschmerz benimmt mir jeden Gedanken
etw. benimmt jmdm. den Mut, die Lust, Appetit, die Hoffnung
jmdm. den Irrtum, Wahn, Zweifel, die Einbildung, den Argwohn, Verdacht, die Besorgnisse benehmen
es ist dir nicht benommen, dich frei zu entscheiden (= du kannst dich frei entscheiden)
der Wein benimmt mir den Kopf, die Sinne (= macht mir klare Gedanken unmöglich, betäubt mich)
der Wein benimmt mich
3.
veraltet sich mit jmdm. verständigen, ins Benehmen setzen
Beispiele:
ich möchte mich deswegen noch mit Ihnen benehmen
sich mit einem anderen Staat benehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nehmen · benehmen · benommen · Benommenheit · unbenommen · Benehmen · Benimm · unternehmen · Unternehmen · Unternehmer · vernehmen · Vernehmung · vernehmlich · Nahme
nehmen Vb. ‘mit den Händen ergreifen, fassen, wegnehmen, entziehen’, ahd. neman (8. Jh.), mhd. nemen, asächs. niman, neman, mnd. mnl. nēmen, nl. nemen, afries. nema, aengl. niman, engl. (älter) to nim, anord. nema, got. niman (germ. *neman) sind vergleichbar mit griech. némein (νέμειν) ‘aus-, ver-, ordnungsgemäß zuteilen, lenken, leiten, verwalten, sich aneignen, besitzen, bebauen, Weideland zuteilen, (ab)weiden, verzehren’, lett. (mit sekundärer Palatalisierung des Anlauts) n̹emt, awest. nəmah- ‘Darlehen’, air. nem ‘Gift’, lat. numerus ‘Zahl, Anzahl’, lit. núoma, núomas, lett. noma ‘Miete, Pacht’, so daß eine Wurzel ie. *nem- ‘zuteilen, nehmen’ (von der Vorstellung der hingestreckten Hand), auch (von ‘zuteilen’ ausgehend) ‘anordnen, rechnen, zählen’ angesetzt werden kann. benehmen Vb. ‘wegnehmen, entziehen’, ahd. bineman (8. Jh.), mhd. benemen; reflexiv ‘sich verhalten, sich aufführen’, anfangs ‘sich besprechen, mit jmdm. verständigen’ (18. Jh.). benommen Part.adj. ‘schwindlig, betäubt’ (19. Jh.), eigentlich ‘weggenommen, behindert’; Benommenheit f. ‘das Gefühl, keinen klaren Kopf zu haben, Betäubtheit’ (Mitte 19. Jh.). unbenommen Part.adj. ‘nicht verwehrt, unversagt’, eigentlich ‘unbehindert’, meist in der Fügung unbenommen sein, mhd. unbenomen sīn. Benehmen n. ‘das Verhalten nach Regeln von Sitte und Takt (im Umgang mit Menschen)’ (1. Hälfte 18. Jh.); dazu umgangssprachlich Benimm m. (19. Jh.). unternehmen Vb. ‘beginnen, betreiben, machen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.); vgl. ahd. untarneman ‘unterbrechen, dazwischentreten’ (10. Jh.), mhd. undernemen ‘abschneiden, unterbrechen, verhindern, wegnehmen’, reflexiv ‘sich gegenseitig fassen, sich jmds. annehmen, etw. übernehmen, antreten’; Unternehmen n. ‘was unternommen wird, Vorhaben, Absicht’ (Anfang 17. Jh.), auch ‘wirtschaftliche Unternehmung, Betrieb’ (18. Jh.), dazu Unternehmer m. ‘wer einen Gewerbe- oder Industriebetrieb besitzt (und leitet)’ (18. Jh.), nach engl. undertaker, frz. entrepreneur; älter allgemein ‘wer etw. in die Wege leitet’ (Ende 17. Jh.). vernehmen Vb. ‘geistig erfassen und aufnehmen, hören, verstehen’, ahd. firneman ‘verstehen, verbrauchen’, auch ‘zur Kenntnis nehmen, erkennen’ (8. Jh.), mhd. vernemen ‘fest-, gefangennehmen, (an)hören, erfahren, erfassen, begreifen’; als Ausdruck der Gerichtssprache ‘jmdn. befragen und anhören, verhören’ (18. Jh.); Vernehmung f. ‘geistige Erfassung’ (15. Jh.), ‘gerichtliches Verhör’ (Ende 17. Jh.); vernehmlich Adj. ‘hörbar, laut, deutlich’ (18. Jh.), älter ‘mit einem der Sinne wahrnehmbar’, auch ‘verständig, klug’ (15. Jh.). Nahme f. ‘das Nehmen, das Gewonnene’, ahd. nāma ‘Beschlagnahme, Ergreifung’ (um 800), mhd. nāme ‘gewaltsames Nehmen, Raub, Beute’, Verbalabstraktum zu nehmen; heute nur in Präfixbildungen wie Abnahme (17. Jh.), Annahme (15. Jh.), Aufnahme (15. Jh.), Einnahme (15. Jh.), Entnahme (18. Jh.), Übernahme, (mhd. übernāme), Zunahme (Mitte 17. Jh.), die von den entsprechenden Präfixverben abgeleitet sind.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) benehmen · sich anstellen  ●  (sich) betragen  geh. · (sich) verhalten  geh. · sich aufführen  ugs. · sich machen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) anständig benehmen · (sich) benehmen · (sich) gut benehmen · (sich) gut betragen · (sich) ordentlich aufführen · (sich) vernünftig benehmen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich irgendwie) aufführen · (sich irgendwie) benehmen  ●  (sich etwas) leisten  negativ · (etwas) abziehen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›benehmen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›benehmen‹.

Verwendungsbeispiele für ›benehmen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Benommen bahnen sie sich einen Weg durch die Masse auf dem Feld. [Die Zeit, 06.05.1999, Nr. 19]
Der Leser reibt sich benommen die Augen wie nur je am Ende einer Geschichte: Wo ist er gewesen? [Die Zeit, 08.11.1991, Nr. 46]
Dementsprechend werden sich die übrigen Gäste ihm gegenüber auch benehmen. [Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 234]
Auch fingen sie an, sich unkameradschaftlich gegen die Juden unter uns zu benehmen. [Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000 [1939], S. 39]
Er ist uralt, und seine Härte zwingt, sich normal zu benehmen. [o. A.: Lexikon der Kunst - S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 34509]
Zitationshilfe
„benehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/benehmen>.

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