berücken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-rü-cken (computergeneriert)
Wortbildung mit ›berücken‹ als Erstglied: ↗Berückung
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben jmdn., etw. betören, bezaubern
Beispiele:
sie berückt ihn mit ihrem Liebreiz
er war berückt von ihrer Anmut
das schöne Mädchen hat sein Herz, seine Sinne ganz berückt
die herrliche Musik berückt mein Ohr
[eine Laufbahn] deren Abenteuerlichkeit ihm den schwachen Kopf berückt [Th. Mann12,621]
häufig im Part. Präs.
berückendhinreißend, verführerisch
Beispiele:
eine berückende Schönheit
mit berückendem Lächeln schaute sie zu ihm hin
ihr Wesen war von einem berückenden Zauber
die berückend schöne Sprache des Dichters
Es sind Lügengeister, / Die dich berückend (= lockend) in den Abgrund ziehn [SchillerWallenst. TodII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
berücken · ↗betören · ↗bezaubern · ↗bezirzen · ↗hypnotisieren · in den/seinen Bann schlagen · in den/seinen Bann ziehen · ↗umgarnen · ↗verführen · ↗verzaubern  ●  ↗einlullen  ugs. · ↗einwickeln  ugs. · um den (kleinen) Finger wickeln  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr Gang ist berückend, ihr wallendes Haar makellos weiß, die Augen lebendig.
Süddeutsche Zeitung, 24.08.1996
Sein Ton ist so berückend, daß er keineswegs sentimental langsame Tempi nehmen muß, um innig und ausdrucksvoll zu sein.
Die Zeit, 19.03.1965, Nr. 12
Wie sich das zarte, weiche Kinn am Halse ansetzte, war berückend.
Dohm, Hedwig: Christa Ruland. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 9958
Diese ist entsetzt über den Frevel, aber, berückt vom Glanz des Geschmeides, legt sie die einzelnen Stücke feierlich an.
Fath, Rolf: Werke - G. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 6172
Er hat schon die Studentin Hannah Arendt berückt, die hier Gedichte im Stile Eichendorffs schrieb und - es blieb nicht aus - ihren Heinrich traf.
Die Welt, 14.04.2001
Zitationshilfe
„berücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/berücken>, abgerufen am 22.10.2019.

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