Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

berücken

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-rü-cken
Wortbildung  mit ›berücken‹ als Erstglied: Berückung
eWDG

Bedeutung

gehoben jmdn., etw. betören, bezaubern
Beispiele:
sie berückt ihn mit ihrem Liebreiz
er war berückt von ihrer Anmut
das schöne Mädchen hat sein Herz, seine Sinne ganz berückt
die herrliche Musik berückt mein Ohr
[eine Laufbahn] deren Abenteuerlichkeit ihm den schwachen Kopf berückt [ Th. Mann12,621]
berückendhinreißend, verführerisch
Grammatik: häufig im Partizip I
Beispiele:
eine berückende Schönheit
mit berückendem Lächeln schaute sie zu ihm hin
ihr Wesen war von einem berückenden Zauber
die berückend schöne Sprache des Dichters
Es sind Lügengeister, / Die dich berückend (= lockend) in den Abgrund ziehn [ SchillerWallenst. TodII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit Rahe und regen (s. d.) angenommen werden. – abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
becircen · berücken · betören · bezaubern · bezirzen · hypnotisieren · in den/seinen Bann schlagen · in den/seinen Bann ziehen · umgarnen · verführen · verzaubern  ●  einlullen  ugs. · einwickeln  ugs. · um den (kleinen) Finger wickeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›berücken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berücken‹.

Verwendungsbeispiele für ›berücken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein Ton ist so berückend, daß er keineswegs sentimental langsame Tempi nehmen muß, um innig und ausdrucksvoll zu sein. [Die Zeit, 19.03.1965, Nr. 12]
Ihr Gang ist berückend, ihr wallendes Haar makellos weiß, die Augen lebendig. [Süddeutsche Zeitung, 24.08.1996]
Die Streikenden selbst fanden das alles gar nicht so berückend. [Die Zeit, 21.02.1972, Nr. 08]
Wie sich das zarte, weiche Kinn am Halse ansetzte, war berückend. [Dohm, Hedwig: Christa Ruland. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 9958]
In der chinesischen Abteilung berücken Statuen und Vasen aus der Zeit der Ming‑Dynastie. [Die Zeit, 31.07.1987, Nr. 32]
Zitationshilfe
„berücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ber%C3%BCcken>.

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