berühren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-rüh-ren (computergeneriert)
Grundformrühren
Wortbildung mit ›berühren‹ als Erstglied: ↗berührbar  ·  formal verwandt mit: ↗unberührt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit einer Körperoberfläche eine Verbindung herstellen
a)
jmdn., etw. anrühren
Beispiele:
jmdn., etw. versehentlich, zufällig, behutsam, einmal, zart, leicht, derb berühren
das Berühren der Ware, elektrischen Leitung ist verboten
etw., jmdn. mit etw. berühren
Beispiele:
er berührte ihren Arm mit der Hand
sie berührte seine Stirn mit den Lippen
der Arzt berührte die Wunde vorsichtig mit der Pinzette
ich konnte mit dem ausgestreckten Arm fast die Decke berühren (= sie erreichen)
der Hochspringer berührte (= streifte) die Latte
bildlich
Beispiele:
er berührte die Speisen nicht (= aß nicht)
Mathematik die Gerade berührt den Kreis (= hat mit ihm genau einen Punkt gemeinsam)
auf unserer Reise haben wir auch B berührt (= sind wir kurz in B gewesen)
b)
sich berührenaneinanderstoßen, zusammentreffen
Beispiele:
die breitästigen Linden berührten sich fast mit den Kronen
in der Grundstellung berühren sich die Fersen leicht
Mathematik zwei Kurven berühren sich (= treffen in einem Punkt zusammen)
bildlich
Beispiele:
Extreme berühren sich
seine Pläne berühren sich mit unseren Absichten
2.
etw. im Gespräch kurz streifen, erwähnen
Beispiele:
eine Angelegenheit, Frage nur berühren
der Redner hatte diesen Punkt der Tagesordnung flüchtig berührt
ich komme auf die vorhin berührten Probleme noch zurück
ohne den Vorfall auch nur mit einem Worte mehr zu berühren [WerfelMusa Dagh337]
3.
jmdn. beeindrucken, bewegen
Beispiele:
dieser Anblick berührte uns eigenartig, seltsam, vertraut
das Theaterstück hat mich tief berührt
sein Kummer berührte sie schmerzlich
wir fühlten uns sympathisch, empfindlich, schmerzlich, peinlich berührt
der Vortrag, Künstler berührte die Herzen der Zuhörer
das berührt mich nicht (= betrifft, bekümmert mich nicht, geht mich nichts an)
Und wieder berührte mich die Haltung ihres Kopfes, die Bewegung ihres Nackens [BöllWort39]
berührt seinergriffen sein
Beispiel:
er war tief, im Innersten berührt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rühren · anrühren · berühren · rührend · gerührt · Rührung · umrühren · rührig · rührselig
rühren Vb. ‘eine flüssige Masse kreisend bewegen und die Bestandteile vermischen, ein Körperglied, sich ein wenig bewegen, etw. vorsichtig (durch Bewegung der Körper-, Fingerglieder) anfassen, nach etw. greifen, innerlich bewegen, weich stimmen, seine Ursache haben’, ahd. (h)ruoren ‘bewegen, (an-, be)rühren, spielen, schütteln, erreichen’ (8. Jh.), mhd. rüeren, ruoren, (md.) rūren, rōren, asächs. hrōrian, mnd. rōren, rūren, mnl. nl. roeren, afries. hrēra, aengl. hrēran, anord. hrœra ‘rühren, bewegen’ (germ. *hrōzijan) und die unter ↗Ruhr (s. d.) genannten Formen führen mit aind. śrīṇā́ti ‘mengt, mischt’, auch ‘kocht’, awest. sar- ‘(sich) vereinigen mit, (sich) anschließen an, es halten mit’, sar- f. ‘Vereinigung, Verbindung, Genossenschaft, Gemeinschaft mit’, griech. kerannýnai (κεραννύναι) ‘mischen’ auf eine Wurzel ie. *k̑erə-, *k̑rā- ‘mischen, durcheinanderrühren’, zum Teil auch ‘kochen’. anrühren Vb. ‘(mit der Hand) leicht anfassen, verrühren, mischen, innerlich ergreifen’, mhd. anerüeren ‘in Bewegung setzen, berühren, angreifen, betreffen’. berühren Vb. ‘(mit der Hand) leicht anfassen, streifen, kurz erwähnen, beeindrucken, bewegen’, ahd. bi(h)ruoren ‘anfassen, antreiben, bewegen’ (9. Jh.), mhd. berüeren, beruoren, (md.) berūren. rührend Part.adj. ‘innerlich bewegend, Gefühlserregungen verursachend, zu Herzen gehend’ (18. Jh.). gerührt Part.adj. ‘innerlich bewegt’ (18. Jh.). Rührung f. ‘innerliche Bewegtheit, Ergriffenheit’ (18. Jh.); vgl. mhd. rüerunge ‘Berührung’, (md.) rūrunge ‘Bewegung’. umrühren Vb. ‘durch Rühren vermischen, quirlen’ (16. Jh.). rührig Adj. ‘eifrig tätig, betriebsam’ (18. Jh.), frühnhd. rüeric ‘beweglich, nicht fest’ (15. Jh.); vgl. mhd. gerüeric ‘rührig, munter’, ahd. gi(h)ruorīg ‘in Blüte stehend’ (10. Jh.), ungi(h)ruorīg ‘unbeweglich’ (9. Jh.). rührselig Adj. ‘zu Rührung neigend, übertrieben gefühlvoll’ (Ende 19. Jh.), gebildet nach redselig (s. ↗Rede).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) Interessen berühren · ↗angehen · berühren · ↗betreffen · in Zusammenhang stehen mit · ↗tangieren
Synonymgruppe
(jemandem) (noch) lange nachhängen · (jemandem) (schwer) auf der Seele liegen · ↗bedrücken · ↗belasten · berühren · ↗lasten (auf)  ●  (jemandem) (schwer) im Magen liegen  ugs., fig. · (schwer) zu knapsen haben (an)  ugs., regional
Assoziationen
  • (etwas ist für jemanden) ein schwerer Schlag · (für jemanden) ein langer Kampf sein, bis · (jemandem) sehr zusetzen · (sich) lange herumquälen (mit) · nur schwer verwinden (können) · schwer daran zu tragen haben, dass · sehr damit zu kämpfen haben, dass  ●  kaum hinwegkommen über  variabel · lange nicht fertig werden mit  Hauptform · (lange) zu knapsen haben (an)  ugs.
Synonymgruppe
auftreffen · berühren · ↗treffen
Synonymgruppe
anfassen · berühren · ↗tangieren  ●  ↗(an etwas) drankommen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
anfassen · berühren  ●  ↗anpacken  ugs. · ↗anrühren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) manifestieren in · ↗anbelangen · ↗angehen · berühren · ↗betreffen · ↗einschließen · in Verbindung stehen zu · ↗tangieren · von Interesse sein für · zurechenbar sein · ↗zutreffen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ball Belang Boden Extrem Finger Fingerspitze Fuß Hand Interesse Kern Lippe Schulter Seele Selbstverständnis Sicherheitsinteresse Stirn Tabu emotional fast kaum merkwürdig peinlich seltsam sympathisch tief unangenehm unmittelbar unsittlich wenig zutiefst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berühren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das geht schon wieder so extremst berührend unter die Haut, meine Güte.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Es berührte mich seltsam, aus ihrem Mund seinen Namen zu hören.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 244
Spätestens an der Stelle ist man so peinlich berührt, dass man sich doch noch für Queen schlagen möchte.
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2004
Hierbei berührt sich die Welt des Glaubens unausweichlich mit der Welt der Kunst.
Dinkler-v. Schubert, Erika: Liturgie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 23758
Das Gemach muß von geringer Breite gewesen sein, denn er glaubte, einmal mit ausgestreckten Armen zwei gegenüberliegende Wände berührt zu haben.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 14
Zitationshilfe
„berühren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/berühren>, abgerufen am 23.03.2019.

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