berufen

GrammatikVerb · berief, hat berufen
Aussprache
Worttrennungbe-ru-fen
Wortzerlegungbe-rufen
Wortbildung mit ›berufen‹ als Letztglied: ↗abberufen · ↗einberufen · ↗rückberufen
 ·  mit ›berufen‹ als Grundform: ↗berufen2
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn. in ein hohes, verantwortungsvolles Amt einsetzen
Beispiele:
er wurde als Professor auf den frei gewordenen Lehrstuhl für Geschichte an die Universität berufen
in die technische Untersuchungskommission wird ein erfahrener Ingenieur berufen
der bewährte Verwaltungsfachmann wurde nach Berlin ins Ministerium berufen
jmdn. zum Leiter einer Schule, zu jmds. Nachfolger berufen
Man berief ihn in den diplomatischen Dienst Preußens [SteinbergTag211]
2.
sich auf etw., jmdn. berufensich auf etw., jmdn. als Beweis, Zeugen stützen, beziehen
Beispiele:
sich auf ein Gesetz, sein gutes Recht berufen
sich auf seine Anweisungen, Vorschriften, Befehle berufen
der Gelehrte berief sich auf die Arbeiten seiner Kollegen
der Angeklagte berief sich auf uns als Zeugen
So kann ich / Auf Herzog Albas Zeugnis mich berufen [SchillerCarlosIV 14]
3.
umgangssprachlich berufe es nicht!Aufforderung, über etw. nicht zu sprechen aus abergläubischer Angst vor der Gefährdung (zukünftiger) günstiger Verhältnisse
Beispiele:
»Morgen wird schönes Wetter!« »Berufe es nicht!«
ich will es nicht berufen, aber die Krankheit scheint sich gebessert zu haben
Man muß so was [glücklich zu sein] nicht berufen, Fräulein [G. Hauptm.Einsame MenschenII]
4.
österreichisch, Jura Berufung einlegen
Beispiel:
wie verlautet, wird der Verurteilte gegen das Urteil berufen
5.
veraltet
Beispiele:
eine Versammlung, den Reichstag berufen (= einberufen)
Noch während des Reichstags wurden Kreistage berufen [Ranke3,293]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

berufen · berufen · unberufen · Beruf · beruflich
berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter ↗rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd. bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) ist; bistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. noch aus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis (κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorge. beruflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich auf etwas) berufen · ↗(sich auf etwas) beziehen
Assoziationen
Synonymgruppe
berufen · ↗ernennen  ●  ↗denominieren  geh.
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Synonymgruppe
befähigt · ↗begabt · ↗begnadet · berufen · ↗geeignet · ↗hochbegabt · ↗talentiert · ↗talentvoll  ●  in den Adern liegen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anheuern · ↗anstellen · ↗anwerben · berufen (auf einen Lehrstuhl) · ↗beschäftigen · einem Bewerber eine Chance geben · ↗einstellen · ↗engagieren · ↗rekrutieren · unter Vertrag nehmen · ↗verpflichten  ●  ↗dingen  veraltet · in Lohn und Brot nehmen  geh., veraltet
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(in ein Amt / eine Funktion) einsetzen · (jemanden) berufen · (jemanden) bestellen (zu) · ↗bestimmen (zu)  ●  (jemanden) bestallen (zu / als)  Amtsdeutsch · (jemanden) ernennen (zu)  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beirat Einwanderungskommission Ethikrat Experten-Kommission Expertengremium Expertengruppe Expertenkommission Feder Findungskommission Hartz-Kommission Historikerkommission Hüter Hüterin Interpret Juniorprofessor Jury Mund Nachhaltigkeitsrat Prüfungskommission Reformkommission Sachverständigenkommission Sachverständiger Sachwalter Schlichter Syrien-Kommission Untersuchungskommission Zuwanderungskommission berufen eigens unberufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es reicht nicht, sich darauf zu berufen, dass man Dinge angestoßen hat.
Der Tagesspiegel, 17.10.2003
Bodo S. fühlte sich dazu berufen, die Welt voranzubringen, und das kostete Geld.
Süddeutsche Zeitung, 23.05.2002
Dafür beruft man sich auf zahlreiche Stellen in der Literatur von Homer an.
Röhrich, Lutz: Gras. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27350
Eine solche Untersuchung vorzunehmen, hielte ich mich auch nicht für berufen.
Marcel, Gabriel: Religiöses Denken in der heutigen Welt. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 25085
Wir sind nicht berufen, in allen Manifestationen des neuen Lebens den Wurm zu entdecken.
Graß, H.: Glaube. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 9882
Zitationshilfe
„berufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/berufen#1>, abgerufen am 26.08.2019.

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berufen

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-ru-fen
Grundformberufen1
Wortbildung mit ›berufen‹ als Grundform: ↗Berufene
eWDG, 1967

Bedeutung

besonders befähigt, besonders geeignet
entsprechend der Bedeutung von berufen1 (Lesart 1)
Beispiele:
ein berufener Fachmann, Künstler
die berufensten Vertreter der Wissenschaft
etw. aus berufenem Munde erfahren
er ist zum Dichter, zu größeren Aufgaben berufen
mancher glaubt sich zu Höherem berufen
sich zu etw. berufen fühlen
da wurde ja gerade von berufenster Seite, von Dora selber, festgestellt, daß der junge Schauspieler […] nicht ganz unbegabt ist [K. MannMephisto49]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

berufen · berufen · unberufen · Beruf · beruflich
berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter ↗rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd. bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) ist; bistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. noch aus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis (κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorge. beruflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich auf etwas) berufen · ↗(sich auf etwas) beziehen
Assoziationen
Synonymgruppe
berufen · ↗ernennen  ●  ↗denominieren  geh.
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Synonymgruppe
befähigt · ↗begabt · ↗begnadet · berufen · ↗geeignet · ↗hochbegabt · ↗talentiert · ↗talentvoll  ●  in den Adern liegen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anheuern · ↗anstellen · ↗anwerben · berufen (auf einen Lehrstuhl) · ↗beschäftigen · einem Bewerber eine Chance geben · ↗einstellen · ↗engagieren · ↗rekrutieren · unter Vertrag nehmen · ↗verpflichten  ●  ↗dingen  veraltet · in Lohn und Brot nehmen  geh., veraltet
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(in ein Amt / eine Funktion) einsetzen · (jemanden) berufen · (jemanden) bestellen (zu) · ↗bestimmen (zu)  ●  (jemanden) bestallen (zu / als)  Amtsdeutsch · (jemanden) ernennen (zu)  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beirat Einwanderungskommission Ethikrat Experten-Kommission Expertengremium Expertengruppe Expertenkommission Feder Findungskommission Hartz-Kommission Historikerkommission Hüter Hüterin Interpret Juniorprofessor Jury Mund Nachhaltigkeitsrat Prüfungskommission Reformkommission Sachverständigenkommission Sachverständiger Sachwalter Schlichter Syrien-Kommission Untersuchungskommission Zuwanderungskommission berufen eigens unberufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es reicht nicht, sich darauf zu berufen, dass man Dinge angestoßen hat.
Der Tagesspiegel, 17.10.2003
Bodo S. fühlte sich dazu berufen, die Welt voranzubringen, und das kostete Geld.
Süddeutsche Zeitung, 23.05.2002
Dafür beruft man sich auf zahlreiche Stellen in der Literatur von Homer an.
Röhrich, Lutz: Gras. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27350
Eine solche Untersuchung vorzunehmen, hielte ich mich auch nicht für berufen.
Marcel, Gabriel: Religiöses Denken in der heutigen Welt. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 25085
Wir sind nicht berufen, in allen Manifestationen des neuen Lebens den Wurm zu entdecken.
Graß, H.: Glaube. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 9882
Zitationshilfe
„berufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/berufen#2>, abgerufen am 26.08.2019.

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