berufen

Grammatik Verb · beruft, berief, hat berufen
Aussprache 
Worttrennung be-ru-fen
Wortzerlegung be- rufen
Wortbildung  mit ›berufen‹ als Erstglied: Berufung  ·  mit ›berufen‹ als Letztglied: abberufen · einberufen · rückberufen · zurückberufen
 ·  mit ›berufen‹ als Grundform: berufen2
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn. in ein hohes, verantwortungsvolles Amt einsetzen
Beispiele:
er wurde als Professor auf den frei gewordenen Lehrstuhl für Geschichte an die Universität berufen
in die technische Untersuchungskommission wird ein erfahrener Ingenieur berufen
der bewährte Verwaltungsfachmann wurde nach Berlin ins Ministerium berufen
jmdn. zum Leiter einer Schule, zu jmds. Nachfolger berufen
Man berief ihn in den diplomatischen Dienst Preußens [ SteinbergTag211]
2.
sich auf etw., jmdn. berufensich auf etw., jmdn. als Beweis, Zeugen stützen, beziehen
Beispiele:
sich auf ein Gesetz, sein gutes Recht berufen
sich auf seine Anweisungen, Vorschriften, Befehle berufen
der Gelehrte berief sich auf die Arbeiten seiner Kollegen
der Angeklagte berief sich auf uns als Zeugen
So kann ich / Auf Herzog Albas Zeugnis mich berufen [ SchillerCarlosIV 14]
3.
umgangssprachlich berufe es nicht!Aufforderung, über etw. nicht zu sprechen aus abergläubischer Angst vor der Gefährdung (zukünftiger) günstiger Verhältnisse
Beispiele:
»Morgen wird schönes Wetter!« »Berufe es nicht!«
ich will es nicht berufen, aber die Krankheit scheint sich gebessert zu haben
Man muß so was [glücklich zu sein] nicht berufen, Fräulein [ G. Hauptm.Einsame MenschenII]
4.
österreichisch, Jura Berufung einlegen
Beispiel:
wie verlautet, wird der Verurteilte gegen das Urteil berufen
5.
veraltet
Beispiele:
eine Versammlung, den Reichstag berufen (= einberufen)
Noch während des Reichstags wurden Kreistage berufen [ Ranke3,293]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

berufen · berufen · unberufen · Beruf · beruflich
berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd. bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) ist; bistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. noch aus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis (κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorge. beruflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›berufen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berufen‹.

Verwendungsbeispiele für ›berufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daraus ergab sich für uns die Verpflichtung, an berufener Stelle dazu Stellung zu nehmen. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 01.03.1904]
Denn nicht alle berufenen Männer sind besser als alle nicht berufenen Frauen. [Die Zeit, 03.06.2002, Nr. 22]
Berufst du dich noch immer auf den Willen der Götter? [Brückner, Christine: Wenn du geredet hättest, Desdemona, Frankfurt a. M.: Ullstein 1986 [1983], S. 154]
Zu sagen, was ist, zu schreien, die Welt aufzurütteln, dazu sind andere berufen. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 270]
Dafür beruft man sich auf zahlreiche Stellen in der Literatur von Homer an. [Röhrich, Lutz: Gras. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27350]
Zitationshilfe
„berufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/berufen#1>.

Weitere Informationen …

berufen

Grammatik partizipiales Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung be-ru-fen
Grundformberufen1
Wortbildung  mit ›berufen‹ als Grundform: Berufene
Mehrwortausdrücke  aus berufenem Mund · aus berufenem Munde
eWDG

Bedeutung

besonders befähigt, besonders geeignet
entsprechend der Bedeutung von berufen¹ (1)
Beispiele:
ein berufener Fachmann, Künstler
die berufensten Vertreter der Wissenschaft
etw. aus berufenem Munde erfahren
er ist zum Dichter, zu größeren Aufgaben berufen
mancher glaubt sich zu Höherem berufen
sich zu etw. berufen fühlen
da wurde ja gerade von berufenster Seite, von Dora selber, festgestellt, daß der junge Schauspieler […] nicht ganz unbegabt ist [ K. MannMephisto49]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

berufen · berufen · unberufen · Beruf · beruflich
berufen Vb. ‘ernennen, in ein Amt einführen’, auch (heute selten) ‘einberufen’, reflexiv ‘sich stützen, beziehen auf’, mhd. beruofen ‘zusammenrufen, ausrufen, tadeln, unzeitig und zum Unheil nennen, beschreiben, bezaubern, anklagen’, reflexiv ‘sich zusammenrufen, sich versammeln, sich beziehen auf, appellieren’ ist eine präfigierte Bildung zu dem unter rufen (s. d.) behandelten Verb; vgl. auch schwach flektierendes ahd. bi(h)ruofen ‘zusammenrufen’ (10. Jh.). Die heute vorherrschende Bedeutung ‘in ein Amt einsetzen, ernennen’ ist (wie bei Beruf, s. unten) von Luthers Gebrauch beeinflußt, vgl. eyn yglicher bleybe ynn dem ruff (‘dem von Gott bestimmten Stand’), darynn er beruffen (‘von Gott eingesetzt und tätig’) ist; bistu eyn knecht beruffen, sorge dyr nicht. Der reflexive Gebrauch ‘sich auf etw. als Beweis, auf jmdn. stützen’ (15. Jh.) entstammt der Rechtssprache; daher auch ‘eine Versammlung, einen beratenden oder beschließenden Ausschuß einsetzen’, eigentlich ‘auf-, herbeirufen, vorladen’. berufen Part.adj. ‘besonders geeignet’, daher auch ‘berühmt’, eigentlich ‘in ein Amt eingesetzt’ (ebenfalls Luther 1522). unberufen Part.adj. ‘unaufgefordert, ohne Auftrag’ (2. Hälfte 15. Jh.), heute vornehmlich im Sinne von ‘unbeschrieen’ als vorbeugende Abwehrformel, eigentlich ‘ohne darüber reden zu wollen’, in der abergläubischen Furcht, wohlwollendes Reden über eine Sache gereiche dieser zum Unglück (19. Jh.). Beruf m. ‘erlernte bzw. ausgeübte Tätigkeit, mit der jmd. seinen Lebensunterhalt verdient’ (im 17. Jh. aufkommend, im 19. Jh. voll ausgeprägt), ausgehend von älteren Verwendungen wie ‘Berufung (in ein Amt), Bestimmung (für eine Tätigkeit), Amtsausübung’ (16. Jh.; vgl. noch aus innerem Beruf), zuvor ‘Aufforderung, Bekanntmachung, Berufung (in ein Gericht), Leumund’ (15. Jh.). Auch hier wird die heutige Bedeutung durch Luther verbreitet, der Beruf, für griech. (Neues Testament) klḗsis (κλῆσις), kirchenlat. vocātio, im Sinne von ‘göttliche Berufung, christliche Bestimmung’ gebraucht, vgl. beruff zum Pfarrampt odder seel sorge. beruflich Adj. ‘den Beruf betreffend’ (Mitte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›berufen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berufen‹.

Verwendungsbeispiele für ›berufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daraus ergab sich für uns die Verpflichtung, an berufener Stelle dazu Stellung zu nehmen. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 01.03.1904]
Denn nicht alle berufenen Männer sind besser als alle nicht berufenen Frauen. [Die Zeit, 03.06.2002, Nr. 22]
Berufst du dich noch immer auf den Willen der Götter? [Brückner, Christine: Wenn du geredet hättest, Desdemona, Frankfurt a. M.: Ullstein 1986 [1983], S. 154]
Zu sagen, was ist, zu schreien, die Welt aufzurütteln, dazu sind andere berufen. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 270]
Dafür beruft man sich auf zahlreiche Stellen in der Literatur von Homer an. [Röhrich, Lutz: Gras. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27350]
Zitationshilfe
„berufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/berufen#2>.

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