Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

beruhigen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-ru-hi-gen
Wortbildung  mit ›beruhigen‹ als Binnenglied: Nerven beruhigend · nervenberuhigend · verkehrsberuhigend
 ·  mit ›beruhigen‹ als Grundform: beruhigt
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. ruhig machen
Beispiele:
die Mutter beruhigte die herumtobenden Kinder, das verängstigte Tier
die Medizin, das Getränk beruhigt die Nerven
jmdn. zufriedenstellen
Beispiel:
deine Zusicherung hat mich nicht ganz beruhigt
jmdn., etw. besänftigen
Beispiele:
wir konnten den Aufgebrachten nur schwer wieder beruhigen
sie war nicht zu beruhigen
sein Gewissen, die aufgeregten Gemüter beruhigen
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
der Arzt verschrieb dem Kranken ein beruhigendes Mittel
er versank in einen beruhigenden Schlaf
deine beruhigenden (= tröstlichen) Worte taten mir wohl
seine Nähe gab ihr ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit
2.
sich beruhigenruhig werden
Beispiele:
bei den ersten Worten des Redners beruhigte sich die lärmende Menge
seine Nerven, die Schmerzen beruhigten sich allmählich
der Sturm, das aufgewühlte Meer beruhigte sich
sich zufriedengeben
Beispiel:
wir wollten uns auch mit seiner Erklärung noch nicht beruhigen
seine Erregung meistern
Beispiele:
er konnte sich nur langsam, schwer wieder beruhigen
beruhige dich doch endlich!
die Lage hat sich beruhigt (= entspannt)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch Rast, s. d.). – ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(die Situation) entschärfen · (die Situation) entspannen · (die) Gemüter besänftigen · (die) Wogen glätten · (jemanden) beschwichtigen · Ruhe hineinbringen · ausgleichend einwirken (auf) · begütigen · beruhigen · beruhigend einwirken (auf) · besänftigen · deeskalieren · gut zureden  ●  (jemanden) (wieder) vom Baum holen  ugs., fig., Neologismus · Ruhe reinbringen  ugs., norddeutsch · Öl auf die Wogen gießen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(seinen) Ton mäßigen · (sich) (wieder) beruhigen · (sich) (wieder) entspannen · (wieder) zu sich kommen  ●  tief durchatmen  fig. · (sich) (wieder) einkriegen  ugs. · (sich) (wieder) in den Griff bekommen  ugs., fig. · (sich) abregen  ugs. · (wieder) runterkommen  ugs., fig. · Dampf ablassen  ugs., fig. · Ruhe geben  ugs.
Assoziationen
  • (die Situation) entschärfen · (die Situation) entspannen · (die) Gemüter besänftigen · (die) Wogen glätten · (jemanden) beschwichtigen · Ruhe hineinbringen · ausgleichend einwirken (auf) · begütigen · beruhigen · beruhigend einwirken (auf) · besänftigen · deeskalieren · gut zureden  ●  (jemanden) (wieder) vom Baum holen  ugs., fig., Neologismus · Ruhe reinbringen  ugs., norddeutsch · Öl auf die Wogen gießen  ugs.
  • (einer Sache) gelassen entgegensehen  ●  (sich) entspannt zurücklehnen (können)  fig.
  • beruhige dich (wieder)! · jetzt übertreib nicht!  ●  (immer schön) geschmeidig bleiben  ugs., jugendsprachlich · (jetzt) beruhig(e) dich (erst mal)!  ugs. · (jetzt) chill mal  ugs., jugendsprachlich · (jetzt) halt (mal) die Luft an!  ugs. · (jetzt) mach (aber) mal halblang  ugs. · (nun) halt mal den Ball flach  ugs., fig. · (so) beruhigen Sie sich (doch)!  geh. · bleib mal locker  ugs. · chill mal deine Base  ugs., jugendsprachlich, variabel · entspann dich (mal)!  ugs. · jetzt beruhig' dich mal wieder!  ugs. · jetzt reg dich (doch) nicht (gleich) auf  ugs. · komm (mal) wieder runter  ugs., fig. · krieg' dich wieder ein!  ugs. · reg dich (wieder) ab  ugs. · wer wird denn gleich!?  geh., veraltend
Antonyme
Synonymgruppe
Streit schlichten · ausgleichen · beruhigen · beruhigend einwirken · beruhigend wirken · kalmieren  ●  die Wogen glätten  ugs.
Synonymgruppe
(sich) beruhigen · ruhig werden · zur Ruhe kommen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›beruhigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beruhigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›beruhigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Meine Mädchen haben nichts zu tun mit dieser Geschichte, und das ist beruhigend. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 16]
Brauche wieder einmal ein, zwei Tage um mich wieder zu beruhigen. [Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 315]
Ich bekam so einen Brief nicht, und das beruhigte mich. [Die Zeit, 30.03.2000, Nr. 14]
Es ist beruhigend, nicht erfahren zu müssen, was aus uns geworden wäre, hätten wir die Prüfung nicht geschafft. [Die Zeit, 12.05.1999, Nr. 20]
Durch ein Lachen über den dummen Witz hätte sie sich gern beruhigen lassen. [Rasp, Renate: Ein ungeratener Sohn, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1967, S. 74]
Zitationshilfe
„beruhigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beruhigen>.

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