beschönigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-schö-ni-gen (computergeneriert)
formal verwandt mitschön
Wortbildung mit ›beschönigen‹ als Erstglied: ↗Beschönigung
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. Negatives in einem besseren Licht erscheinen lassen
Beispiele:
jmds. schändliches Tun, Verhalten beschönigen
jmds. Betrügereien beschönigen
sie beschönigte seine Fehler, Schwächen
ich will nichts beschönigen
Wer kein Interesse daran hatte, die Dinge zu beschönigen, mußte die Staatsfinanzen zerrüttet nennen [Th. MannKönigl. Hoheit7,38]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schön · Schönheit · schönen · verschönen · verschönern · beschönigen · Schöngeist · schöngeistig · schöntun
schön Adj. ‘in jeder Hinsicht gut anzusehen, wohlgefällig, bewundernswert’, ahd. scōni ‘ansehnlich, glänzend, rein, herrlich, gut, angenehm’ (8. Jh.), mhd. schœn(e), auch ‘schonend, freundlich’, asächs. skōni, mnd. schȫn(e), mnl. scōne, nl. schoon, afries. skēne, aengl. scīene, scēne, engl. (poetisch) sheen, anord. (als zweites Kompositionsglied) -skjōni, got. skauns oder skauneis ‘anmutig’ (germ. *skauni-) ist ein mit dem Suffix ie. bzw. germ. -ni- gebildetes Verbaladjektiv zu der unter ↗schauen (s. d.) genannten Wurzel ie. *(s)keu- ‘worauf achten, beobachten, schauen’. Auszugehen ist von einer Bedeutung ‘sichtbar, anschaubar’, die sich zu ‘ansehnlich’ und ‘gut, angenehm’ (auch von Gehörseindrücken) weiterentwickelt. Der Bezug des Wortes auf den vom humanistischen Bildungsideal geprägten ästhetischen Bereich, vgl. Fügungen wie schöne Künste (frz. les beaux-arts), schöne Wissenschaften (frz. les belles-lettres), schöne Literatur, erfolgt im 18. Jh. Zum alten adverbiellen Gebrauch s. ↗schon. Schönheit f. ‘das Schönsein, das Schöne’, mhd. schœnheit, schōnheit ‘Herrlichkeit, Pracht, Zierde, Schmuck, Unterhaltung, Festlichkeit’. schönen Vb. vornehmlich fachsprachlich ‘Färbungen verbessern, Wein klären’ (19. Jh.); nur selten ‘schönmachen, verschönern’, ahd. scōnen (um 800), scōnōn (9. Jh.), mhd. schœnen ‘schönmachen, schmücken, verherrlichen’; dafür heute verschönen Vb. mhd. verschœ̄nen, oder verschönern Vb. ‘schöner machen’ (17. Jh.). beschönigen Vb. ‘etw. weniger schwerwiegend, günstig darstellen’ (18. Jh.), älter beschönen, mhd. beschœnen ‘schönmachen, entschuldigen, rechtfertigen’. Schöngeist m. ‘wer von den schönen Künsten begeistert ist’ (18. Jh.), nach frz. bel esprit, bald auch ironisch; älter schöner Geist (17. Jh.); dazu schöngeistig Adj. (Anfang 19. Jh.), schöngeistige Schriften (19. Jh.). schöntun Vb. ‘freundlich sein, schmeicheln’ (17. Jh.).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(sehr) günstig darstellen · beschönigen · ↗frisieren · ↗herunterspielen · ↗maskieren · positiv darstellen · ↗schönen · ↗schönfärben · ↗schönreden · ↗verbrämen · ↗verharmlosen · ↗verhüllen · ↗verschleiern · ↗übertünchen  ●  in ein gutes Licht rücken  fig. · ins rechte Licht rücken  fig. · ins rechte Licht setzen  fig. · ↗weichspülen  fig. · ↗aufputzen  ugs. · ↗bemänteln  geh.
Assoziationen
Antonyme
  • beschönigen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Finanzlage Grausamkeit Lage Nichts Pressemitteilung Schulbuch Situation Statistik Tatsache Versagen bemänteln beschwichtigen dramatisieren entschuldigen irgend keineswegs leugnen lügen nachträglich rechtfertigen relativieren verdrängen verfälschen verharmlosen verklären verleugnen verschleiern verschweigen vertuschen übertreiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beschönigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gibt nichts zu beschönigen an den Verbrechen, mit denen sie das ehemals liberal lebende Land überzogen haben.
Die Zeit, 12.07.2010, Nr. 28
Die Opposition warf der Regierung vor, die Lage zu beschönigen.
Die Welt, 13.02.2004
Gewiß erschienen sie denen, an denen sie verübt worden sind, schrecklich genug, ich entschuldige und beschönige sie nicht.
o. A.: Einhundertsiebenundachtzigster Tag. Freitag, 26. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18538
Damit will ich jedoch keineswegs die Handlungsweise dieses seltsamen Mädchens beschönigen oder gar gutheißen.
Penzoldt, Ernst: Die Powenzbande, Darmstadt: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1960 [1930], S. 129
Von der furchtbaren Wirklichkeit aber, die zu einer raschen Entscheidung drängte, verhehlte er und beschönigte er nichts.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 919
Zitationshilfe
„beschönigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beschönigen>, abgerufen am 15.10.2019.

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