beschaulich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-schau-lich
Wortzerlegungbeschauen-lich
Wortbildung mit ›beschaulich‹ als Erstglied: ↗Beschaulichkeit  ·  mit ›beschaulich‹ als Letztglied: ↗selbstbeschaulich
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 07.12.2019.
eWDG, 1967

Bedeutungen

a)
in Betrachtungen versunken, nach innen gekehrt
Beispiele:
ein beschaulicher Mensch
jmd. ist eine beschauliche Natur, hat ein beschauliches Wesen
betrachtend
Beispiele:
ein beschaulicher Roman
über etw. beschaulich schreiben
geruhsam
Beispiele:
in Zurückgezogenheit ein beschauliches Leben führen
ein beschaulicher Spaziergang
seinen Lebensabend in beschaulicher Ruhe hinbringen
eine beschauliche Stille
er sitzt beschaulich in seiner Ecke
b)
Religion
Beispiele:
ein beschaulicher (= kontemplativer) Orden
Was täten Sie unter beschaulichen Schwestern, bei den Kartäuserinnen zum Beispiel [WerfelBernadette506]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϝός) ‘Opferschauer’ sowie das unter ↗schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu ↗hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes ↗Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben ↗Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
beschaulich · ↗friedvoll · ↗geruhsam · ↗harmonisch · ↗heimelig · ↗häuslich · ↗idyllisch · ↗lauschig · ↗malerisch
Assoziationen
Synonymgruppe
beschaulich · ↗besinnlich · ↗kontemplativ · versunken
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bergdorf Breisgau Dasein Dorfleben Fachwerkstadt Familienleben Fischerdorf Hügellandschaft Idyll Kleinstadt Kurort Kurstadt Küstenort Landleben Lebensabend Münster Nest Provinzstadt Rentnerdasein Residenzstadt Ruhe Sauerland Szenerie Universitätsstadt Villenviertel Vorort Wohnstraße eher ruhig zugehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beschaulich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann ist es so beschaulich wie vor Hunderten von Jahren.
Die Welt, 08.10.2004
Und sie will nichts weiter, als in aller Ruhe ihr beschauliches Leben zu genießen.
Die Zeit, 27.09.1996, Nr. 40
Als die beiden fahrenden »Musikanten« talabwärts gezogen waren, wurde es wieder still und beschaulich in unserem Hotel und auf dem Berge.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Mit beschaulicher Gelassenheit begegnet man hier den Dingen des Lebens.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 242
Nicht wenige Leute lieben es, dem beruflichen Tempo unserer schnellebigen Zeit zu Hause etwas von der beschaulichen Ruhe vergangener Zeiten entgegenzusetzen.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 33
Zitationshilfe
„beschaulich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beschaulich>, abgerufen am 10.12.2019.

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