Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

bescheinigen

Grammatik Verb · bescheinigt, bescheinigte, hat bescheinigt
Aussprache  [bəˈʃaɪ̯nɪgn̩]
Worttrennung be-schei-ni-gen
formal verwandt mitSchein2

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨jmd., etw. bescheinigt jmdm. etw.⟩ etw. schriftlich bestätigen; einen schriftlichen Nachweis ausstellen
  2. 2. [übertragen] ⟨jmd. bescheinigt jmdm., etw. etw.⟩ zugestehen, (lobend, anerkennend oder tadelnd) hervorheben
  3. 3. [salopp, scherzhaft, übertragen] ⟨jmd. bescheinigt jmdm. etw.⟩ als einfältig, ohne Verstand, unfähig, albern oder töricht bewerten, bezeichnen
eWDG und DWDS

Bedeutungen

1.
jmd., etw. bescheinigt jmdm. etw.etw. schriftlich bestätigenWDG;
einen schriftlichen Nachweis ausstellen (4)
Beispiele:
sich [Dativ] die Richtigkeit einer Abschrift amtlich bescheinigen lassenWDG
den Empfang der Post, des Geldes bescheinigenWDG
der Arzt bescheinigte den TodWDG
Das Landratsamt bescheinigt der H[…] AG, ihren Mitteilungspflichten nachgekommen zu sein. [Mittelbayerische, 19.03.2022]
[…] [es] vergingen zwei Tage, ehe ich mich in ein Testzentrum begab – der PCR‑Test (= Testverfahren zum Nachweis einer Erkrankung an Covid-19) bescheinigte mir prompt, »definitiv« an Corona erkrankt zu sein. [Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2022]
Ein Zertifikat bescheinigt die Echtheit der 1690 gefertigten Violine. [Fränkischer Tag, 17.11.2015]
Die Stadt am Niederrhein zumindest hat sich entschlossen, allen Schülerinnen und Schülern zunächst einmal ein gutes Sozialverhalten auf dem Zeugnis zu bescheinigen. [Frankfurter Rundschau, 15.12.2007]
Mit dem amtlichen Stempel bescheinigte Juristin Andrea E[…] den Eingang der Unterlagen. [Allgemeine Zeitung, 24.08.2006]
Die Behörde bescheinigt innerhalb dreier Tage den Empfang der Anzeige. [Gewerbeordnung. In: Sartorius: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland. München: Beck 1998]
Der Paß bescheinigt mir von Amts wegen, keine unveränderlichen Kennzeichen zu haben. [Klee, Ernst: Behinderten-Report. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 167]
2.
übertragen jmd. bescheinigt jmdm., etw. [Dativ] etw. [Akkusativ]zugestehen, (lobend, anerkennend oder tadelnd) hervorheben
Synonym zu attestieren (2)
Beispiele:
Gesundheitsexperten bescheinigen dem Impfstoff eine hohe Wirksamkeit gegen Corona. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 01.04.2021]
Gerade hat sie ihre neuesten Ergebnisse vorgestellt und bescheinigt den Systemen sehr unterschiedlichen Erfolg. [Die Zeit, 26.12.2011 (online)]
Seine Lehrer bescheinigen M[…], ein guter Schüler gewesen zu sein, doch hat er wegen der Umstände der Familie die Sekundarausbildung nicht abgeschlossen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2005]
Ihm genügt es nicht, selbst zu wissen, was er wert ist, er verlangt danach, sich dies auch von den andern bescheinigen zu lassen. [Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8079]
Insgesamt ist der Jury ein »gutes Händchen« zu bescheinigen. [Leipziger Volkszeitung, 14.10.1998]
Die Ergebnisse unserer Tests bescheinigen dem Scanner eine allemal ordentliche Qualität. [C’t, 1998, Nr. 8]
Ein wirklich demütiger Christ pflegt sich seine Demut nicht selbst zu bescheinigen. [Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter. Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 410]
Zugleich sollte ich in der Stammrolle meine volle Zufriedenheit mit der erfahrenen Behandlung anerkennend bescheinigen. [Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.): Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8843]
3.
salopp, scherzhaft, übertragen jmd. bescheinigt jmdm. etw.als einfältig, ohne Verstand, unfähig, albern oder töricht bewerten, bezeichnen (2)
Beispiele:
jmdm. seine Dummheit bescheinigen (= feststellen, dass jmd. etwas Dummes gesagt, getan hat)WDG
Jetzt also all die Kritik bei den Gesundheitsämtern abzuladen und diesen eine pauschale Unfähigkeit zu bescheinigen, halte ich für verfehlt und für nicht gerechtfertigt. [Die Welt, 05.01.2021]
Auch bürgerliche Medien aller Couleur haben der Regierung bereits Unfähigkeit in der Krise bescheinigt. [Die Welt, 07.05.2021]
Das Schlitzohr [der brave Soldat Schwejk], dem eigentlich per ärztlichem Attest Dummheit bescheinigt wird, entlarvt [in der Theaterinszenierung] dabei mit viel Witz und scheinbarer Naivität die Borniertheit seiner Vorgesetzten. [Berliner Morgenpost, 16.08.2011]
Etliche prominente Kritiker kriegen [in dem Theaterstück] Blödheit oder Vorurteilshaftigkeit bescheinigt […]. [Der Tagesspiegel, 16.05.2010]
»Arroganz, die an Dummheit grenzt«, bescheinigte der Frankfurter Architekt […] am Montagnachmittag seinen Kollegen aus Wien. [Frankfurter Rundschau, 20.02.2007]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheinen · erscheinen · Erscheinung · wahrscheinlich · anscheinend · anscheinen · Schein · bescheinigen · Bescheinigung · scheinbar · unscheinbar · scheinheilig · scheintot · Scheintod · Scheinwerfer
scheinen Vb. ‘leuchten, glänzen’, übertragen ‘aussehen als ob, zu Vermutungen Anlaß geben’. Das mit Nasalformans gebildete gemeingerm. Verb ahd. skīnan (8. Jh.), mhd. schīnen ‘strahlen, glänzen, leuchten, erscheinen, sichtbar werden, dem Schein nach (aber nicht in Wirklichkeit) sein’, asächs. skīnan, mnd. schīnen, mnl. scīnen, nl. schijnen, afries. skīna, aengl. scīnan, engl. to shine, anord. skīna, schwed. skina, got. skeinan (verwandt mit Schemen, schier2, schimmern, s. d.) führen auf germ. *skīnan und stellen sich (wie Schein, s. unten) mit aind. chāyā́ ‘Schatten, Widerschein’, griech. skiá (σκιά) ‘Schatten’, aslaw. sěnь, russ. sen’ (сень) ‘Schatten’, aslaw. sịjati, russ. siját’ (сиять) ‘strahlen, glänzen’ zu einer Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑i- ‘gedämpft schimmern, Schatten’. scheinen bezeichnet anfangs vor allem das Leuchten der Himmelskörper, steht dann (bereits ahd.) für ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden’ (im Nhd. dafür erscheinen, s. unten). Aus der Wendung mir scheint, mhd. eʒ schīnet mir ‘mich dünkt’ und aus Vergleichen ‘aussehen wie etw. (ohne Übereinstimmung mit der Wirklichkeit)’ entwickelt sich der moderne Gebrauch ‘den Eindruck erwecken, zur Vermutung Anlaß geben’. erscheinen Vb. ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden, hervortreten, veröffentlicht werden’, ahd. irskīnan ‘offenbar werden, sich zeigen, leuchten’ (um 800), mhd. (stark) erschīnen, daneben (schwach und kausativ) erscheinen ‘leuchten lassen, deutlich machen, zeigen’; Erscheinung f. ‘Aussehen, Aufmachung, Vision, Gespenst, Veröffentlichung, Wahrnehmung’, spätmhd. erschīnunge. wahrscheinlich Adj. ‘vermutlich’ (17. Jh.), nach nl. waarschijnlijk, einer Übersetzung von frz. vraisemblable, das seinerseits dem lat. vērī similis nachgebildet ist, wofür im Dt. zuvor der Wahrheit gleich, wahrähnlich (16. Jh.), der Wahrheit ähnlich (17. Jh.). anscheinend Adv. ‘offenbar, offensichtlich’ (18. Jh.), eigentlich Part. Präs. zu anscheinen Vb. ‘beleuchten, -strahlen’, älter ‘sichtbar werden, sich zeigen’, ahd. anaskīnan (um 1000), mhd. aneschīnen ‘bescheinen, beleuchten, sichtbar sein bzw. werden’. Schein m. ‘Lichtstrahl, Glanz, Schimmer, äußeres Aussehen, Trugbild, schriftlicher Nachweis, Bestätigung, Banknote’, ahd. skīn (9. Jh.), mhd. schīn ‘Strahl, Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit, sichtbarer Beweis’, woraus ‘schriftlicher Beweis, Urkunde, Dokument, schriftliche Bestätigung’ (15. Jh.), asächs. skīn ‘Licht, Glanz’, mnd. schīn, mnl. scijn, nl. schijn, aengl. scīn, engl. shine, (ablautend) anord. skin, schwed. sken. bescheinigen Vb. ‘(durch eine schriftliche Bestätigung) bezeugen’ (18. Jh.), ‘(mit Hilfe von Schriftstücken) beweisen’, mnd. beschēnigen (14. Jh.), niederrhein. bescheinigen (15. Jh.), seit dem 16. Jh. geläufig; Bescheinigung f. ‘Nachweis, Beweis’ (16. Jh.), ‘schriftliche Bestätigung’ (18. Jh.). scheinbar Adj. ‘nicht wirklich, nur vorgetäuscht’, ahd. skīnbāri ‘glänzend, leuchtend, offenbar, sichtbar’ (um 1000), mhd. schīnbære. unscheinbar Adj. ‘unauffällig’, eigentlich ‘nicht glänzend’ (15. Jh.). scheinheilig Adj. ‘sich heilig stellend, Aufrichtigkeit oder Frömmigkeit vortäuschend, heuchlerisch’ (um 1580), nl. schijnheilig (1557), nach die scheynenden heilgen (Luther 1518). scheintot Adj. ‘nur dem Schein nach, nicht wirklich tot’, Scheintod m. ‘Zustand, in dem alle Lebensäußerungen aufgehört zu haben scheinen’ (beide 19. Jh.). Scheinwerfer m. ‘einen gebündelten Lichtstrahl aussendende Lichtquelle’ (Campe 1791 für frz. réverbère ‘Reflektor, Hohlspiegel’).

Thesaurus

Synonymgruppe
bescheinigen · bestätigen · quittieren · zertifizieren  ●  validieren  Amtsdeutsch
Assoziationen
Synonymgruppe
attestieren · bescheinigen · bezeugen

Typische Verbindungen zu ›bescheinigen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bescheinigen‹.

Zitationshilfe
„bescheinigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bescheinigen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
bescheinen
bescheidentlich
bescheiden
beschaulich
beschauen
bescheißen
beschenken
bescheren
bescherzen
bescheuert