beschneiden

GrammatikVerb · beschnitt, hat beschnitten
Aussprache
Worttrennungbe-schnei-den
Grundformschneiden
Wortbildung mit ›beschneiden‹ als Erstglied: ↗Beschneidung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. von etw. wegschneiden, abschneiden
a)
Zweige, Triebe kürzen
Beispiele:
Hecken, Bäume beschneiden
Eine junge Allee ... mit vielen weißen Augen beschnittener Äste an den nackten Stämmen [BindingUnsterblichkeit42]
b)
den Rand von etw. gerade schneiden
Beispiele:
die Bücher müssen beschnitten werden
beschnittenes Papier, Bilder, ein Brett beschneiden
c)
Beispiel:
einem Vogel, den Hühnern die Flügel beschneiden (= stutzen)
d)
bildlich
Beispiele:
jmdm. die Flügel beschneiden (= jmds. Handlungsfreiheit einschränken)
seinen Wünschen die Flügel beschneiden (= seine Wünsche beschränken)
gehoben, übertragen etw. schmälern, beschränken
Beispiele:
jmds. Freiheit, Rechte beschneiden
Um 25 Prozent will die Regierung die Erwerbslosenunterstützung beschneiden [Thälm.Reden1,386]
etw. kürzen
Beispiel:
daß die Szenen zwischen Max und Thekla allzu stark beschnitten waren [WintersteinLeben2,308]
2.
die Vorhaut aus rituellen, medizinischen Gründen entfernen
Beispiele:
die Vorhaut beschneiden
Auf dem australischen Festlande nämlich beschneiden sich ... eine Mehrzahl von Stämmen [PeschelVölkerkunde24]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schneiden · Schneid · schneidig · Schneide · zweischneidig · Schneider · schneidern · abschneiden · Abschnitt · anschneiden · Aufschnitt · beschneiden · durchschneiden · überschneiden · verschneiden · Verschnittener · Verschnitt · Schneidezahn
schneiden Vb. ‘mit einem scharfen Werkzeug zertrennen’, ahd. snīdan (8./9. Jh.), mhd. mnd. snīden, asächs. snīðan, mnl. snīden, nl. snijden, afries. snītha, aengl. snīþan, anord. snīða, schwed. snida, got. sneiþan (germ. *snīþan). Außergerm. werden herangezogen tschech. (mundartlich) snět ‘Ast’, poln. (älter) śniat ‘Baumstamm’, so daß eine Wurzel ie. *sneit- ‘schneiden’ angenommen werden kann, dazu vielleicht (mit abweichendem Dental) mir. snēid ‘klein, kurz’. Angesichts dieser geringen Vergleichsmöglichkeiten aber ist erwägenswert, auch schneiden zu der lautmalenden, etw. Spitzes, etw. Zupackendes, Schnappendes bezeichnenden Wortgruppe mit anlautendem germ. sn- (s. ↗Schnabel) zu rechnen. schneiden ist ursprünglich wohl ein Landwirtschaftswort und bedeutet in alter Zeit ‘mit der Sichel abmähen, ernten’, vgl. noch heute Gras, Getreide, Korn schneiden. In übertragener Wendung jmdn. schneiden ‘gesellschaftlich ignorieren’ (Mitte 19. Jh.) nach gleichbed. engl. to cut (a person); in der Mathematik sich schneiden (von zwei Linien) ‘sich in einem Punkt kreuzen’ (16. Jh.). Schneid m. (bair.-öst. f.) ‘Mut, Tapferkeit, Draufgängertum’ (18. Jh.), besonders in Wendungen wie (keinen) Schneid haben; eigentlich südd. (mit Apokope eines auslautenden unbetonten e), im Krieg von 1870/71 durch norddeutsche Truppen als Mask. aufgenommen und verbreitet. schneidig Adj. ‘forsch, mutig’ (2. Hälfte 19. Jh.), älter nd. een sneidigen Kopp ‘Kopf mit hellem, scharfem Verstand’, een sneidigen (‘schnellen, energischen’) Gang (18. Jh.), mhd. snīdec, snīdic ‘schneidend, scharf, stark, kräftig’. Schneide f. ‘scharfe, schneidende Kante von Waffen, Werkzeugen, Geräten’, mhd. snīde. zweischneidig Adj. ‘mit zwei Schneiden versehen’ (15. Jh.), daher auch ‘sehr scharf’, übertragen ‘mit Vorteilen und Nachteilen versehen’ (da nach zwei Seiten schneidend), ‘gefährlich’ (17. Jh.). Schneider m. ‘Handwerker, der Kleidung anfertigt’ (eigentlich ‘Stoff, Tuch für Kleidung zuschneidet’), mhd. snīdære. schneidern Vb. ‘Kleidung nähen, anfertigen’ (17. Jh.). abschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug abtrennen, durchtrennen, den Weg ab-, verkürzen, den Zugang verwehren, verhindern’, ahd. abasnīdan (9. Jh.), mhd. abesnīden. Vgl. gut, schlecht abschneiden ‘mit gutem, schlechtem Ergebnis abschließen, Erfolg bzw. keinen Erfolg haben’ (Mitte 19. Jh.). Abschnitt m. ‘Gliederungseinheit, Textteil, Zeitraum, Zäsur, abtrennbares, abgetrenntes Stück’, mhd. abesnit. anschneiden Vb. ‘nicht völlig durchschneiden, das erste Stück abschneiden’ (das Brot anschneiden, übertragen eine Frage, ein Problem anschneiden ‘eine Aussprache darüber beginnen’), mhd. anesnīden ‘(ein Kleid) anmessen, zurechtmachen’. Aufschnitt m. ‘Braten- und Wurstscheiben’ (19. Jh.), zuvor ‘Schnittstelle’ (18. Jh.), ‘Prahlerei’ (17. Jh.), frühnhd. ūfsnit ‘das Anschneiden’ (15. Jh.). beschneiden Vb. ‘stutzen, zurückschneiden, glattschneiden, die Vorhaut entfernen’, ahd. bisnīdan (8. Jh.), mhd. besnīden. durchschneiden Vb. ‘mit einem Schneidwerkzeug zerteilen’, mhd. durchsnīden ‘zerschneiden, verwunden, zerteilen’ (s. ↗Durchschnitt). überschneiden Vb. (reflexiv) ‘sich kreuzen, teilweise zusammenfallen’ (19. Jh.), zuvor mhd. übersnīden ‘beim Schneiden der Feldfrüchte auf den Grund und Boden eines anderen übergreifen, übertreffen’. verschneiden Vb. ‘kürzen, zurechtschneiden, durch Schneiden verderben’, ahd. firsnīdan ‘weg-, abschneiden, zerschneiden’ (8. Jh.), mhd. versnīden ‘zerschneiden, fehlerhaft zuschneiden, ab-, wegschneiden, beschneiden, kastrieren, verwunden, töten, schmälern’. Verschnittener m. ‘Kastrat, Eunuch’ (16. Jh.). Verschnitt m. ‘Wein, Branntwein, Rum mit Beimischungen anderer Sorten’ (um 1900); vgl. verschneiden übertragen ‘schädigen, verderben, verschlechtern’, daher auch ‘guten Wein mit schlechtem versetzen’, in diesem Sinne zuerst (18. Jh.) nd. versnīden (als Praktik der Weinimporteure?). Schneidezahn m. fast nur im Plur. Schneidezähne ‘die vorderen, scharfen Zähne, mit denen abgebissen wird’ (18. Jh.), wohl Übersetzung von medizin.-lat. dentes incisivi, Neubildung zur Unterscheidung gegenüber älterem ↗Backzahn, ↗Backenzahn, ↗Stockzahn (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
beschneiden · ↗einkürzen · ↗kappen · ↗kürzen · ↗stutzen · ↗zurechtstutzen · ↗zurückschneiden · ↗zurückstutzen  ●  beischneiden  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allmacht Arbeitnehmerrecht Auswuchs Autonomie Baum Befugnis Bewegungsfreiheit Bürgerrecht Einfluß Freiheit Freiheitsrecht Freiraum Grundrecht Handlungsfreiheit Hecke Kompetenz Macht Machtbefugnis Machtfülle Meinungsfreiheit Pressefreiheit Privilegium Recht Rechte Redefreiheit Rederecht Strauch Vollmacht Wildwuchs drastisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beschneiden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber ist die beschnittene Freiheit draußen nicht trotzdem ein Verlust?
Die Zeit, 21.07.2005, Nr. 30
Schon einmal wollte die Regierung die staatliche Förderung Ende 2002 beschneiden.
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2003
Sie beschnitt mir meine kleinen persönlichen Rechte, indem sie mir unter anderem verbot, weiterhin selbständig über meine beiden Ponys zu bestimmen.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 35
Die Kinder mußten gehegt und gepflegt, aber auch beschnitten werden.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 16
Er sieht zum ersten Mal in seinem jungen Leben einen beschnittenen Schwanz.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 258
Zitationshilfe
„beschneiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/beschneiden>, abgerufen am 26.04.2019.

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