besessen

Grammatik partizipiales Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung be-ses-sen
Grundform besitzen
Wortbildung  mit ›besessen‹ als Erstglied: ↗Besessenheit  ·  mit ›besessen‹ als Letztglied: ↗angstbesessen · ↗arbeitsbesessen · ↗bildungsbesessen · ↗detailbesessen · ↗ehrgeizbesessen · ↗ichbesessen · ↗kunstbesessen · ↗machtbesessen · ↗musikbesessen · ↗pflichtbesessen · ↗sexbesessen · ↗teufelsbesessen · ↗theaterbesessen
eWDG, 1967

Bedeutung

von etw. ergriffen
a)
(von bösen Geistern) besessenvon bösen Geistern ergriffen, wahnsinnig
Beispiele:
wie vom Dämon besessen etw. tun
umgangssprachlicher arbeitete, schimpfte, schrie wie besessen
umgangssprachlichwie besessen davonrennen
umgangssprachlicher sprang auf wie ein Besessener
das Volk sagte, sie [die Sünderin] sei von sieben Teufeln besessen [WeismantelRiemenschneider96]
die Mägde flohen und hielten ihn für einen Besessenen [BüchnerLenz109]
b)
von einer Leidenschaft, Idee besessen (= von einer Leidenschaft, Idee ganz erfüllt)
Beispiele:
von Stolz, Furcht, Ehrgeiz, Fleiß, Wahrheitsliebe, einem Wunsch, Wahn besessen sein
sie war von der Vorstellung ganz besessen, dass ...
er ist vom Spielteufel besessen
er war von seiner Arbeit besessen
überaus leidenschaftlich
Beispiele:
ein besessener Spieler
ein besessener, leidenschaftlicher Forscher
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

besitzen · besessen · Besitz · Besitzung · Besitztum
besitzen Vb. ‘etw. (in Besitz) haben, darüber verfügen können’, ahd. bisizzen (9. Jh.), mhd. besitzen, sowohl transitiv ‘sich in etw. setzen, belagern, in Besitz nehmen’ als auch intransitiv ‘sitzen, sitzen bleiben, standhalten, besitzen’. Nur die transitive Bedeutung, besonders in got. bisitan ‘umwohnen’, aengl. besittan, asächs. bisittian, mhd. besitzen ‘belagern’, zeigt den ursprünglichen Sinn ‘um etw. herum, dabeisitzen, sich auf etw. setzen’, woraus sich ‘in Besitz nehmen, haben’ entwickelt. Zur Herkunft s. ↗sitzen. Aus dem Part. Prät. besessen, mhd. beseʒʒen entsteht schon in mhd. Zeit ein selbständiges Adjektiv. Neben die Bedeutung ‘belagert, angesessen’ tritt, aus den religiösen Vorstellungen des Mittelalters heraus, die spezielle ‘vom Teufel bewohnt’, daraus heute ‘von etw. völlig in Anspruch genommen, fanatisch’. Besitz m. ‘materielles Gut, das jmdm. gehört, worüber er verfügen kann’ (16. Jh.), frühnhd. ‘Belagerung’ (15. Jh.); vgl. mhd. besitz ‘(Sitz)platz’. Besitzung f. ‘Land- und Grundbesitz’, mhd. besitzunge ‘Besitznahme, Besitz, Belagerung’. Besitztum n. ‘Gesamtheit des Besitzes’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
  • Abhängigkeit · ↗Hörigkeit · ↗Unmündigkeit · ↗Unselbständigkeit
  • (einer Sache/jemandem) verfallen sein · (etwas / jemandem) erlegen sein · begeistert sein · entzückt sein · hingerissen sein (von) · ↗schwärmen (für) · verzückt sein  ●  (an jemandem) einen Narren gefressen haben  sprichwörtlich · Feuer und Flamme sein  ugs., sprichwörtlich · hin und weg sein (von etwas)  ugs. · supertoll finden  ugs.
  • (jemandem gegenüber) loyal · ↗(jemandem) ergeben · ↗(jemandem) treu
Synonymgruppe
(wie) besessen · ↗(wie) getrieben · ↗blindwütig · ↗manisch · ↗übereifrig  ●  wie von einem bösen Geist getrieben  variabel
Assoziationen
Synonymgruppe
besessen · ↗böse · ↗dämonisch · ↗teuflisch

Typische Verbindungen zu ›besessen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›besessen‹.

Verwendungsbeispiele für ›besessen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch hier hatte er sich vor seiner vom Garten besessenen Mutter oft versteckt.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 247
Und natürlich im Training, kein anderer Spieler übt so besessen wie er.
Die Welt, 24.03.2004
Wir leben in einer narzisstischen Kultur, wir sind besessen von unserem Aussehen, unserer Kleidung.
Süddeutsche Zeitung, 19.07.2001
Wir sind nicht besessen genug, sie zum Siege zu führen.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 257
Von Menschen ist sie genauso besessen wie ich von meinen naturwissenschaftlichen Lexika.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 29
Zitationshilfe
„besessen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/besessen>, abgerufen am 30.05.2020.

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