besichtigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-sich-ti-gen
GrundformSicht
Wortbildung mit ›besichtigen‹ als Letztglied: ↗vorbesichtigen
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. bei einem Rundgang genau, prüfend betrachten
Beispiele:
eine Wohnung, die Stadt, ein Schloss, den Dom, eine Gemäldesammlung, eine Ausstellung besichtigen
die Klasse besichtigte mit ihrem Lehrer einen Betrieb
Nachdem Haus und Garten ... besichtigt waren [Storm7,121]
jmdn. besichtigen
Beispiel:
der General besichtigte die Truppen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sicht · sichtbar · sichtig · durchsichtig · kurzsichtig · umsichtig · weitsichtig · sichtlich · sichten1 · besichtigen · Besichtigung
Sicht f. ‘Fähigkeit zu sehen, Sehweite, Ausblick’, auch ‘Betrachtungsweise’, ahd. (9. Jh.), mhd. siht ‘das Sehen, Ansehen, Anblick’, mnd. mnl. sicht, nl. zicht, aengl. -siht, sihþ, engl. sight sind westgerm. Abstraktbildungen (germ. *sihwti-) zu dem unter ↗sehen (s. d.) behandelten Verb. Als Übersetzung von ital. a vista begegnen in der mnd. Handelssprache der Hanse Wendungen wie na gesichtes myns weselbreyffs (‘nach Vorlage meines Wechsels’) betalen (15. Jh.), (Wechsel) up sichtt (bezahlen), 8 dage nae sichtte der handtt schryfft (16. Jh.), dann auch im Hd. nach Sicht des Wechselbrieffs (16. Jh.). Daraus entwickelt sich im 17. Jh. die Bedeutung ‘Laufzeit (eines Wechsels)’, und es entsteht formelhaftes auf lange, auf kurze Sicht ‘für lange, für kurze Zeit’ (17. Jh.). In der Seemannssprache gilt mnd. sicht m. für ‘Sehweite’; es geht in diesem Sinne im 19. Jh. in die Literatursprache ein, vgl. in, außer, ohne Sicht (ohne erkennbares Genus, aber als Fem. aufgefaßt). S. ↗Gesicht; für -sicht in Abstraktbildungen zu Verbalkomposita (An-, Aufsicht usw.) s. ↗sehen. sichtbar Adj. ‘was zu sehen ist’ (16. Jh.). sichtig Adj. ‘hell, klar’ vom Wetter (um 1800 aus der nd. Seemannssprache); vgl. ahd. gisihtīg (um 1000), mhd. sihtec, sihtic, nhd. (bis ins 17. Jh.) sichtig ‘sichtbar, wahrnehmbar, deutlich’; heute nur noch in Zusammensetzungen wie durchsichtig Adj. ‘so beschaffen, daß man hindurchsehen kann’, übertragen ‘zart, blaß, leicht durchschaubar’, ahd. thuruhsihtīg (um 1000), mhd. durchsihtec; kurzsichtig Adj. ‘Sehschärfe nur für die Nähe besitzend, nicht vorausdenkend’ (18. Jh.); umsichtig Adj. ‘bedachtsam, überlegt’, mhd. umbesihtic; weitsichtig Adj. ‘weit sichtbar, weitblickend’ (16. Jh.), ‘Sehschärfe nur für die Ferne besitzend’ (18. Jh.). sichtlich Adj. ‘offenkundig, deutlich’, mhd. sihtlich ‘was gesehen werden kann, sichtbar, leibhaftig’. sichten1 Vb. ‘erblicken’ (19. Jh.), Übernahme aus der nd. Seemannssprache. besichtigen Vb. ‘in Augenschein nehmen, genau ansehen’ (15. Jh.), älter besichten (Anfang 15. Jh.); Besichtigung f. ‘das genaue Ansehen, Inspizieren’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) anschauen (gehen) · ↗(sich) ansehen · besichtigen · ↗besuchen  ●  live dabei (gewesen) sein  ugs.
Synonymgruppe
(genau) betrachten · ↗(genauer) untersuchen · ↗(kritisch) betrachten · ↗(sorgfältig) prüfen · ↗begutachten · besichtigen · genau(er) ansehen · ↗inspizieren  ●  auf den Zahn fühlen  ugs., fig. · in Augenschein nehmen  ugs. · unter die Lupe nehmen  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausstellung Baustelle Bauwerk Besucher Burg Delegation Denkmal Dom Exponat Fabrik Galerie Interessierte Kuppel Museum Reichstag Ruine Schau Schloß Sehenswürdigkeit Sonnabend Stätte Tatort Tempel Tourist Voranmeldung Zeitalter bis erstmals sonntags täglich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›besichtigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir aber besichtigen jetzt einen Typen, der mit diesen verwandt ist.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 177
Und bei einer dieser Pflichten kann man ihn wöchentlich besichtigen.
Der Tagesspiegel, 07.02.2000
Das von ihm umgestaltete Gebäude läßt sich auch heute noch besichtigen.
Die Welt, 14.01.2000
Und Pius besichtigte die politische Situation der Klasse 12 A.
Johnson, Uwe: Ingrid Babendererde, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985, S. 84
Zum Schluß dürfen wir auch das Haus des Todes besichtigen.
Welt und Wissen, 1929, Nr. 4, Bd. 18
Zitationshilfe
„besichtigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/besichtigen>, abgerufen am 18.09.2019.

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