besinnlich

Grammatik Adjektiv · Komparativ: besinnlicher · Superlativ: am besinnlichsten
Aussprache  [bəˈzɪnlɪç]
Worttrennung be-sinn-lich
Wortzerlegung besinnen-lich
Wortbildung  mit ›besinnlich‹ als Erstglied: ↗Besinnlichkeit
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Weihnachtsglossar.
eWDG und ZDL

Bedeutung

von einer ruhigen Stimmung, einer nachdenklichen Haltung, von innerer Einkehr gepägt
siehe auch beschaulich (a)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine besinnliche Weihnachtszeit, Adventszeit, Vorweihnachtszeit, Zeit; eine besinnliche Stimmung, Ruhe; ein besinnliches Weihnachtsfest, Fest; ein besinnlicher Abend; besinnliche Musik; besinnliche Weihnachten; besinnliche Feiertage, Festtage, Tage, Stunden, Momente; besinnliche Geschichten, Texte, Lieder, Worte; eher, so, auch, nicht, ganz, fast, sehr besinnlich
als Adverbialbestimmung: es geht besinnlich zu; besinnlich feiern
in Koordination: ruhig, heiter, froh, schön, still und besinnlich
Beispiele:
er ist ein besinnlicher MenschDWDS
Weihnachten ist die besinnlichste Zeit im Jahr. Aber lasst uns ehrlich sein, der Weihnachtsstress ist oftmals der Vorbote des Fests. Dabei kann es so schön sein, sich Zeit für sich zu nehmen und den Jahresausklang bewusst zu erleben. Die Zeit verfliegt ohnehin viel zu schnell, nehmen wir uns lieber öfter mal ein paar Minuten nur für uns. [Drei Tipps um dem Weihnachtsstress zu entfliehen, 19.12.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Es gibt Gedichte, die sind besinnlich. Es gibt auch Gedichte, die rufen zur Besinnung. Besinnlich, Besinnung – beide Wörter meinen ein Unterbrechen des bewusstlosen Flusses der Dinge. Und doch ist das eine in seiner lieblichen Süße eher beruhigend, während das andere am tumben Menschengeist rüttelt: Komm endlich zur Besinnung! [Rhein-Zeitung, 15.12.2006]
Angesichts der Flutkatastrophe in Asien haben heuer wohl viele den Übergang vom 31. Dezember zum 1. Januar besinnlicher gefeiert als in anderen Jahren. [Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2005]
Nach dem Schlußakkord setzt frenetischer Jubel ein. Es folgen besinnliche Minuten. Im Kerzenfiackern erscheint der »Rosenkavalier« von Richard Strauss gar sanft und zart. Doch kaum wird die Musik beschwingter, ist auf den Rängen wieder Party. [Berliner Zeitung, 21.06.1994]
Im Foyer des KaDeWe singen die betagten Damen der Anton‑Günther‑Gruppe […] von »Seligkeit« und »himmlischer Ruh«. Ganz so besinnlich freilich geht es hier [in einem anderen Kaufhaus] nicht zu: »Oma, red’ doch keinen Scheiß«, sagt ein wenig charmanter Drängler, nachdem er eine alte Frau an der Rolltreppe zu Fall gebracht hat. [Berliner Zeitung, 30.11.1992]
Mich lehrte es [ein Buch], den Wert besinnlicher Stunden im menschlichen Dasein, Augenblicke innerer Einkehr, die im Wirbel meines Alltags so selten geworden waren, höher einzuschätzen. [Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 112]
sie schaute besinnlich (= nachdenklich) […] vor sich hin [ Feuchtw.Simone131]WDG

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
besinnlich · ↗nachdenklich
Synonymgruppe
beschaulich · besinnlich · ↗kontemplativ · versunken
Assoziationen
Religion
Synonymgruppe
besinnlich · ↗kontemplativ · ↗meditativ

Typische Verbindungen zu ›besinnlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›besinnlich‹.

Zitationshilfe
„besinnlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/besinnlich>, abgerufen am 13.04.2021.

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