bestehen

GrammatikVerb · bestand, hat bestanden
Aussprache
Worttrennungbe-ste-hen (computergeneriert)
Grundformstehen
Wortbildung mit ›bestehen‹ als Erstglied: ↗bestehenbleiben  ·  mit ›bestehen‹ als Letztglied: ↗fortbestehen · ↗weiterbestehen  ·  mit ›bestehen‹ als Grundform: ↗Bestand · ↗Bestehen · ↗bestanden
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
vorhanden sein, existieren
Beispiele:
diese Einrichtung besteht schon lange
das 25jährige Bestehen der Firma feiern
die bestehenden Gesetze
die bestehende Ordnung
die Forderung besteht zu Recht
es besteht die Aussicht, der Verdacht, dass ...
es besteht Übereinstimmung darüber, dass ...
nach diesem Artikel besteht große Nachfrage
es besteht kein Hindernis, Unterschied
es besteht ein geheimes Einvernehmen zwischen ihnen
darüber bestehen noch Zweifel
gegen seine Wahl bestehen keine Bedenken
fortdauern, weiterleben
Beispiele:
bei diesen Preisen kann das Theater, Geschäft nicht bestehen
sprichwörtlich Schönheit vergeht, Tugend besteht
2.
aus etw. bestehensich aus etw. zusammensetzen
Beispiele:
die Wohnung besteht aus vier Räumen
die Mauer besteht aus Steinen
das Frühstück bestand aus Brot und saurer Milch
sein Leben besteht aus Arbeit
in etw. bestehenetw. als Inhalt haben, etw. sein
Beispiele:
seine Arbeit bestand (im Wesentlichen) darin, dass er die Korrespondenz erledigte
seine Pflicht besteht darin, dass ...
sein Leben besteht in Aufopferung und Pflichtgefühl
3.
auf einer Sache, selten eine Sache bestehenan etw. festhalten, etw. durchzusetzen suchen
Beispiele:
auf seinem Recht bestehen
er besteht auf sofortiger Begleichung der Rechnung
sie besteht auf kirchlicher, kirchliche Trauung
auf einem Aufschub bestehen
darauf bestehe ich, muss ich bestehen
auf seinem Willen, Vorhaben, Standpunkt bestehen (= nicht nachgeben)
umgangssprachlich auf seinem Kopf bestehen (= nicht nachgeben)
4.
in einer Sache erfolgreich sein
a)
etw. glücklich beenden
Beispiel:
die Prüfung, das Examen spielend, mit Glanz, Auszeichnung, Anstand, Ehren bestehen
etw. durchstehen
Beispiele:
einen Kampf, ein Abenteuer, eine Krankheit bestehen
Anfechtungen bestehen
er hat manchen Sturm bestanden
sie hat die Bewährungsprobe, Feuerprobe bestanden
veraltet jmdn. besiegen
Beispiel:
den Feind bestehen
b)
sich in einer Sache behaupten
Beispiel:
in einem Kampf, einer Prüfung, Gefahr bestehen
c)
vor jmdm., etw. standhalten
Beispiele:
wie soll ich vor ihm, vor seinen Augen bestehen?
vor einer Kritik nicht bestehen können
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehen · gestanden · abstehen · Abstand · auferstehen · Auferstehung · aufstehen · Aufstand · aufständisch · ausstehen · Ausstand · Außenstände · beistehen · Beistand · bestehen · Bestand · beständig · Bestandteil · einstehen · Einstand · entstehen · gestehen · eingestehen · zugestehen · geständig · Geständnis · Umstand · unterstehen1 · Unterstand · unterstehen2 · vorstehen · Vorsteher · Vorstand · zustehen · Zustand · zuständig
stehen Vb. ‘auf die Füße gestellt sein, auf einer Stelle verharren’ geht zurück auf ahd. (8. Jh.), mhd. stēn, woraus (bei Überführung in die regelmäßige Konjugation mit zur Silbentrennung und wohl auch als Dehnungszeichen nach dem Muster von ↗sehen, s. d., eingefügtem h) stehen (zuerst md. 14. Jh.) wird. Ahd. mhd. stēn ist eine (wohl unter dem Einfluß von ahd. mhd. gēn neben gān, s. ↗gehen, entstandene) Nebenform zu ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. stān, mnl. staen, nl. staan, schwed. stå. Daneben besteht ein nasalierter und Dentalerweiterung aufweisender Stamm germ. *stand- in ahd. stantan (8. Jh.), mhd. standen, asächs. standan, mnl. standen, aengl. standan, engl. to stand, anord. standa, got. standan (wozu auch ↗Stand und mit sekundärem Ablaut ↗Stunde, s. d., gehören). Wie Präteritalformen ohne n (got. stōþ, stōþum, aengl. stōd, stōdon, engl. stood ‘stand, standen’) zeigen, war der Nasal in germ. *stand- ursprünglich nur präsensbildend. Verwandt sind aind. sthā- ‘stehen’, tíṣṭhati ‘steht’, griech. histánai, Aorist stḗnai (ἱστάναι, στῆναι) ‘stellen’, lat. stāre ‘stehen’, air. tair(ṡ)issiur ‘stehe, bleibe stehen’, lit. stóti ‘sich (hin)stellen, treten’, aslaw. stojati, russ. stoját’ (стоять) ‘stehen’, aslaw. stati ‘sich stellen’, russ. stat’ (стать) ‘werden, anfangen, sich stellen’. Man vereinigt alle Formen unter einem Wurzelansatz ie. *stā, *stə- ‘stehen, stellen’ und betrachtet die aspirierte Tenuis (th) des Aind. als Neuerung gegenüber der ie. Ausgangsform. Das ā in den Kurzformen des germ. Verbs (statt eines lautgesetzlich zu erwartenden germ. ō) geht auf eine frühe Angleichung an das unter ↗gehen (s. d.) behandelte, zur Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- gehörende Gegenwort zurück (vgl. ahd. mhd. gān, s. oben). An die Wurzel ie. *stā- bzw. deren unterschiedliche Erweiterungen schließen sich eine Vielzahl von Wörtern an (s. z. B. ↗Stadel, ↗Stadt, ↗Statt, ↗Staude, ↗stauen, ↗staunen, ↗stet, ↗Steuer f. ↗Steuer n., ↗stieren, ↗Stuhl, ↗stur, ↗Stute, ↗stützen). gestanden Part.adj. ‘erfahren, gesetzt’ (ein gestandener Mann), spätmhd. gestanden ‘groß, erwachsen’, also wohl ‘zum Stehen gekommen’. abstehen Vb. ‘von etw. ablassen, abgehen, von etw. entfernt sein’, seit dem 16. Jh. auch ‘durch langes Stehen an Qualität verlieren, verderben’, mhd. abestān, abestēn, auch ‘absteigen’ (vom Pferd); Abstand m. ‘Distanz, Entfernung’ (17. Jh.), ‘das Ablassen, Aufgeben von etw.’ (15. Jh.), Abstand nehmen von etw. ‘auf etw. verzichten’ (19. Jh.). auferstehen Vb. ‘vom Tode wieder erstehen’, ahd. ūfirstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūferstān ‘aufstehen, sich erheben, vom Tode auferstehen’; Auferstehung f. ‘Wiedererwecktwerden vom Tode’ (15. Jh.); vgl. mhd. ūferstandunge. aufstehen Vb. ‘sich erheben’, ahd. ūfstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūfstān, auch ‘jmdm. aufkündigen, aus dem Dienst treten’; Aufstand m. ‘Erhebung, Empörung, Aufruhr’, spätmhd. ūfstant; aufständisch Adj. ‘aufrührerisch, sich erhebend, empörend’ (19. Jh.). ausstehen Vb. ‘fällig, zu zahlen sein’ (14. Jh.), ‘weggehen, seinen Dienst verlassen, eine Verpflichtung erfüllen’ (15. Jh.), ‘etw. bis zum Ende durchstehen, ertragen, aushalten’ (16. Jh.), mhd. ūʒstān, -stēn ‘aus-, wegbleiben, ausruhen (vom Pferd)’; Ausstand m. ‘Arbeitsniederlegung, Streik’; seit dem 17. Jh. im Obd. (zunächst im Bair.) in der speziellen Bedeutung ‘Ausscheiden aus einem Dienst, einer Stellung’ (Gegensatz Einstand, s. unten); seit den 80er Jahren des 19. Jhs. auf Arbeitsniederlegungen bezogen; in dieser Bedeutung seit etwa 1890 allgemein verbreitet neben dem aus dem Engl. entlehnten Konkurrenzwort ↗Streik (s. d.). Außenstände Plur. ‘fälliges, noch nicht (zurück)gezahltes Geld’ (19. Jh.); älter Ausstände Plur., Ausstand m., mhd. ūʒstant ‘ausstehendes Geld’. beistehen Vb. ‘unterstützen, helfen’, ahd. bīstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. bīstān ‘dabeistehen, Hilfe leisten’; Beistand m. ‘Hilfe, Unterstützung’, spätmhd. bīstant. bestehen Vb. ‘(auf längere Zeit) existieren, vorhanden sein, erfolgreich zum Ende führen’, ahd. bistantan, -stān, -stēn ‘bleiben, verharren’ (9. Jh.), mhd. bestān, bestēn ‘stehenbleiben, standhalten, umstehen, entgegentreten, feindlich angreifen, etw. unternehmen’; Bestand m. ‘Dauer, Existenz, Vorrat’, frühnhd. bestant (Anfang 15. Jh.), auch ‘Waffenstillstand, Pacht’; vgl. ahd. bistentida f. (10. Jh.); beständig Adj. ‘dauerhaft, immer wiederkehrend, festbleibend’, mhd. bestendec; Bestandteil m. ‘Teil eines Ganzen, einer größeren Einheit’ (18. Jh.). einstehen Vb. ‘für etw. eintreten, bürgen, etw. verantworten’ (18. Jh.), frühnhd. ‘in eine Gemeinschaft eintreten, einen Dienst antreten’, spätmhd. īnstān (substantiviert) ‘das In-sich-selbst-Sein’; Einstand m. ‘Amts-, Dienstantritt, Eintrittsleistung, -geld, Eintrittsschmaus’, spätmhd. īnstant ‘Vorkaufsrecht, Einstellung der Gerichtsverhandlung’. entstehen Vb. ‘sich entwickeln, hervorgehen’, ahd. intstantan, -stān, -stēn ‘verstehen’ (8. Jh.), mhd. entstān, -stēn ‘verstehen, wahrnehmen, merken’, vom Mhd. an auch (gemäß den unterschiedlichen Verwendungen von ↗ent-, s. d.) ‘sich von etw. wegstellen, entgehen, mangeln’ (so bis ins 19. Jh.) und ‘zu sein beginnen, werden’. gestehen Vb. ‘bekennen, nicht leugnen’, ahd. gistantan, -stān, -stēn ‘(be)stehen, fest-, stillstehen, beruhen, aufhören, anfangen, standhalten’ (9. Jh.), mhd. gestān, -stēn, auch ‘sich stellen, treten, beistehen, zugestehen, wozu stehen, bekennen (vor Gericht), kosten’; eingestehen Vb. ‘bekennen’ (18. Jh.); zugestehen Vb. ‘gewähren, einräumen’ (17. Jh.); vgl. mhd. zuogestēn ‘mit jmdm. einmütig sein, zur Seite stehen’; geständig Adj. ‘seine Schuld bekennend’ (16. Jh.), mhd. gestendec ‘beständig, unveränderlich, einwilligend, zustimmend, hilfreich’; Geständnis n. ‘Bekenntnis der Schuld, das Eingestehen’ und ‘das Eingestandene’ (17. Jh.). Umstand m. ‘besondere Lage, Sachverhalt’ (15. Jh.), in (gesegneten, anderen) Umständen sein ‘schwanger sein’ (17. Jh.), ‘Umschweif, Umständlichkeit’ (15. Jh.), (keine) Umstände (‘Umständlichkeiten’) machen (16. Jh.), ‘(keine) Mühe, Förmlichkeit machen’ (18. Jh.); vgl. mhd. umbestant ‘was, wer herumsteht’ (kollektiver Sing.). unterstehen1 Vb. ‘unter einem Schutzdach stehen, sich unterstellen’, spätmhd. understān, -stēn; Unterstand m. ‘Unterkunft, wo man sich unterstellt, Schutz’ (16. Jh.), militärisch ‘abgedeckter Schutzraum’ (19. Jh.), spätmhd. understant ‘Stütze, Hilfe’. unterstehen2 Vb. ‘untergeordnet, unterstellt sein’ (17. Jh.), reflexiv ‘wagen, sich erlauben, erdreisten’ (16. Jh.), ahd. untarstantan, -stān, -stēn ‘haltmachen, zukommen’ (8. Jh.), mhd. understān, -stēn ‘zustande bringen, bewirken, bestehen, bekämpfen’, reflexiv ‘etw. unternehmen, sich einer Sache unterziehen’. ↗verstehen s. d. vorstehen Vb. ‘hervorragen, an der Spitze stehen, leiten’, ahd. forastantan, -stān, -stēn ‘voranstehen, sich auszeichnen, vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. vorestān, -stēn ‘bevorstehen, sorgen für, regieren’; Vorsteher m. ‘Leiter’ (16. Jh.); Vorstand m. ‘Leitungsgremium, Leiter’ (Anfang 19. Jh.), älter ‘Verteidiger, Bürge’ (15. Jh.), ursprünglich auch ‘Zustand des Stehens vor einem anderen oder etw. anderem, Bürgschaft, erste Stelle’ (16. Jh.). Widerstand, widerstehen s. ↗wider. zustehen Vb. ‘von Rechts wegen gebühren, Anspruch auf etw. haben’ (15. Jh.), mhd. zuostān, -stēn ‘verschlossen sein, zu einem treten, ihm beistehen, zukommen, angehören, zuständig sein’; Zustand m. ‘Art und Weise, Verhältnisse, worin sich Personen und Dinge befinden’ (17. Jh.), älter ‘Hinzugehöriges, Dabeistehendes’ (15. Jh.); zuständig Adj. ‘zur Sache gehörig, kompetent’, auch ‘dazugehörig’ (16. Jh.), ‘zeitlich bevorstehend’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
bestehen · ↗existieren · ↗geben (es gibt / es gab ...) · ↗sein · sich befinden · vorhanden sein · ↗vorkommen · ↗vorliegen  ●  ↗lauern (Gefahren)  fig. · ↗da sein  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(aus etwas) bestehen · ↗(sich) zusammensetzen (aus)
Assoziationen
Synonymgruppe
(weiter) bestehen · Bestand haben · ↗bestehen bleiben · ↗fortbestehen · ↗halten (Beziehung, Ehe) · von Dauer sein
Synonymgruppe
(etwas) ausrichten (können) · (jemandem/einer Sache) gewachsen sein · ↗(jemandem/einer Sache) trotzen · ↗(sich) behaupten (gegen) · (sich) durchsetzten (gegen) · bestehen (gegen)  ●  ↗(etwas) reißen (können)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anlaß Aufgabe Aussicht Bedarf Chance Einigkeit Gefahr Grund Handlungsbedarf Hoffnung Möglichkeit Notwendigkeit Prüfung Risiko Teil Unterschied Verdacht Zusammenhang Zweifel aber auch darauf darin es fortbestehen mehr nicht noch nur weiterbestehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bestehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Meine Frau besteht darauf, mich mitsamt den Kindern zu begleiten.
Die Zeit, 28.10.2013, Nr. 43
Wegen dieses Depots besteht aber immer noch Alarm am Rhein.
Der Spiegel, 17.11.1986
Als solche verdrängte sie diesen nicht, sondern beide bestanden nebeneinander.
Moe, Lawrence: Saltarello. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 9
Zu ihr ist der Christ befreit, und in ihr besteht der Glaube und seine Freiheit.
Ratschow, C. H.: Christentum. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 20770
Zitationshilfe
„bestehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bestehen>, abgerufen am 21.10.2018.

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