betäuben

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-täu-ben
Grundform taub
Wortbildung  mit ›betäuben‹ als Binnenglied: ohrenbetäubend · sinnbetäubend
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. gegen Schmerz unempfindlich machen, narkotisieren
Beispiele:
einen Kranken vor der Operation durch eine Narkose betäuben
eine Vene, jmdn. örtlich betäuben
der Schlag auf den Kopf betäubte ihn
er sank betäubt nieder
2.
übertragen vorübergehend das Bewusstsein trüben, jmdn. benommen machen
Beispiele:
der Lärm, die Nachricht, der Schreck, die Angst betäubte ihn
sich vom Schlaf wie betäubt fühlen
der undurchdringliche Tabaksqualm betäubte den Juristen [ RaabeII 2,199]
betäubendüberlaut
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiel:
in den Straßen herrscht ein betäubender Lärm, Trubel
berauschend
Beispiele:
im Zimmer lastete ein betäubender Duft
sie benutzte ein betäubendes Parfüm
es roch betäubend nach Jasmin, Flieder
3.
etw. zu unterdrücken suchen
Beispiele:
sein schlechtes Gewissen, seine Zweifel, Ängste, seinen Kummer betäuben
sich mit etw. betäuben
sich mit etw. abzulenken suchen
Beispiel:
sich mit Arbeit, Lektüre, ausschweifenden Vergnügungen betäuben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

taub · betäuben · Taubnessel · taubstumm
taub Adj. ‘gehörlos, ohne körperliche Empfindung, abgestorben, ohne nutzbaren Wert, gehaltlos, leer’, ahd. toub ‘gehörlos, unempfindlich, stumpf, unsinnig’ (9. Jh.), mhd. toup, toub, auch ‘leer, wertlos, abgestorben, dürr’, mnd. dōf (s. doof), mnl. nl. doof, aengl. dēaf, engl. deaf, anord. daufr, schwed. döv, got. daufs, germ. *dauba-. Dazu (ablautend) toben (s. d.) und (nasaliert) dumm (s. d.), außergerm. griech. typhlós (τυφλός) ‘blind, stumpf, unsinnig, verstopft, dunkel, versteckt’, so daß sich Rückführung auf ie. *dheubh-, *dhūbh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkelt’ (auch vom Geist und den Sinnen), eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln, besonders von Staub, Rauch, Dampf’ (s. Duft, Dunst), ergibt. Die Ausgangsbedeutung ‘umnebelt, empfindungslos, stumpfsinnig’ wird im Germ. schon früh auf den Gehörsinn bezogen. Aus der Bedeutung ‘gefühllos, abgestorben’ entwickelt sich in mhd. Zeit ‘gehaltlos, unfruchtbar’, vgl. taube Nuß ‘hohle, leere Nuß’, taubes Gestein ‘kein nutzbares Mineral enthaltendes Gestein’. betäuben Vb. ‘gegen Schmerz unempfindlich machen, das Bewußtsein trüben, benommen machen’, mhd. betouben ‘taub machen, betäuben, entkräften, betören, erzürnen’; vgl. ahd. toubēn ‘taub werden’ (um 800), toubōn ‘zähmen, bezwingen’ (9. Jh.), touben ‘vermindern, schwächen’ (11. Jh.), mhd. touben ‘taub werden, taub machen, betäuben, empfindungslos machen, abstumpfen, dämpfen, zunichte machen, vernichten’, nhd. tauben, täuben ‘taub sein oder werden, rasen, wüten, vernichten’ (nach dem 16. Jh. nicht mehr gebräuchlich). Taubnessel f. Lippenblütler mit Blättern, die denen der Brennessel ähnlich sind, aber bei Berührung keine brennenden Hautreizungen verursachen (15. Jh.). taubstumm Adj. ‘von Geburt an unfähig zu hören und (deshalb auch) unfähig, artikuliert zu sprechen’ (2. Hälfte 18. Jh.), aus der Fügung taub und stumm.

Thesaurus

Synonymgruppe
abhärten · abstumpfen · abtöten · betäuben · stumpf machen (gegen) · unempfindlich machen
Synonymgruppe
Rauschgift verabreichen · betäuben · gefühllos machen · narkotisieren · taub machen

Typische Verbindungen zu ›betäuben‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›betäuben‹.

Verwendungsbeispiele für ›betäuben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In einem Fall soll der Mann seine 20 Jahre jüngere Frau zuvor mit Äther betäubt haben.
Die Welt, 02.04.2005
Wir wollten uns betäuben, und man machte es uns nicht schwer.
Süddeutsche Zeitung, 08.01.1997
Das wird er nicht schaffen, wenn er kein anderes Vergnügen dafür bereit hält, stark genug, ihre Lust zum Jagen zu betäuben.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 177
Für die war er viel zu müde geworden, viel zu müde und wie betäubt.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 202
Man ist ausgezeichnet versehen, doch bin ich etwas betäubt von dem ungeheuren Material.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 216
Zitationshilfe
„betäuben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bet%C3%A4uben>, abgerufen am 24.01.2022.

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