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betonieren

Grammatik Verb · betoniert, betonierte, hat betoniert
Aussprache 
Worttrennung be-to-nie-ren
Wortzerlegung Beton -ieren
Wortbildung  mit ›betonieren‹ als Erstglied: Betonierung  ·  mit ›betonieren‹ als Letztglied: ausbetonieren · einbetonieren · zubetonieren
Herkunft aus gleichbedeutend bétonnerfrz
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar Fußball.

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨jmd. betoniert etw.⟩ etw. aus Beton herstellen
  2. 2. [umgangssprachlich, übertragen, abwertend] große, freie Flächen bebauen oder mit Schicht aus Beton bedecken und so den natürlichen Zustand zerstören oder die Nutzung für die Landwirtschaft unmöglich machen
  3. 3. [übertragen, umgangssprachlich, abwertend] ⟨jmd., etw. betoniert etw.⟩ etw. unveränderbar machen
  4. 4. [übertragen, umgangssprachlich, besonders Sport, A ] ⟨jmd. betoniert jmdn.⟩ den Gegner (mit meist großem Vorsprung oder Vorteil) besiegen
  5. 5. ⟨jmd. betoniert jmdm. eine⟩
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
jmd. betoniert etw. [irgendwo]etw. aus Beton herstellen
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: ein Fundament, Haus betonieren; eine Straße, Wand, Zimmerdecke betonieren; den Fußboden, Kellerboden betonieren; die Einfahrt betonieren; einen Parkplatz, einen Weg betonieren; Pfähle, Säulen betonieren
Beispiele:
Um allerdings später das Grundwasser mittels Pumpen absenken zu können, wird erst noch ein anderer Bautrupp anrücken und überall dort, wo diese kleinen Schachtdeckel sind, eine sogenannte Brunnenstube unter die Straße betonieren, also eine kleine Kammer, in der jeweils eine Pumpe installiert wird. [Süddeutsche Zeitung, 19.12.2020]
Die Firma K[…] betonierte die Fundamente des […] 300 Meter langen Schutzzauns […]. [Mittelbayerische, 14.03.2019]
Die Baugrube für den benachbarten neuen OP‑Trakt ist bereits ausgehoben, im August soll dort die Bodensohle betoniert, am 12. September Grundsteinlegung gefeiert werden. [Welt am Sonntag, 20.07.2014]
Beschädigte Solarpanels können einzeln ausgetauscht werden, ohne dass jemals wieder eine Straße aufgerissen und neu betoniert oder asphaltiert werden müsste. [Der Standard, 27.05.2014]
2.
umgangssprachlich, übertragen, abwertend große, freie Flächen bebauen oder mit Schicht aus Beton bedecken und so den natürlichen Zustand zerstören oder die Nutzung für die Landwirtschaft unmöglich machen
siehe auch zubetonieren (2)
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: die Landschaft, Natur betonieren; Felder, Flächen, Wiesen betonieren
Beispiele:
Der Naturschutz hat […] nichts davon, wenn alle Flächen betoniert […] werden. [Süddeutsche Zeitung, 07.05.2019]
Über tausend Arbeiter rodeten Wald, trugen einen Hügel ab und betonierten eine Fläche, die Dutzenden Fussballfeldern entsprach. [Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2018]
»Wenn wir weiter so schnell die Landschaft betonieren, jede Sekunde 1,1 Quadratmeter, ist bis zum Jahr 2050 alles zubetoniert«, warnt die Initiative[…]. [Der Spiegel, 28.11.2014 (online)]
Ihr zwingt uns allen noch mehr Pendlerverkehr auf, verringert die landwirtschaftliche Nutzfläche und den Erholungsraum der Salzburger, weil natürlich für jeden Quadratmeter geschützten Grünlands innerhalb der Stadt außerhalb ein Vielfaches an Fläche betoniert wird. [Salzburger Nachrichten, 08.08.2005]
Die Eigenheimzulage gehört zusammen mit der Pendlerpauschale zu den Subventionen, die zunächst die Umwelt zerstören[…]: wer [sic!] ein Haus baut, will billiges Bauland oder im Grünen wohnen. Das geht vor allen Dingen im Umland der Städte. Folglich erschließen die Menschen einen Acker, bauen eine Straße, betonieren die Landschaft und pendeln dann zur Arbeit. [Der Tagesspiegel, 12.08.2003]
3.
übertragen, umgangssprachlich, abwertend jmd., etw. betoniert etw.etw. unveränderbar machen
siehe auch zementieren (2)
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: eine Ansicht, Einstellung, Meinung betonieren; Stereotypen betonieren; die Dominanz, Macht, Vorherrschaft betonieren; Rollen, Rollenmuster betonieren; das [soziale] Missverhältnis, Ungleichgewicht betonieren; die [soziale] Ungerechtigkeit betonieren; eine [soziale] Situation betonieren; Löhne, Gehälter betonieren; jmds. Stelle, Position betonieren
Beispiele:
Es ist erschreckend, dass […] ein Mann als Kommissionspräsident kandidiert, der die Reformunfähigkeit der EU (= Europäische Union) noch mit verfassungswidrigen, undemokratischen Mitteln betonieren will. [Die Welt, 03.04.2019]
»Aufklärungsarbeit muss bei noch nicht infizierten Leuten (= bei Leuten, deren Meinung noch nicht beeinflusst ist) ansetzen«[…]. […] Es ist frustrierend, aber gegen die Verbreitung von Gerüchten existiert keine effektive Therapie. Sicher ist nur, dass es darum geht, Menschen zu erreichen, deren Ansichten noch nicht betoniert sind. Oder um es mit dem Beispiel des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney zu sagen: Gegenargumente erreichen nur jene, die ihre Fernbedienung noch dazu benutzen, um gelegentlich den Sender zu wechseln. [Süddeutsche Zeitung, 06.02.2016]
Krugers Slogans verhehlen zwar nicht ihre Politisierung während der aufbrechenden, kapitalismuskritischen 1960er‑ und 1970er‑Jahre, trotzdem sind sie weit davon entfernt, mit erhobenem Zeigefinger Lebensweisheiten zu betonieren. [Der Standard, 05.11.2013]
Im Kampf um jede Telefonbuchse schlagen etliche womöglich ihr letztes Gefecht. Der heftigste Vorwurf: Die Telekom versuche, alle anderen Anbieter mit unschlagbar günstigen Tarifen bei der superschnellen Verbindung DSL kaltzustellen – und so ihre Dominanz in den Ortsnetzen zu betonieren. [Die Zeit, 27.03.2002]
4.
übertragen, umgangssprachlich, besonders Sport, A jmd. betoniert jmdn. [Gegner]den Gegner (mit meist großem Vorsprung oder Vorteil) besiegen
Beispiele:
Regelrecht »betoniert« wurde Langenlois Ⅳ von den »Siebener‑Tullnern«: Bis auf einzelne Satzgewinne konnten die Spieler Heinz K[…], Peter F[…] und Franz L[…] nichts für sich rausholen. [NÖ Nachrichten, 22.01.2019]
Beim traditionellen Fußballmatch zwischen Mozarteum und Wiener Philharmonikern haben die Gastgeber die Wiener regelmäßig »betoniert«. [Der Standard, 11.08.2008]
Mit der Verinnerlichung der schmutzigen Tugenden des europäischen Spiels sollten die Brasilianer eigentlich alles mitbringen, was notwendig ist, um im Finale [der Fussball-Weltmeisterschaft] die Spanier zu betonieren. [Falter, 11.06.2014]
Den Zwettlern fehtle nur mehr ein Sieg [bei der Pool-Meisterschaft]. Aber M[…] betonierte im 9er‑Ball seinen Widersacher mit 7:2 […]! [Neue Vorarlberger Tageszeitung, 04.05.1997]
5.
Phrasem:
meist A , umgangssprachlich, derbjmd. betoniert jmdm. eine (= jmd. schlägt einer anderen Person ins Gesicht)
Beispiele:
Plötzlich schlug der Lagerist […] einem 29‑jährigen Regensburger mit der Faust auf die Nase. […] Die Menge habe geschoben, der Angeklagte »hat sich umgedreht und mir eine betoniert«. Die Folge: Schwellungen und Rötungen an der Nase, das Opfer hatte nach eigenen Angaben zwei bis drei Tage lang Schmerzen. [Münchner Merkur, 26.07.2017]
Im Vorraum kamen ihm […] zwei Fremde – ein Mann und eine Frau – entgegen. Der Hausbesitzer reagierte blitzschnell. »Ich habe sie angeschrien und dem Mann gleich eine betoniert. Ich habe sie aus dem Haus gedrängt und schnell zugesperrt«, schildert S. die Situation. [NÖ Nachrichten, 11.04.2017]
Er hat mir den Mittelfinger gezeigt, ich habe gefragt, warum er das tut, und schon bekam ich eine betoniert. Ich habe einmal zurückgeschlagen und bin davongelaufen, weil der Typ rund 140 Kilo hat. [Heute, 10.10.2016]
Staatsanwalt Reinhard F[…] warf dem Beschuldigten vor, er habe einem […] Innerösterreicher während eines Einsatzes […] »eine betoniert« und ihn dadurch verletzt. [Neue Vorarlberger Tageszeitung, 22.06.1999]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Beton · betonieren · Bitumen · bituminös
Beton m. ‘Mörtel aus Kies und Zement’. Seit dem 19. Jh. belegt (doch vgl. Betonmörtel, 18. Jh.), nach gleichbed. frz. béton, mfrz. betum; voraus geht afrz. betun ‘Erdpech, Mörtel, Schlamm, Müll, Schutt’, das auf lat. bitūmen ‘Erdharz, Erdpech’, jünger ‘Schlamm, Sand’ beruht. betonieren Vb. ‘mit Beton bauen’ (2. Hälfte 19. Jh.) nach gleichbed. frz. bétonner. Bereits Anfang des 16. Jhs. wird lat. bitūmen ‘Erdharz, -pech’ mit gleicher Bedeutung ohne frz. Vermittlung als Bitumen n. ins Dt. übernommen (heute oft für Asphaltschicht im Straßenbau); gleichzeitig wird nach dem Adjektiv lat. bitūminōsus ‘erdharzhaltig’ bituminosisch, bituminösisch gebildet, das Ende des 18. Jhs. durch bituminös Adj. ersetzt wird. Lat. bitūmen wird zur selben Wurzel ie. *gu̯et- ‘Harz’ gestellt wie Kitt (s. d.), kann aber seines Anlauts wegen (zumindest im ersten Wortteil) nicht lat. Ursprungs sein, sondern ist wohl Entlehnung aus dem Osk.-Umbr. oder aus dem Kelt.

Typische Verbindungen zu ›betonieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›betonieren‹.

Zitationshilfe
„betonieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/betonieren>.

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