betrauen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-trau-en
Wortbildung mit ›betrauen‹ als Erstglied: ↗Betrauung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn. mit etw. betrauenjmdm. die Ausführung einer (wichtigen) Angelegenheit vertrauensvoll übertragen, jmdn. mit etw. beauftragen
Beispiele:
jmdn. mit einer Mission, einem Amt, Auftrag betrauen
jmdn. mit der Lösung einer Aufgabe, der Bildung der neuen Regierung, der Staatsführung betrauen
er betraute vorübergehend seinen Freund mit der Leitung des Geschäfts
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trauen · Traute · Trauung · Trauring · Trauzeuge · betrauen · vertrauen · vertraut · Vertrauen · vertraulich · anvertrauen · zutrauen · Zutrauen · zutraulich
trauen Vb. ‘keine Vorbehalte, kein Mißtrauen haben, Glauben schenken, ehelich verbinden, verheiraten’, reflexiv ‘wagen, etw. zu tun, den Mut zu etw. haben’, ahd. trū(w)ēn ‘(ver)trauen, glauben, hoffen, zutrauen’ (um 900; vgl. fir-, gitrū(w)ēn, um 800), mhd. trūwen ‘Zuversicht haben, hoffen, glauben, trauen, sich getrauen, (an)vertrauen, ehelich verloben, (an)trauen’ (daneben mit ungeklärtem Umlaut mhd. triuwen, nhd. treuen bis 16./17. Jh.), asächs. trūon ‘vertrauen’, mnd. trūwen ‘(ver)trauen, ehelich verbinden’, mnl. betrūwen ‘vertrauen’, aengl. trūwian (daneben trēowian als Ableitung von trēow f.), engl. (älter) to trow, anord. trūa ‘vertrauen, glauben’, schwed. tro ‘glauben, trauen’, ablautend got. trauan ‘(ver)trauen’. Das gemeingerm., teilweise intervokalisches w aufweisende Verb ist gebildet zu den Ablautformen ie. *drū- bzw. (für das Got.) *drōu̯- der unter ↗treu (s. d.) genannten Wurzel, zeigt also ähnliche Lautformen und Lautentwicklungen wie ↗bauen (s. d.). Die Ausgangsbedeutung ist ‘fest, treu (in seinem Verhalten, seiner Meinung) sein’. Aus im Ahd. und Mhd. geläufigem ‘glauben, hoffen, zutrauen’ entwickelt sich ‘vertrauen, Glauben schenken’; ‘zuversichtlich hoffen’ geht bei reflexivem Gebrauch über zu ‘wagen, riskieren’ (16. Jh.). Seit dem 13. Jh. steht trauen für ‘ehelich verbinden’, d. h. ‘dem Manne zur Frau geben’, eigentlich ‘anvertrauen’. Zu sich trauen ‘den Mut zu etw. haben’ die umgangsprachliche Abstraktbildung Traute f. ‘Mut’ (berlin., Ende 19. Jh.). Trauung f. ‘Eheschließung’ (2. Hälfte 16. Jh.), mnd. trūwinge (um 1420); vgl. spätmhd. trūunge ‘Vertrauen’. Trauring m. (16. Jh.). Trauzeuge m. (Ende 18. Jh.). betrauen Vb. ‘jmdm. die Ausführung und Angelegenheit vertrauensvoll übertragen’ (17. Jh.), älter ‘vertrauen’, auch ‘sich verloben, heiraten’ (16. Jh.). vertrauen Vb. ‘sich worauf verlassen, fest glauben’, älter ‘anvertrauen’, ahd. firtrū(w)ēn (um 800), mhd. vertrūwen, vertriuwen ‘(ver)trauen, anvertrauen, versprechen, geloben, (sich) verloben oder vermählen, kirchlich trauen’; vertraut Part.adj. ‘beherzt, zuversichtlich, zuverlässig’ (16. Jh.), ‘eng befreundet, gut bekannt’ (17. Jh.); Vertrauen n. ‘fester Glaube an jmds. Zuverlässigkeit und Treue, Zuversicht’ (15. Jh.); vertraulich Adj. ‘nicht für die Allgemeinheit bestimmt, offenherzig, vertraut’ (16. Jh.). anvertrauen Vb. ‘vertrauensvoll übergeben, in Obhut geben, vertraulich, im geheimen mitteilen’, reflexiv ‘sich vertrauensvoll an jmdn. wenden’ (16. Jh.), zuerst im Sinne von ‘zutrauen, vertrauen’. zutrauen Vb. ‘von jmdm. glauben, daß er die Fähigkeiten, Eigenschaften für etw. besitzt’ (16. Jh.), früher auch ‘anvertrauen’; Zutrauen n. ‘Glaube an jmds. Fähigkeiten und Zuverlässigkeit’ (18. Jh.); zutraulich Adj. ‘voller Zutrauen, vertrauend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) auftragen · (jemanden) betrauen (mit) · Auftrag erteilen · ↗beauftragen · ↗bestimmen · ↗designieren · in Auftrag geben · ins Stammbuch schreiben · ↗verdingen · ↗vorsehen · ↗zuweisen  ●  ↗mandatieren  veraltet

Typische Verbindungen zu ›betrauen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›betrauen‹.

Verwendungsbeispiele für ›betrauen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

International aufhorchen ließ erst die kürzliche Entscheidung, ihn mit der Planung des Olympischen Dorfes für New York zu betrauen.
Der Tagesspiegel, 22.03.2005
Was liegt also näher, als den Computer mit der Übersetzungsarbeit zu betrauen?
C't, 2000, Nr. 22
Die Schätzung der individuellen künstlerischen Leistung erlaubte es sogar, nicht-katholische Künstler mit Aufgaben der kirchlichen Kunst zu betrauen 75.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 17302
In Rußland ist längst die Tendenz deutlich, den Wissenschaftler auch mit politischen Ämtern zu betrauen.
Mann, Golo: Die europäische Moderne. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 9451
Wir wundern uns nicht, daß dieser Mann dem Generalstab angehört, wie leicht ist es, mit den höchsten militärischen Ämtern betraut zu werden.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 101
Zitationshilfe
„betrauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/betrauen>, abgerufen am 05.04.2020.

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