betreten

GrammatikVerb · betritt, betrat, hat betreten
Aussprache
Worttrennungbe-tre-ten
Wortbildung mit ›betreten‹ als Erstglied: ↗betretbar  ·  mit ›betreten‹ als Grundform: ↗betreten2
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
seinen Fuß auf, in etw. setzen
a)
auf etw. treten
Beispiele:
einen Weg, eine Straße betreten
fremden Boden betreten
nach langer Seereise betrat er endlich wieder festen Boden
der Schauspieler betrat die Bühne
das Betreten der Rasenfläche ist verboten!
du betrittst mir nicht mehr meine Schwelle! (= du kommst mir nicht mehr in mein Haus!)
b)
in etw. eintreten, in einen Raum, Ort hineingehen
Beispiele:
das Zimmer, den Raum betreten
er verbot mir, das Laboratorium zu betreten
er betrat das Haus durch den hinteren Eingang, den Hof durch das Tor
er betritt pünktlich sein Büro
wir betraten, aus südlicher Richtung kommend, die Stadt
2.
veraltet jmdn. ertappen
Beispiele:
er wurde bei einer strafbaren Handlung betreten
daß wir unsre Margreth auf einer Lüge niemals noch betreten haben [Storm5,53]
wenn ich mich betreten ließe, so ging mir's um den Hals [H. KurzSonnenwirt474]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treten · abtreten · Abtreter · antreten · Antritt · auftreten · Auftritt · austreten · Austritt · betreten · betreten · übertreten · Übertritt · vertreten · Vertreter · vortreten · Vortritt · Zutritt
treten Vb. ‘seinen Fuß worauf oder wohin setzen, mit dem Fuß stoßen’, ahd. tretan (um 800), mhd. treten, mnd. mnl. trēden, nl. treden, afries. treda, aengl. tredan, engl. to tread ‘treten’ (germ. *tredan) stehen als Ablautneubildungen (oder mit Ablautentgleisung?) neben anord. troða, got. trudan (germ. *trudan). Dazu stellt sich ein Kausativum ahd. tretten ‘zertreten’ (11. Jh.), mhd. tret(t)en ‘fest auftreten, (zer)stampfen, niedertreten’, mnd. tredden, aengl. treddan ‘niedertreten, stampfen, nachspüren’, anord. treðja ‘niedertreten’; vgl. ferner (mit Intensivgemination) ahd. trettōn ‘mit Füßen treten, niedertreten’ (um 1000), aengl. treddian ‘schreiten, gehen’ sowie ahd. trotōn ‘keltern, pressen’, eigentlich ‘treten’ (um 1000; vgl. ahd. trota ‘Kelter’). Vielleicht ist auszugehen von einer Partizipialbildung ie. *druto- zu ie. *dreu-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *der(ə)- ‘laufen, treten, trippeln’ (s. ↗Treppe, ↗trampeln, ↗zittern). abtreten Vb. ‘sich von einem Ort entfernen, seinen Wirkungskreis verlassen, den Schmutz von den Schuhen entfernen, mit dem Fuße losstoßen’, mhd. abetreten; dazu Abtreter m. ‘Matte oder Rost zum Entfernen des Schmutzes von den Schuhen’ (19. Jh.). antreten Vb. ‘sich zu einem bestimmten Zweck irgendwo einfinden, sich in bestimmter Ordnung aufstellen, durch Treten in Gang bringen, festtreten (Erde)’, mhd. anetreten ‘unternehmen, anfangen, berühren’; Antritt m. ‘das Antreten, Beginn’, mhd. anetritt ‘Angriff, Stufe, Eingang’. auftreten Vb. ‘den Fuß aufsetzen, durch einen Tritt gewaltsam öffnen, sich öffentlich zeigen, auf der Bühne erscheinen’, mhd. ūftreten, auch ‘sich erheben’; Auftritt m. ‘das Auftreten des Schauspielers auf der Bühne, Szene eines Schauspiels, heftige Auseinandersetzung’, mhd. ūftrit ‘Höhe’; im Sinne von ‘Szene’ seit dem 18. Jh. austreten Vb. ‘aus einer Gemeinschaft ausscheiden, sich absondern (von Gasen, Flüssigkeiten), Glimmendes, Brennendes durch Treten ersticken, durch häufiges Treten abnutzen’, verhüllend (seit 19. Jh.) ‘seine Notdurft verrichten’ (eigentlich ‘aus dem Zimmer gehen’), mhd. ūʒtreten ‘aus-, heraus-, hervortreten, aus-, abweichen’; dazu Austritt m. mhd. ūʒtrit. betreten Vb. ‘seinen Fuß auf etw. setzen, hineingehen’, ahd. bitretan ‘zertreten, zerquetschen’ (9. Jh.), mhd. betreten ‘zu etw. kommen, antreffen, erreichen, überraschen, überfallen, ergreifen’; betreten Part.adj. ‘peinlich überrascht, berührt, verlegen’ (16. Jh.), eigentlich ‘ertappt und deshalb verlegen’. übertreten Vb. ‘(den Fuß) durch falsches Auftreten verstauchen, ein Gebot verletzen, über die Ufer treten’, mhd. übertreten ‘niedertreten, überwinden, über etw. treten, besteigen, übertreffen’, reflexiv ‘über die Schranken der Sitte treten, sich vergehen’; Übertritt m. ‘das Übertreten, Wechsel zu einer anderen Gemeinschaft’, mhd. übertrit ‘Übertretung, Vergehen, Abfall, Überwältigung’. vertreten Vb. ‘vorübergehend jmds. Stelle einnehmen, jmds. Interessen, Rechte wahrnehmen, für etw. eintreten’, reflexiv ‘sich (durch Fehltreten) den Fuß verstauchen, steif gewordene Beine durch Umhergehen wieder beweglich machen’, ahd. firtretan ‘zertreten, entgegentreten’ (8. Jh.), mhd. vertreten ‘dahingehen, wegstoßen, verschmähen, verleugnen, verhindern, zertreten, an jmds. Stelle treten, haften’, reflexiv ‘fehltreten’; Vertreter m. ‘Beauftragter, Repräsentant, Verfechter, Anhänger’, spätmhd. vertreter ‘Schirmherr’. vortreten Vb. ‘nach vorn treten, herausragen’, mhd. vortreten; Vortritt m. ‘(aus Höflichkeit gewährtes) Recht zum Vorausgehen’ (15. Jh.). Zutritt m. ‘das Eintreten, Zugang’, mhd. zuotrit ‘Anfang, Angriff’.

Thesaurus

Synonymgruppe
betreten · ↗eintreten · ↗hineingehen  ●  reingehen  ugs., regional · ↗reinkommen  ugs. · reinmarschieren  ugs., regional, salopp · reinstiefeln  ugs., regional, salopp
Assoziationen
Synonymgruppe
betreten · ↗genierlich · in Verlegenheit · peinlich berührt · ↗verschämt  ●  ↗gschamig  süddt. · ↗verlegen  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
betreten · ↗betroffen · ↗verlegen  ●  ↗bedröppelt  ugs., ruhrdt. · sparsam gucken  ugs.
Assoziationen
  • (gefühlsmäßig) bewegt · aufgewühlt · innerlich bewegt  ●  (von etwas) angefasst  geh.
  • (sich) fehl am Platz fühlen · (sich) fremd fühlen · (sich) nicht zugehörig fühlen · dumm dastehen · verloren herumstehen  ●  (rumhängen) wie ein Schluck Wasser in der Kurve  ugs. · blöd aus der Wäsche gucken  ugs. · blöd dastehen  ugs. · dastehen wie Pik Sieben  ugs. · dastehen wie bestellt und nicht abgeholt  ugs. · dumm aus der Wäsche gucken  ugs. · herumlaufen wie Falschgeld  ugs. · herumlaufen wie falsch Geld  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gesicht Miene Mine Pause Pfad Schweigen Stille Stimmung Terrain anschauen ansehen blicken dasitzen dreinblickend dreinschauen eher gucken herumstehen kaum meist nicken nie schauen schweigen selten stumm verbieten wenig ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›betreten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein zweites Paar betritt den Raum, ähnlich gekleidet, die Frau jedoch dunkelhaarig.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 66
Diese Kunst lässt sich nicht begreifen, doch lässt sie sich betreten.
Die Zeit, 20.01.2003, Nr. 03
Natürlich hat sie ihm ausdrücklich verboten, den Laden zu betreten.
Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 169
Wir betreten zur Probe den Saal, alles scheint in Ordnung.
Der Tagesspiegel, 16.11.2002
Noch nie hatte jemand das geheimnisvolle Reich des Professors betreten dürfen.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 152
Zitationshilfe
„betreten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/betreten#1>, abgerufen am 25.03.2019.

Weitere Informationen …

betreten

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-tre-ten
Grundformbetreten1
Wortbildung mit ›betreten‹ als Grundform: ↗Betretenheit
eWDG, 1967

Bedeutung

peinlich berührt, verlegen
entsprechend der Bedeutung von betreten1 (Lesart 2)
Beispiele:
es herrschte betretenes Schweigen, betretene Stille, als die betreffende Person eintrat
alle machten betretene Gesichter
alle Anwesenden schauten betreten drein, blickten betreten vor sich hin
er schien betreten, blieb betreten stehen, wandte sich betreten ab
über seine Rede, seine Bemerkungen waren alle höchst betreten
bei diesem Anblick schwieg er betreten, sah er betreten zur Seite
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treten · abtreten · Abtreter · antreten · Antritt · auftreten · Auftritt · austreten · Austritt · betreten · betreten · übertreten · Übertritt · vertreten · Vertreter · vortreten · Vortritt · Zutritt
treten Vb. ‘seinen Fuß worauf oder wohin setzen, mit dem Fuß stoßen’, ahd. tretan (um 800), mhd. treten, mnd. mnl. trēden, nl. treden, afries. treda, aengl. tredan, engl. to tread ‘treten’ (germ. *tredan) stehen als Ablautneubildungen (oder mit Ablautentgleisung?) neben anord. troða, got. trudan (germ. *trudan). Dazu stellt sich ein Kausativum ahd. tretten ‘zertreten’ (11. Jh.), mhd. tret(t)en ‘fest auftreten, (zer)stampfen, niedertreten’, mnd. tredden, aengl. treddan ‘niedertreten, stampfen, nachspüren’, anord. treðja ‘niedertreten’; vgl. ferner (mit Intensivgemination) ahd. trettōn ‘mit Füßen treten, niedertreten’ (um 1000), aengl. treddian ‘schreiten, gehen’ sowie ahd. trotōn ‘keltern, pressen’, eigentlich ‘treten’ (um 1000; vgl. ahd. trota ‘Kelter’). Vielleicht ist auszugehen von einer Partizipialbildung ie. *druto- zu ie. *dreu-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *der(ə)- ‘laufen, treten, trippeln’ (s. ↗Treppe, ↗trampeln, ↗zittern). abtreten Vb. ‘sich von einem Ort entfernen, seinen Wirkungskreis verlassen, den Schmutz von den Schuhen entfernen, mit dem Fuße losstoßen’, mhd. abetreten; dazu Abtreter m. ‘Matte oder Rost zum Entfernen des Schmutzes von den Schuhen’ (19. Jh.). antreten Vb. ‘sich zu einem bestimmten Zweck irgendwo einfinden, sich in bestimmter Ordnung aufstellen, durch Treten in Gang bringen, festtreten (Erde)’, mhd. anetreten ‘unternehmen, anfangen, berühren’; Antritt m. ‘das Antreten, Beginn’, mhd. anetritt ‘Angriff, Stufe, Eingang’. auftreten Vb. ‘den Fuß aufsetzen, durch einen Tritt gewaltsam öffnen, sich öffentlich zeigen, auf der Bühne erscheinen’, mhd. ūftreten, auch ‘sich erheben’; Auftritt m. ‘das Auftreten des Schauspielers auf der Bühne, Szene eines Schauspiels, heftige Auseinandersetzung’, mhd. ūftrit ‘Höhe’; im Sinne von ‘Szene’ seit dem 18. Jh. austreten Vb. ‘aus einer Gemeinschaft ausscheiden, sich absondern (von Gasen, Flüssigkeiten), Glimmendes, Brennendes durch Treten ersticken, durch häufiges Treten abnutzen’, verhüllend (seit 19. Jh.) ‘seine Notdurft verrichten’ (eigentlich ‘aus dem Zimmer gehen’), mhd. ūʒtreten ‘aus-, heraus-, hervortreten, aus-, abweichen’; dazu Austritt m. mhd. ūʒtrit. betreten Vb. ‘seinen Fuß auf etw. setzen, hineingehen’, ahd. bitretan ‘zertreten, zerquetschen’ (9. Jh.), mhd. betreten ‘zu etw. kommen, antreffen, erreichen, überraschen, überfallen, ergreifen’; betreten Part.adj. ‘peinlich überrascht, berührt, verlegen’ (16. Jh.), eigentlich ‘ertappt und deshalb verlegen’. übertreten Vb. ‘(den Fuß) durch falsches Auftreten verstauchen, ein Gebot verletzen, über die Ufer treten’, mhd. übertreten ‘niedertreten, überwinden, über etw. treten, besteigen, übertreffen’, reflexiv ‘über die Schranken der Sitte treten, sich vergehen’; Übertritt m. ‘das Übertreten, Wechsel zu einer anderen Gemeinschaft’, mhd. übertrit ‘Übertretung, Vergehen, Abfall, Überwältigung’. vertreten Vb. ‘vorübergehend jmds. Stelle einnehmen, jmds. Interessen, Rechte wahrnehmen, für etw. eintreten’, reflexiv ‘sich (durch Fehltreten) den Fuß verstauchen, steif gewordene Beine durch Umhergehen wieder beweglich machen’, ahd. firtretan ‘zertreten, entgegentreten’ (8. Jh.), mhd. vertreten ‘dahingehen, wegstoßen, verschmähen, verleugnen, verhindern, zertreten, an jmds. Stelle treten, haften’, reflexiv ‘fehltreten’; Vertreter m. ‘Beauftragter, Repräsentant, Verfechter, Anhänger’, spätmhd. vertreter ‘Schirmherr’. vortreten Vb. ‘nach vorn treten, herausragen’, mhd. vortreten; Vortritt m. ‘(aus Höflichkeit gewährtes) Recht zum Vorausgehen’ (15. Jh.). Zutritt m. ‘das Eintreten, Zugang’, mhd. zuotrit ‘Anfang, Angriff’.

Thesaurus

Synonymgruppe
betreten · ↗eintreten · ↗hineingehen  ●  reingehen  ugs., regional · ↗reinkommen  ugs. · reinmarschieren  ugs., regional, salopp · reinstiefeln  ugs., regional, salopp
Assoziationen
Synonymgruppe
betreten · ↗genierlich · in Verlegenheit · peinlich berührt · ↗verschämt  ●  ↗gschamig  süddt. · ↗verlegen  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
betreten · ↗betroffen · ↗verlegen  ●  ↗bedröppelt  ugs., ruhrdt. · sparsam gucken  ugs.
Assoziationen
  • (gefühlsmäßig) bewegt · aufgewühlt · innerlich bewegt  ●  (von etwas) angefasst  geh.
  • (sich) fehl am Platz fühlen · (sich) fremd fühlen · (sich) nicht zugehörig fühlen · dumm dastehen · verloren herumstehen  ●  (rumhängen) wie ein Schluck Wasser in der Kurve  ugs. · blöd aus der Wäsche gucken  ugs. · blöd dastehen  ugs. · dastehen wie Pik Sieben  ugs. · dastehen wie bestellt und nicht abgeholt  ugs. · dumm aus der Wäsche gucken  ugs. · herumlaufen wie Falschgeld  ugs. · herumlaufen wie falsch Geld  ugs.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als einer von den Städtern zur Diskussion aufforderte, schwieg man betreten.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 347
Die jungen Leute, die Statisten des Abends, welche die ganze Zeit lang geschwiegen hatten, schwiegen auch jetzt, mit betretenen Gesichtern.
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 168
Die Männer sausten nicht hin und her wie sonst, sie standen im Karree, stumm und betreten.
Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 184
Die meisten Leute am Tisch, erinnerte sich Diehl, blickten betreten ins Feuer oder in ihr Bierglas.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 124
Ich höre betretenes Schweigen.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 423
Zitationshilfe
„betreten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/betreten#2>, abgerufen am 25.03.2019.

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