Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

betreuen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-treu-en
Grundformtreu
Wortbildung  mit ›betreuen‹ als Erstglied: Betreuer · Betreuung
eWDG

Bedeutung

jmdn., etw. in seine Obhut nehmen, für jmdn., etw. sorgen
Beispiele:
Ferienkinder im Lager, Säuglinge in der Kinderkrippe betreuen
Alte und Gebrechliche werden in diesem neuen Feierabendheim liebevoll betreut
die Fluggäste wurden von der Stewardess, die Touristen von ihrem Reiseleiter vorbildlich betreut
er betreute in Abwesenheit seines Freundes das Geschäft, die Praxis, alle Angelegenheiten
ein reizendes Gasthaus, von einer üppigen Wirtin aufs beste betreut [ BindingMoselfahrt27]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treu · Treue · traun · Treubruch · treubrüchig · Treuhänder · treulich · treulos · Treulosigkeit · betreuen · Betreuung
treu Adj. ‘unveränderlich fest (in der Gesinnung), anhänglich, zuverlässig’. Der ja/jō-Stamm ahd. (8. Jh.), asächs. triuwi, mhd. triuwe ‘treu, getreu, wohlmeinend’, mnd. trūwe, mnl. trūwe, trouwe, nl. trouw, aengl. trīewe, trēowe, engl. true (‘wahr, richtig, echt’) hat neben sich den a/ō-Stamm anord. tryggr ‘treu, vertrauensvoll’, schwed. trygg ‘sicher, geborgen’, got. triggws ‘treu, zuverlässig’. Das Adjektiv gehört zusammen mit den unter Treue (s. unten), trauen und Trost (s. d.) genannten Formen zu dem unter Teer (s. d.) dargestellten Ansatz ie. *deru-, *dreu-, *drū- ‘Baum’, eigentlich wohl ‘Eiche’, und ‘baumstark, hart, fest, treu’ (s. auch Trog und Truhe). Treue f. ‘unverändert feste Verbundenheit, beständige Anhänglichkeit, Zuverlässigkeit’, ahd. triuwa ‘Treue, Zuverlässigkeit, Vertrag, Bündnis’ (8. Jh.), mhd. triuwe, triwe, triu ‘Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit, Treue, Versprechen, Gelübde’, asächs. treuwa ‘Treue, Frieden, Bund’, mnd. trūwe, trouwe ‘Treue, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Eheversprechen, Verlobung’, mnl. trouwe, trūwe, nl. trouw ‘Treue, Heirat, Trauung’, aengl. trēow ‘Treue, Wahrheit, Glaube, Versprechen’, got. triggwa ‘Bund, Bündnis’ (germ. *trewwō), ablautend aengl. trūwa ‘Treue, Glaube, Vertrauen’, anord. trū ‘Treue, Gelöbnis, Glaube, Religion’, schwed. tro ‘Glaube, Treue’. Aus der ursprünglichen Bedeutung ‘gegenseitige feste Abmachung, Bündnis’ entwickelt sich ‘das Einhalten eines Vertrages’; in mhd. Zeit wird Treue zu einem Tugendbegriff der ritterlich-höfischen Ethik. In nhd. Zeit überwiegt der Sinn des Steten, Festen, Dauernden. Die feste präpositionale Wendung (Dativ Plur.) mhd. in triuwen ‘in Wahrheit’, verschmolzen zu einem Wort mhd. entriuwen, mnd. entrūwen, entwickelt sich unter Schwund der unbetonten Präposition zu mhd. triuwen, trouwen, (md.) trūwen, mnl. trouwen, nhd. traun Interjektion ‘fürwahr!, wahrhaftig!, ganz gewiß!’; doch bereits Adelung vermerkt: „in den gemeinen Sprecharten veraltet“. Treubruch m. ‘Verrat’ (um 1700), zuvor bereits treubrüchig Adj. ‘die Treue, den Treueid brechend’, spätmhd. triuwebrüchic ‘wortbrüchig, meineidig’. Treuhänder m. ‘wem etw. zu treuen Händen übergeben worden ist, Verwalter fremden Eigentums’, mhd. triuwehander, -hender, Rechtsausdruck nach Fügungen wie mhd. die triuwen hende, ze triuwer hant, ze triuwen handen. treulich Adj. ‘mit Treue, zuverlässig’, mhd. triuwelich. treulos Adj. ‘ohne Treue, nicht treu, verräterisch’, mhd. triuwelōs. Die ursprünglich rechtliche Bedeutung ‘vertragsbrüchig gegenüber einem Bündnis, gegenüber Abmachungen’ wird in mhd. Zeit zu ‘verräterisch, bertrügerisch’ erweitert, später auch ‘unzuverlässig’ (16. Jh.), ‘lügnerisch’ (18. Jh.), ‘(vom Gedächtnis) unbeständig, ungenau’ (19. Jh.); Treulosigkeit f. ‘treuloses Verhalten, Treubruch’ (Mitte 16. Jh.). betreuen Vb. ‘in Obhut nehmen, pflegen, für jmdn., etw. sorgen’, mhd. betriuwen ‘in Treue erhalten, schützen’. Betreuung f. ‘Zuwendung, Pflege, Bearbeitung’ (17. Jh.), zuvor ‘Zusicherung, Übereignung’ (Ende 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
beaufsichtigen · betreuen  ●  befürsorgen  österr. · bemuttern  ugs. · kuratieren  geh.
Synonymgruppe
betreuen · pflegen
Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›betreuen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›betreuen‹.

Verwendungsbeispiele für ›betreuen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zahlreiche Organisationen betreuen lokale Musikfeste in allen Teilen des Landes. [Schaal, Richard: Feste und Festspiele. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 12570]
Klinisch betreuen wir pro Jahr etwa 60 bis 70 tuberkulosekranke Kinder. [konkret, 1986]
Dafür gibt es doch wohl die Ärzte, die dazu da sind, einen zu betreuen. [o. A.: "AUCH NOT UND SORGE MITEINANDER TEILEN". In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1985]]
Wir hatten dort an die 700 schwerst unterernährte Kinder zu betreuen. [Der Spiegel, 26.01.1981]
Als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich überzeugt, dass ich es keine drei Tage aushalten würde, ihn zu betreuen. [Die Zeit, 21.01.2013, Nr. 03]
Zitationshilfe
„betreuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/betreuen>.

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