bevormunden

GrammatikVerb · bevormundet, bevormundete, hat bevormundet
Aussprache
Worttrennungbe-vor-mun-den (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn., ein Land unberechtigt an der freien Entscheidung hindern
Beispiele:
jmdn. bevormunden und gängeln
ich lasse mich nicht von Ihnen bevormunden
ein Volk geistig bevormunden
das Land wurde von anderen Staaten bevormundet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund2 · mündig · entmündigen · Mündel · Vormund · Vormundschaft · bevormunden
Mund2 f. ‘Herrschafts- und Schutzgewalt über Personen und Sachen, Vormundschaft’, ahd. munt f. ‘Hand, Schutz’ (um 800), mhd. munt m. f. ‘Hand, Schutz, Bevormundung, Erlaubnis’, asächs. mund f. ‘Hand’, aengl. mund ‘Hand, Schutz, Vormund(schaft)’, anord. mund f. ‘Hand’ (germ. *mundō f.), anord. mundr m. ‘Brautgeschenk, Mitgift’ (germ. *munda- m.). Verwandt sind außergerm. lat. manus f. ‘Hand’ (wozu lat. mandāre ‘übergeben, anvertrauen, überlassen’), mir. montar, muinter ‘rechtmäßige Gattin’, griech. márē (μάρη) f. ‘Hand’, die als Reste eines alten r/n-Stammes ie. *mər (Genitiv *mənés) ‘schützend über jmdn. gehaltene Hand’ voraussetzen. Einer schwundstufigen Erweiterung ie. *mṇt- folgen die oben genannten germ. Formen. mündig Adj. ‘volljährig, erwachsen, zu Rechtshandlungen berechtigt’, mhd. mündec, (md.) mundic, eigentlich ‘fähig, sich selbst zu schützen und rechtlich zu vertreten’. entmündigen Vb. ‘für unmündig erklären, unter Vormundschaft stellen’ (19. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet Mündel n. m. f. ‘minderjährige oder entmündigte Person’, die gesetzlich der Sorge eines Vormunds unterstellt ist, spätmhd. (md.) mundelin, frühnhd. mundelein (15. Jh.), mnd. mündel, afries. mondele. Im 16. Jh. gilt Mündlin, Mündlein und Mündel; letzteres wird im 18. Jh. geläufig. Älter, aber nur bis ins 18. Jh. bezeugt, ist Mündlin m. ‘wer unter der Gewalt eines anderen steht, Schützling’, mhd. mundelinc. Vgl. (in Urkunden des 10./11. Jhs.) mlat. jamundilingus, das wohl als ein latinisiertes ahd. *(gi)mundiling angesehen werden kann. Vormund m. ‘Vertreter eines Minderjährigen, eines Entmündigten’, ahd. foramunto ‘Rechtsbeistand, Rechtsvertreter’ (10. Jh.), mhd. vormunde, vormünde, vormunt, vürmunt, mnd. vȫrmünde, vȫrmunt, mnl. vōremonde, zusammengesetzt mit ↗vor (s. d.). Die Bedeutungsentwicklung geht aus von ‘(schützend über jmdn. gehaltene) Hand’ zu ‘wer Schutzpflicht und Rechtsvertretung gegenüber einzelnen oder mehreren ausübt’ sowie ‘Rechtsvertreter von Ehefrau, Kindern’, dann ‘Rechtsvertreter und Vermögensverwalter von Minderjährigen und Entmündigten’ (seit 15. Jh.). Im 18. Jh. auch Fürmund, dem damaligen Sprachempfinden folgend an ↗für (s. d.) angeschlossen. Vormundschaft f. ‘amtlich verfügte Wahrnehmung der gesetzlichen Vertretung eines Minderjährigen, Entmündigten’, ahd. foramuntscaf ‘Verteidigung, Rechtsvertretung’ (10. Jh.), mhd. vormuntschaft. bevormunden Vb. ‘nicht selbständig entscheiden lassen, gängeln’ (16. Jh.), für älteres mhd. vormunden ‘beschirmen, schützen, bevormunden, Vormund sein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
am Gängelband führen · am Gängelband halten · bevormunden · ↗gängeln  ●  ↗infantilisieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
bevormunden · ↗entmündigen · unter Betreuung stellen

Typische Verbindungen zu ›bevormunden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bevormunden‹.

Verwendungsbeispiele für ›bevormunden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um die zögerlichen Verlage dazu zu überreden, endlich ausreichend elektronische Bücher bereitzustellen, bevormundet man die Leser.
C't, 2000, Nr. 23
Apparate drosseln das Tempo; Berater bevormunden; Stäbe mag er nicht.
Die Zeit, 12.02.1979, Nr. 07
Wenn man drei Jahre alt ist, will man schließlich nicht mehr bevormundet sein wie ein kleines Kind.
Ernst, Otto: Appelschnut, Rostock: Hirnstoff 1989 [1907], S. 20
Auch wir können es uns schon längst nicht mehr leisten, die Physiker zu bevormunden.
Dürrenmatt, Friedrich: Die Physiker, Zürich: Arche 1962, S. 52
Der Staat hat bloß Recht und Frieden zu wahren, nicht aber das Gewissen zu bevormunden.
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 14247
Zitationshilfe
„bevormunden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bevormunden>, abgerufen am 02.04.2020.

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