Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

bewähren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-wäh-ren
Wortbildung  mit ›bewähren‹ als Grundform: bewährt  ·  formal verwandt mit: altbewährt · wohl bewährt · wohlbewährt

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨sich bewähren⟩ sich als fähig, geeignet, zuverlässig erweisen
    1. oft im Partizip II
  2. 2. [veraltet] etw. beweisen, zeigen
eWDG

Bedeutungen

1.
sich bewährensich als fähig, geeignet, zuverlässig erweisen
Beispiele:
sich als Lehrer, Wissenschaftler, als Einkäufer, Reiseleiter bewähren
der Kollege hat sich in dieser Funktion, auf diesem Posten gut bewährt
der Sportler hatte sich in dieser Disziplin mehrfach bewährt
diese Einrichtung, dieses Modell hat sich bestens bewährt
die Änderungen bewährten sich in der Praxis nicht
bei der Lösung solcher Aufgaben hat sich diese Methode gut bewährt
unsere Freundschaft hat sich stets bewährt
Dieser bisherige Herr Haller … bewährte sich nirgends [ HesseSteppenw.4,320]
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
ein bewährter Fachmann, Kenner
zu einem bewährten Arzt gehen
ein alter bewährter Mitarbeiter wird ausgezeichnet
sich um Rat an einen bewährten Freund wenden
ein bewährtes Mittel, Rezept anwenden
der Wagen, die Maschine ist eine bereits vielfach bewährte Konstruktion
unter der bewährten Leitung des bekannten Dirigenten
2.
veraltet etw. beweisen, zeigen
Beispiele:
Der Minnetrank hat seine Zauberkraft bewährt [ Storm1,50]
Er dürstet danach, Humanität bewähren zu dürfen [ SchweitzerAus meinem Leben156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewähren Vb. reflexiv ‘sich als fähig, geeignet, zuverlässig erweisen, eine Probe bestehen’, ahd. biwār(r)en, mhd. bewæren, eine Ableitung von wahr (s. d.), daher eigentlich ‘sich als wahr erweisen’.

wahren · bewahren · verwahren · Wahrzeichen
wahren Vb. ‘in acht nehmen, hüten, schützen, (einen Zustand) aufrechterhalten’, ahd. warōn (9. Jh.), mhd. war(e)n ‘aufmerken, achten, beachten’, asächs. waron ‘achthaben, beachten, behüten’, mnd. mnl. wāren, aengl. warian, auch ‘warnen’, anord. vara ‘warnen, wahren, gedenken’, norw. vare ‘aufbewahren, aufheben’ ist im Sinne von ‘unter seine Aufmerksamkeit, Obhut nehmen’ von einem in ahd. wara (in wara neman, 10. Jh., wara tuon, um 1000), mhd. war(e) f. ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit, Obhut’, asächs. wara ‘Schutz, Aufmerksamkeit’, mnd. wāre, wār, mnl. wāre, aengl. waru, anord. vari belegten Substantiv (germ. *warō f.) abgeleitet. Dieses ist mit den unter gewahr (s. d.) angeführten Formen verwandt, außergerm. mit griech. horā́n (ὁρᾶν, aus *ϝορᾶ-) ‘schauen, aufmerksam sein, betrachten, sehen’, (dehnstufig) ṓra (ὤρα, aus *ϝώρα) ‘Hut, Sorge’, lat. verērī ‘ängstlich beobachten, verehren, fürchten’, air. cō(a)ir ‘passend, richtig’. Zugrunde liegt eine Wurzel ie. *u̯er(e)- ‘achten, gewahren’ (s. auch wahr). Das oben genannte Substantiv ist in die Zusammensetzungen wahrnehmen und verwahrlosen (s. d.) eingegangen. Das Simplex verstärkend bewahren Vb. ‘in Obhut nehmen, erhalten, schützen, behüten’, ahd. biwarōn, mhd. bewarn; verwahren Vb. ‘für etw. sorgen, etw. sichern, behüten, in Bewachung, in Obhut nehmen’, frühnhd. verwaren (15. Jh.). Wahrzeichen n. ‘Merkmal, Kennzeichen’, mhd. warzeichen, gebildet zu ahd. wara f., mhd. war(e) ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit’ (s. oben), also ‘Zeichen, das Aufmerksamkeit erregt oder verlangt’. Voraus geht ahd. wortzeihhan ‘(An)zeichen, Beweis’ (um 1000), asächs. wordtēkan, mhd. wortzeichen ‘Zeichen, das ein Wort vertritt oder in Worten gegeben wird, Kennzeichen, Merkmal, Parole’, eigentlich ‘in Stäbchen geritztes Runenzeichen, Buchstabe’, dann auch ‘Merkmal’. Wahrzeichen wird vielleicht über Epiker wie Heinrich v. Veldeke oder Eilhart v. Oberge aus dem Nd. ins Hd. aufgenommen, vgl. mnd. wārtēken (woraus möglicherweise anord. jarteikn ‘Wahrzeichen, Wunder’).

Typische Verbindungen zu ›bewähren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bewähren‹.

Verwendungsbeispiele für ›bewähren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den letzten Jahren hat sich die Gruppe als Instrument zur Überwindung der unterschiedlichsten persönlichen Probleme bewährt. [Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 271]
Diese Hilfe des Lehrers bewährt sich immer wieder in der Praxis. [Borrmann, Günter u. Mügge, Hans: Gerätturnen in der Schule, Berlin: Volk u. Wissen 1957, S. 19]
Trotz des schweren Handicaps hat er sich immer wieder bewährt. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 68]
Sie hätte sich in den historischen Wissenschaften ebenso zu bewähren wie in der Philosophie. [Werckmeister, Otto Karl: Von der Ästhetik zur Ideologiekritik. In: ders., Ende der Ästhetik, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1971 [1970], S. 55]
Nun müssen Sie sich vier Jahre lang erst einmal bewähren. [Der Spiegel, 31.07.1989]
Zitationshilfe
„bewähren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bew%C3%A4hren>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
bewusstseinsmäßig
bewusstseinserweiternd
bewusstseinsbildend
bewusstmachen
bewusstlos
bewährt
bewältigen
bewässern
bewölken
bewölkt