bewältigen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung be-wäl-ti-gen
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. (nach großer Anstrengung) meistern, einer Sache Herr werden
Beispiele:
er hat die Arbeit spielend, nur mit Mühe bewältigen können
eine Aufgabe, ein Problem bewältigen (= lösen)
der Läufer bewältigte (= schaffte) die 5000 Meter in neuer Rekordzeit
bei diesem Thema muss das gesamte Quellenmaterial bewältigt (= verarbeitet) werden
umgangssprachlichdie Portion war so groß, dass ich sie nicht bewältigen (= aufessen) konnte
der Besucherandrang, Käuferandrang konnte kaum bewältigt werden (= die Besucher, Käufer konnten kaum alle abgefertigt werden)
sie hat das erschütternde Erlebnis, die große Enttäuschung innerlich noch nicht bewältigt (= überwunden)
Sie konnten die geplante Tagesstrecke nicht bewältigen [HesseNarziß5,274]
solch ungeheure Widersprüche ... werden nicht so leicht und völlig bewältigt [Varnhagen v. EnseTagebücher5,167]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter ↗walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) Herr werden · ↗bewerkstelligen · bewältigen · ↗meistern · ↗schaffen · zu Wege bringen · zustande bringen · zuwege bringen  ●  ↗(etwas) fertigbekommen  Hauptform · ins Lot bringen  fig. · ↗(einer Sache) beikommen  geh. · auf die Beine stellen  ugs., fig. · auf die Kette kriegen  ugs. · auf die Reihe bekommen  ugs. · auf die Reihe bringen  ugs. · auf die Reihe kriegen  ugs. · ↗fertig werden (mit)  ugs. · ↗fertigkriegen  ugs. · gebacken bekommen  ugs. · gebacken kriegen  ugs. · geregelt bekommen  ugs. · geregelt kriegen  ugs. · getan kriegen  ugs. · ↗hinbekommen  ugs. · ↗hinkriegen  ugs. · in den Griff bekommen  ugs. · ↗packen  ugs. · ↗rocken  ugs. · ↗schaukeln  ugs. · ↗schultern  ugs. · ↗stemmen  ugs. · ↗wuppen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bewältigen · fertigwerden mit · hinwegkommen über · ↗verkraften · ↗verschmerzen · ↗verwinden · ↗überwinden  ●  nicht verknusen können (regional, nur negativ)  ugs. · ↗wegstecken  ugs.
Unterbegriffe
  • gut fertig werden mit · locker wegstecken · schnell hinwegkommen über
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›bewältigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bewältigen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bewältigen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor diesem Problem stehen wir alle, und es läßt sich nur durch gegenseitige Zusammenarbeit bewältigen.
o. A.: DER WELT-AGRAR-MARKT. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1986]
Ob das alles nicht fast zuviel war und ohne große Strapazen bewältigt werden konnte, wußten wir nicht so genau.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 156
Doch auch das hat man in der für das Olympische Dorf typischen nachbarschaftlichen Atmosphäre bewältigt.
Süddeutsche Zeitung, 11.05.2001
Allein muss er die brenzlige Lage heute allerdings nicht bewältigen.
Der Tagesspiegel, 03.05.2000
Es bleibt folglich nichts anderes, als alles mit der Kraft der eigenen Hände zu bewältigen.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 278
Zitationshilfe
„bewältigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bew%C3%A4ltigen>, abgerufen am 06.08.2020.

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