bewahren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-wah-ren (computergeneriert)
Wortzerlegungbe-wahren
Wortbildung mit ›bewahren‹ als Erstglied: ↗Bewahranstalt · ↗Bewahrer · ↗Bewahrung · ↗bewahrsam
 ·  mit ›bewahren‹ als Letztglied: ↗aufbewahren
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. in seinem Innern verwahren, behalten
Beispiele:
ein Geheimnis (tief in seiner Brust) bewahren
er bewahrte den Ausspruch, das Zitat, die Lehre in seinem Gedächtnis
die Mutter bewahrt das Bild ihres verunglückten Sohnes in ihrem Herzen
Doch dem war kaum das Wort entfahren, / Möcht' er's im Busen gern bewahren [SchillerKraniche]
veraltend etw. aufbewahren
Beispiele:
Briefe in einem Kästchen, den Wein im Keller bewahren
In einer Truhe von Ebenholz bewahrte sie goldene Schaumünzen [G. KellerGr. Heinrich4,52]
2.
etw. auch weiterhin beibehalten, wahren
Beispiele:
(die) Haltung, Fassung, Ruhe bewahren
umgangssprachlichruhig Blut bewahren
ich muss mir für die Prüfung einen klaren Kopf bewahren
darüber muss Stillschweigen bewahrt werden
er bewahrt stets eine gleichgültige Miene, vornehme Zurückhaltung
jmdm. etw. bewahrenjmdm. etw. auch weiterhin entgegenbringen
Beispiele:
jmdm. die Treue, die alte Liebe, Freundschaft, Hochachtung bewahren
gehobenwir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren!
er bewahrt seinem Lehrer eine dankbare Erinnerung [Freytag7,132]
sich [Dativ] etw. bewahrensich etw. auch weiterhin erhalten
Beispiele:
sich seine Freiheit, Unabhängigkeit, sein Eigenleben bewahren
sich den Glauben, das Interesse an etw., die Vorliebe für etw. bewahren
er hatte sich bis ins hohe Alter seine Schaffenskraft, seinen Humor bewahrt
in allen Widrigkeiten des Lebens bewahrte sie sich ihr jugendliches Herz
sie hat sich ihre Tugend, er hat sich seine Ehre bewahrt
selten sich bewahrensein Wesen, seine Persönlichkeit wahren
Beispiele:
Sie haben sich bewahrt, trotz dieser Erlebnisse [L. Frank2,359]
Man kann sich nur bewahren, wenn man sich von allem zurückhält [SteinbergTag260]
3.
jmdn., etw. vor etw. bewahrenjmdn., etw. vor etw. beschützen, behüten
Beispiele:
jmdn. vor Schaden, Verlust bewahren
sein guter Stern bewahrte ihn vor dem Unglück
ein gütiges Geschick hat ihn vor dem Schlimmsten bewahrt
jmdn. vor Überraschungen, Enttäuschungen bewahren
die Jugendlichen vor schlechten Einflüssen, vor einer Versuchung bewahren
davor möge uns Gott, der Himmel bewahren!
eine seltene Tierart vor dem Aussterben bewahren
das Obst, die Kartoffeln vor Frost, vor dem Verderben bewahren
veraltet etw. bewahrenetw. hüten
Beispiel:
das Haus, einen Schatz gut bewahren
4.
salopp Gott bewahre!, i, ei bewahre!, bewahre!als verstärkte Verneinung   aber nein!, durchaus nicht!
Beispiele:
»Habt ihr euch etwa schon gezankt?« »Gott bewahre!« Frida schüttelte verneinend den Kopf [ViebigErde176]
Aber Doktor Überbein antwortete: »I, bewahre, Klaus Heinrich, keine Besorgnis!« [Th. MannKönigl. Hoheit7,176]
»Hat er Sie denn nicht gefordert – auf Leben und Tod?« »Bewahre [RaabeII 2,201]
als Verstärkung einer verneinenden Aussage
Beispiel:
Es gibt ganz ordentliche Ziehmütter ... Keine Engelmacherinnen, bewahre! [ViebigTägl. Brot281]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wahren · bewahren · verwahren · Wahrzeichen
wahren Vb. ‘in acht nehmen, hüten, schützen, (einen Zustand) aufrechterhalten’, ahd. warōn (9. Jh.), mhd. war(e)n ‘aufmerken, achten, beachten’, asächs. waron ‘achthaben, beachten, behüten’, mnd. mnl. wāren, aengl. warian, auch ‘warnen’, anord. vara ‘warnen, wahren, gedenken’, norw. vare ‘aufbewahren, aufheben’ ist im Sinne von ‘unter seine Aufmerksamkeit, Obhut nehmen’ von einem in ahd. wara (in wara neman, 10. Jh., wara tuon, um 1000), mhd. war(e) f. ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit, Obhut’, asächs. wara ‘Schutz, Aufmerksamkeit’, mnd. wāre, wār, mnl. wāre, aengl. waru, anord. vari belegten Substantiv (germ. *warō f.) abgeleitet. Dieses ist mit den unter ↗gewahr (s. d.) angeführten Formen verwandt, außergerm. mit griech. horā́n (ὁρᾶν, aus *ϝορᾶ-) ‘schauen, aufmerksam sein, betrachten, sehen’, (dehnstufig) ṓra (ὤρα, aus *ϝώρα) ‘Hut, Sorge’, lat. verērī ‘ängstlich beobachten, verehren, fürchten’, air. cō(a)ir ‘passend, richtig’. Zugrunde liegt eine Wurzel ie. *u̯er(e)- ‘achten, gewahren’ (s. auch ↗wahr). Das oben genannte Substantiv ist in die Zusammensetzungen ↗wahrnehmen und ↗verwahrlosen (s. d.) eingegangen. Das Simplex verstärkend bewahren Vb. ‘in Obhut nehmen, erhalten, schützen, behüten’, ahd. biwarōn, mhd. bewarn; verwahren Vb. ‘für etw. sorgen, etw. sichern, behüten, in Bewachung, in Obhut nehmen’, frühnhd. verwaren (15. Jh.). Wahrzeichen n. ‘Merkmal, Kennzeichen’, mhd. warzeichen, gebildet zu ahd. wara f., mhd. war(e) ‘Wahrnehmung, Beobachtung, Aufmerksamkeit’ (s. oben), also ‘Zeichen, das Aufmerksamkeit erregt oder verlangt’. Voraus geht ahd. wortzeihhan ‘(An)zeichen, Beweis’ (um 1000), asächs. wordtēkan, mhd. wortzeichen ‘Zeichen, das ein Wort vertritt oder in Worten gegeben wird, Kennzeichen, Merkmal, Parole’, eigentlich ‘in Stäbchen geritztes Runenzeichen, Buchstabe’, dann auch ‘Merkmal’. Wahrzeichen wird vielleicht über Epiker wie Heinrich v. Veldeke oder Eilhart v. Oberge aus dem Nd. ins Hd. aufgenommen, vgl. mnd. wārtēken (woraus möglicherweise anord. jarteikn ‘Wahrzeichen, Wunder’).

Thesaurus

Synonymgruppe
bewahren · ↗erhalten · ↗verewigen · wahren  ●  ↗eternisieren  geh., veraltet
Antonyme
  • bewahren
Synonymgruppe
Synonymgruppe
beständig machen · bewahren · ↗konservieren · ↗stabilisieren · ↗verfestigen · ↗verstetigen  ●  ↗festklopfen  fig. · ↗perpetuieren  geh. · ↗zementieren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aufbewahren · ↗aufheben · ↗behalten · bewahren · ↗erhalten · in Verwahrung nehmen · ↗konservieren · ↗lagern · ↗verwahren  ●  ↗asservieren  geh. · nicht wegschmeißen  ugs. · nicht wegwerfen  ugs.
Assoziationen
  • achten und bewahren · gut achtgeben auf · hüten wie seinen Augapfel · in Ehren halten · nicht weggeben
  • (für) Zeiten der Not  ●  (für) schlechte Zeiten  ugs.
  • Dörrbirne  ●  ↗Hutze  alemannisch · Hutzle  alemannisch · ↗Kletze  bair., österr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstieg Absturz Andenken Aussterben Blamage Charakter Eigenständigkeit Erbe Erinnerung Friede Gedächtnis Geheimnis Haltung Identität Kollaps Nerv Pleite Ruhe Schade Stillschweigen Tradition Unabhängigkeit Untergang Verfall Vergessen Würde Zerstörung Zusammenbruch aufbewahren davor

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bewahren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In diesen 20 Monaten habe er gelernt, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren.
Die Zeit, 21.08.2012, Nr. 32
In der Wirklichkeit ist er so gut wie ausgestorben, in Büchern kreuzt er selten auf, gottlob hat ihn das Kino bewahrt.
Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004
Weil er sich gehen läßt, muß ich einen kühlen Kopf bewahren.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 252
Während der heiligen Handlung am Grabe bewahren alle ein feierliches Schweigen.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 6654
Aber ohne eifriges unermüdliches Lesen lernt es keiner, bewahrt sich auch keiner die Fähigkeit des Verstehens.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 3234
Zitationshilfe
„bewahren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bewahren>, abgerufen am 17.11.2019.

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