bewegen

Grammatik Verb · bewegt, bewegte, hat bewegt
Aussprache 
Worttrennung be-we-gen
Wortbildung  mit ›bewegen‹ als Erstglied: Bewegung1 · beweglich  ·  mit ›bewegen‹ als Letztglied: dahinbewegen · durchbewegen · entgegenbewegen · fortbewegen · herabbewegen · heranbewegen · herumbewegen · hinaufbewegen · hinbewegen · hineinbewegen · hinunterbewegen · hinwegbewegen · umherbewegen · vorwärtsbewegen · wegbewegen · weiterbewegen · zubewegen · zurückbewegen
 ·  mit ›bewegen‹ als Binnenglied: herzbewegend · weltbewegend  ·  mit ›bewegen‹ als Grundform: bewegt
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. aus der Ruhelage bringen, den Ort, die Lage von etw. verändern
Beispiele:
der Verunglückte konnte den rechten Arm nicht mehr bewegen
sie bewegte die Lippen, ohne ein Wort zu sagen
ohne fremde Hilfe vermochte er die schwere Kiste, den Schrank nicht zu bewegen
ein leichter Wind bewegte die Fahnen, Blätter, die Oberfläche des Sees
sie blickten auf das bewegte (= unruhige) Meer hinaus
die stark bewegte See erschwerte die Rettung der Schiffbrüchigen
Pferde sollten möglichst jeden Tag bewegt (= eingespannt oder geritten) werden
beim Bau des Stausees mussten mehrere Millionen Kubikmeter Erde bewegt (= transportiert) werden
Die Mittagshitze bewegte die Luft, daß sie flimmerte [ AndresPortiuncula262]
Man muß in diesen neuen Tagebauen auf 1 t Kohle etwa 5 m³ Abraum bewegen [ Wissenschaft und Fortschritt1957]
sich bewegensich an einen anderen Ort, in eine andere Lage begeben
Beispiele:
der Kranke konnte sich vor Schmerzen kaum bewegen
vor mir im Gebüsch bewegte sich eine dunkle Gestalt
ein langer Zug von Demonstranten, Gefangenen bewegte sich durch die Stadt
sich auf und ab, hin und her bewegen
umgangssprachlichich muss mich noch ein bisschen bewegen (= muss noch etwas spazierengehen)
die Gardine, der Vorhang bewegte sich leicht im Morgenwind
der festgefahrene Wagen bewegte sich nicht von der Stelle
und sie [die Erde] bewegt sich doch! (= bekannter Ausspruch, den Galilei nach der erzwungenen Widerrufung seiner Lehre getan haben soll)
indem sie [die Konsulin] […] sich im Zimmer auf und nieder bewegte [ Th. MannBuddenbrooks1,183]
2.
übertragen sich bewegen
Beispiele:
seine Gedanken, Vorschläge, Pläne bewegten sich (= liefen) in ganz anderer Richtung
mit dieser Theorie bewegt sich (= wandelt) der Forscher auf recht unsicherem Boden
er bewegte sich bei seinen Ausführungen häufig in Extremen
der Preis, Wert des Geschenkes bewegt sich zwischen 10 und 15 Euro (= der Preis, Wert des Geschenkes liegt zwischen 10 und 15 Euro)
Ich bewege mich nicht in Illusionen [ FontaneI 2,114]
3.
sich in einer bestimmten Art verhalten, benehmen
Beispiele:
er bewegt sich ohne Zwang, mit großer Sicherheit, frei in der besten Gesellschaft
in diesen Kreisen kann ich mich völlig ungezwungen bewegen
er weiß sich auf dem Parkett nicht zu bewegen
weil das schlanke Mädchen aus der Stadt sich auf seinem Kahn noch nicht so recht zu bewegen verstand [ KlepperKahn248]
4.
etw. bewegt jmdn.etw. bringt jmdn. aus seiner ruhigen Gemütslage
a)
etw. rührt, ergreift jmdn.
Beispiele:
seine warmherzigen Worte bewegten sie sehr
die Nachricht von seinem Tode bewegte uns schmerzlich
die Gedenkrede des Schriftstellers hatte die Anwesenden tief bewegt
das Drama bewegte einige Zuschauer zu Tränen
der Jubilar dankte den Gratulanten mit bewegter Stimme, in bewegten Worten
bewegten Herzens nahmen sie voneinander Abschied
sichtlich bewegt empfing er die hohe Auszeichnung
sie lächelte, flüsterte, antwortete bewegt
Der Pfarrer hielt eine sehr bewegende Leichenpredigt [ O. M. GrafUnruhe13]
b)
etw. erregt jmdn.
Beispiele:
der Skandal hat tagelang die Gemüter bewegt
ein seltsames Gefühl bewegte ihn bei dem Gedanken, dass …
Freude, Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen bewegte sie
von Angst, Kummer, Sorge bewegt, konnte sie nicht schlafen
freudig bewegt eilte er dem Besuch entgegen
Leidenschaftlich bewegt lehnte sie sich in des Geliebten Arm [ ViebigErde169]
c)
etw. beschäftigt jmdn.
Beispiele:
dieser Gedanke, Plan, Wunsch bewegt mich schon seit geraumer Zeit
in der Versammlung wurden viele Fragen, die uns heute bewegen, eingehend besprochen
Zwanzig Jahre nach der Niederschrift des ›Baal‹ bewegte mich ein Stoff für eine Oper [ Brechtin: Hammer und Feder15]
gehoben etw. in seinem Innern bewegensich mit etw. innerlich beschäftigen
Beispiele:
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen [biblische Weihnachtsgeschichte]
daß er schon allerlei Ideen bei sich bewege [ Th. Mann12,282]
diesen Gedanken hat der Admiral lange Jahre in seinem Gemüte bewegt [ C. F. MeyerAmulett3,31]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewegen · Bewegung · beweglich
bewegen Vb. ‘die Lage verändern, veranlassen, beeindrucken’ zeigt in seinen Formen und in seiner Bedeutungsentwicklung Vermischung eines starken und eines schwachen Präfixverbs, die beide seit Beginn der Überlieferung ohne scharfe Trennung in schwankendem Gebrauch nebeneinander stehen. Das starke Verb ahd. biwegan ‘aus dem Zustand der Ruhe bringen, wägend prüfen, bewegen’ (um 800), mhd. bewegen ‘bewegen’, reflexiv ‘sich abwenden, verzichten, sich zu etw. entschließen’ gehört zu dem Simplex ahd. wegan ‘wiegen, wägen, einschätzen, bewegen’ (8. Jh.), mhd. wegen ‘in Bewegung setzen, (sich) bewegen, wägen, einschätzen, Gewicht, Zahl, Wert haben’, das sich mit verengter Bedeutung in nhd. wägen (s. d.) erhalten hat. Ihm entspricht asächs. wegan ‘wägen’, mnd. wēgen, mnl. wēghen, nl. wegen ‘wiegen, wägen, (ein)schätzen’, aengl. wegan ‘bewegen, bringen, wägen, messen’, engl. to weigh, anord. vega ‘schwingen, heben, wiegen’, got. gawigan ‘bewegen, schütteln’. Mit den außergerm. Verwandten aind. váhati ‘fährt, zieht’, lat. vehere, aslaw. vesti, russ. veztí (везти), lit. vèžti ‘fahren’ schließen sie sich an die Wurzel ie. *u̯eg̑h- ‘bewegen, ziehen, fahren’ an. Zum starken Verb bilden die germ. Sprachen ein schwaches Kausativum ahd. weggen (8. Jh.), mhd. wegen ‘bewegen, schwingen, schütteln’, aengl. wecgan ‘bewegen, treiben’, got. wagjan ‘schütteln, bewegen’, wozu das schwache Präfixverb ahd. biweggen ‘bewegen, erregen, sich rühren’ (Hs. 12. Jh.), mhd. bewegen ‘die Lage verändern, veranlassen’ gehört. Eine bedeutungsdifferenzierende Scheidung in ¹bewegen (mit starkem Prät. bewog) ‘veranlassen, zu etw. bestimmen’ und ²bewegen (mit schwachem Prät. bewegte) ‘die Lage verändern’ gilt erst in neuerer Zeit. Bewegung f. ‘Lage-, Ortsveränderung’, ahd. biwegunga (Hs. 12. Jh.), mhd. bewegunge, frühnhd. auch ‘Aufruhr’, dann für revolutionäre Vorgänge (Goethe in bezug auf die französische Revolution) und im 19. und 20. Jh. unter dem Einfluß von frz. mouvement für verschiedene politische Strömungen, zumal in Zusammensetzungen Freiheits-, Arbeiter-, Jugendbewegung. beweglich Adj. ‘bewegbar, behende, lebhaft’, mhd. bewegelich.

Typische Verbindungen zu ›bewegen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bewegen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bewegen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer etwas ausdrücken will, ist davon so bewegt, daß er sich treiben läßt, ohne darauf zu reflektieren. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 98]
Die vermittelnde sittliche Welt bewegt sich derart, daß jeder an ihr teilhat, aber doch in verschiedener Weise. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 194]
Aber die Praxis bewegte sich in den Bahnen hellenistischer Tradition. [Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 25]
Die Verantwortung für ein Kind würde mich sicher bewegen, mich mehr zu organisieren. [Der Spiegel, 29.03.1993]
Was hat Sie nun bewegt, als Sie diesen Hof verlassen mußten? [o. A.: Ein geflüchteter Bauer erzählt, 07.04.1960, S. 44]
Zitationshilfe
„bewegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bewegen#1>.

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bewegen

Grammatik Verb · bewegt, bewog, hat bewogen
Aussprache 
Worttrennung be-we-gen
Wortbildung  mit ›bewegen‹ als Erstglied: Beweggrund · Bewegung2
eWDG

Bedeutung

jmdn. zu etw. bewegenjmdn. (durch vorgebrachte Gründe) veranlassen, etw. zu tun
Beispiele:
jmdn. zur Umkehr, Rückkehr, zum Bleiben bewegen
wir konnten ihn nicht zur Teilnahme an der Veranstaltung, zum Eintritt in den Verein bewegen
er hatte ihn durch Bitten, Drängen, Drohungen zu diesem Entschluss, Schritt bewogen
der Angeklagte ließ sich durch nichts zum Sprechen, zu einer Aussage, einem Geständnis bewegen
das Kind war nicht dazu zu bewegen, die Arznei einzunehmen
was mag ihn wohl zu seiner plötzlichen Abreise bewogen haben?
sein Gesundheitszustand bewog ihn dazu, den Beruf zu wechseln
das Motiv, das ihn zu dieser Tat bewogen hatte, blieb ungeklärt
der Erfolg des Filmes bewog den Produzenten, einen zweiten Teil drehen zu lassen
die günstige Gelegenheit hatte den Gefangenen zur Flucht bewogen
er fühlte sich nicht bewogen, in dieser Angelegenheit etwas zu unternehmen
die bewegende (= treibende) Kraft, Macht
Es war die Unruhe seines Zustands, die Ulrich gegen Abend bewog, zu Walter … hinaus zu gehn [ MusilMann797]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewegen · Bewegung · beweglich
bewegen Vb. ‘die Lage verändern, veranlassen, beeindrucken’ zeigt in seinen Formen und in seiner Bedeutungsentwicklung Vermischung eines starken und eines schwachen Präfixverbs, die beide seit Beginn der Überlieferung ohne scharfe Trennung in schwankendem Gebrauch nebeneinander stehen. Das starke Verb ahd. biwegan ‘aus dem Zustand der Ruhe bringen, wägend prüfen, bewegen’ (um 800), mhd. bewegen ‘bewegen’, reflexiv ‘sich abwenden, verzichten, sich zu etw. entschließen’ gehört zu dem Simplex ahd. wegan ‘wiegen, wägen, einschätzen, bewegen’ (8. Jh.), mhd. wegen ‘in Bewegung setzen, (sich) bewegen, wägen, einschätzen, Gewicht, Zahl, Wert haben’, das sich mit verengter Bedeutung in nhd. wägen (s. d.) erhalten hat. Ihm entspricht asächs. wegan ‘wägen’, mnd. wēgen, mnl. wēghen, nl. wegen ‘wiegen, wägen, (ein)schätzen’, aengl. wegan ‘bewegen, bringen, wägen, messen’, engl. to weigh, anord. vega ‘schwingen, heben, wiegen’, got. gawigan ‘bewegen, schütteln’. Mit den außergerm. Verwandten aind. váhati ‘fährt, zieht’, lat. vehere, aslaw. vesti, russ. veztí (везти), lit. vèžti ‘fahren’ schließen sie sich an die Wurzel ie. *u̯eg̑h- ‘bewegen, ziehen, fahren’ an. Zum starken Verb bilden die germ. Sprachen ein schwaches Kausativum ahd. weggen (8. Jh.), mhd. wegen ‘bewegen, schwingen, schütteln’, aengl. wecgan ‘bewegen, treiben’, got. wagjan ‘schütteln, bewegen’, wozu das schwache Präfixverb ahd. biweggen ‘bewegen, erregen, sich rühren’ (Hs. 12. Jh.), mhd. bewegen ‘die Lage verändern, veranlassen’ gehört. Eine bedeutungsdifferenzierende Scheidung in ¹bewegen (mit starkem Prät. bewog) ‘veranlassen, zu etw. bestimmen’ und ²bewegen (mit schwachem Prät. bewegte) ‘die Lage verändern’ gilt erst in neuerer Zeit. Bewegung f. ‘Lage-, Ortsveränderung’, ahd. biwegunga (Hs. 12. Jh.), mhd. bewegunge, frühnhd. auch ‘Aufruhr’, dann für revolutionäre Vorgänge (Goethe in bezug auf die französische Revolution) und im 19. und 20. Jh. unter dem Einfluß von frz. mouvement für verschiedene politische Strömungen, zumal in Zusammensetzungen Freiheits-, Arbeiter-, Jugendbewegung. beweglich Adj. ‘bewegbar, behende, lebhaft’, mhd. bewegelich.

Typische Verbindungen zu ›bewegen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bewegen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bewegen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe einmal einen bewogen, mir auf den Fuß zu treten. [Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 55]
Wer etwas ausdrücken will, ist davon so bewegt, daß er sich treiben läßt, ohne darauf zu reflektieren. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 98]
Er berichtet, wie schwer es war, sie zum Bau der Kirche zu bewegen. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 997]
Die vermittelnde sittliche Welt bewegt sich derart, daß jeder an ihr teilhat, aber doch in verschiedener Weise. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 194]
Aber die Praxis bewegte sich in den Bahnen hellenistischer Tradition. [Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 25]
Zitationshilfe
„bewegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bewegen#2>.

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