bewusstlos

GrammatikAdjektiv
Worttrennungbe-wusst-los (computergeneriert)
Ungültige Schreibungbewußtlos
Rechtschreibregeln§ 2, § 25 (E1)
Wortbildung mit ›bewusstlos‹ als Erstglied: ↗Bewusstlosigkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ohnmächtig, ohne Besinnung
Beispiele:
jmd. bricht vor Überanstrengung, Erschöpfung bewusstlos zusammen
sie sank ihm vor Schreck halb bewusstlos in die Arme
der Verunglückte lag bewusstlos am Boden
durch Äther, einen Schlag auf den Kopf war der Überfallene bewusstlos gemacht worden
der Bewusstlose kam nach kurzer Zeit wieder zu sich
in bewusstlosem Zustand brachte man ihn ins Krankenhaus
2.
veraltet unbewusst, ohne Bewusstheit
Beispiel:
Ihre Augen schweiften bewußtlos in die Ferne [Storm2,321]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewußt · Bewußtsein · selbstbewußt · Selbstbewußtsein · schuldbewußt · Schuldbewußtsein · unbewußt · das Unbewußte · bewußtlos
bewußt Adj. ‘mit klarem Verstand handelnd, erkennend, absichtlich, bekannt, in Rede stehend’. Frühnhd. bewust steht als md. Form neben frühnhd. bewist, bewüst, Part. Prät. eines inzwischen untergegangen Verbs frühnhd. bewissen ‘genau kennen, wissen’, reflexiv ‘sich auskennen, zurechtfinden’, das seinerseits wie mnd. bewēten ‘etw. ins Auge fassen, auf etw. bedacht sein, (um etw.) wissen’ (Part. Prät. bewēten ‘bei klarem Verstand, Bewußtsein’, bewust ‘bewußt, bekannt’) und aengl. bewitan ‘Sorge tragen, achten auf, Aufsicht führen’ eine Präfixbildung zu dem unter ↗wissen (s. d.) behandelten Simplex ist. Zuvor erscheint die hd. Präfixbildung nur als negiertes Part. Präs. in ahd. unbiwiʒʒanti (8. Jh.), Übersetzung von lat. ignorāns. Das Nebeneinander der Wurzelsilbenvokale i und u findet sich ebenso im Part. Prät. des Simplex, vgl. mhd. gewist, gewest (neben fast nur adjektivisch gebrauchtem gewiʒʒen), md. auch gewust. Die semantische Entwicklung des Part.adj. geht aus von den Bedeutungen ‘bekannt’ und ‘genau wissend’, wie sie in den seit frühnhd. Zeit bezeugten Verwendungen mir ist bewußt und (rückbezüglichem) ich bin mir bewußt (‘weiß genau’) vorliegen. Bewußtsein n. ‘spezifisch menschlich ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität, klares Wissen, Gewißheit, Zustand, in dem der Mensch seiner Sinne mächtig ist’. Als philosophischer Terminus 1720 von Chr. Wolff geprägt, anfangs auch getrennt geschrieben (das bewust Sein). selbstbewußt Adj. ‘eine klare Vorstellung von sich selbst, von seiner Existenz besitzend’, meist in dem speziellen Sinn ‘vom eigenen Wert überzeugt, ihn deutlich betonend’; Selbstbewußtsein n. (beide um 1800). schuldbewußt Adj. ‘um seine Schuld wissend, reuig’ (18. Jh.); Schuldbewußtsein n. (19. Jh.). unbewußt Adj. ‘ohne etw. in ausgeprägter Weise im Bewußtsein zu reflektieren, instinktiv, nur vom Gefühl her’. Wie bei den nichtnegierten Formen findet sich auch hier ein Nebeneinander verschiedener Wurzelsilbenvokale, frühnhd. unbewist (15. bis 17. Jh.), unbewüst, md. unbewust, unbewost. Bereits im Frühnhd. erscheinen die Bedeutungen ‘unbekannt, nicht erinnerlich’ und ‘nicht wissend, ahnungslos, ohne Überlegung’. Substantiviert das Unbewußte n. in der Philosophie für das, was sich der Beachtung und Aufmerksamkeit entzieht (Jean Paul, 1804), in der analytischen Psychologie für abgewiesene und verdrängte Erlebnisse (Freud, 1900). bewußtlos Adj. ‘ohne Bewußtsein, ohnmächtig, zu keinem bewußten Verhalten, Erleben fähig’. Eine frühe Abstraktbildung zu bewußt (s. oben) ist das in der Literatursprache wieder untergegangene Substantiv Bewußt f. m. ‘Wissen, Bewußtsein, Kenntnis’ (15. Jh.), erhalten in der Ableitung bewußtlos (Ende 18. Jh.), zunächst meist in der Bedeutung ‘unwissentlich, unbewußt’, heute nur noch im oben angegebenen Sinn.

Thesaurus

Synonymgruppe
besinnungslos · betäubt · bewusstlos · im Koma · narkotisiert · nicht bei sich · ohne Besinnung · ohne Bewusstsein · ↗ohnmächtig  ●  nicht bei Bewusstsein  Hauptform · ↗komatös  fachspr. · ↗weg  ugs.
Assoziationen
  • (das) Bewusstsein verlieren · (die) Besinnung verlieren · bewusstlos werden · in Ohnmacht fallen · ohnmächtig werden  ●  ↗(auf einmal) weg sein  ugs. · aus den Latschen kippen  ugs., salopp, fig. · ↗kollabieren  fachspr., medizinisch
Antonyme
  • bewusstlos

Typische Verbindungen
computergeneriert

Insasse Kranke Patient Patientin Rentnerin Säugling Unfallopfer Zustand auffinden betrunken blutend blutüberströmt daliegen geschlagen gewürgt liegenbleiben prügeln sacken schlafend schlagen sofort umfallen umkippen verletzt vorfinden willenlos würgen zusammenbrechen zusammensacken zusammensinken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bewusstlos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der war zunächst bewusstlos, danach soll er verwirrt gewesen sein.
Die Welt, 24.09.2004
Wir sind nicht dafür geschaffen, uns den Bildern bewusstlos auszusetzen.
Der Tagesspiegel, 14.09.1999
Wie konnte der halb bewußtlose Hood auch nur daran gedacht haben, sie zu reinigen?
Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 251
Als wir ihr Zimmer erreicht hatten, war ich fast bewußtlos.
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 213
Nina lag bis heute mittag teils bewußtlos, teils bei halbem Bewußtsein gänzlich apathisch.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 288
Zitationshilfe
„bewusstlos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bewusstlos>, abgerufen am 18.07.2019.

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