bezwingen

GrammatikVerb · bezwingt, bezwang, hat bezwungen
Aussprache
Worttrennungbe-zwin-gen
Wortzerlegungbe-zwingen
Wortbildung mit ›bezwingen‹ als Erstglied: ↗Bezwinger · ↗Bezwingung · ↗bezwingbar · ↗bezwinglich
 ·  mit ›bezwingen‹ als Grundform: ↗bezwingend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
über jmdn., etw., sich Gewalt bekommen, jmdn., etw., sich besiegen
Beispiele:
den Feind, einen sportlichen Gegner, ein Land, eine Mannschaft bezwingen
ein wildes Tier bezwingen
seine Neugier, Leidenschaften, seinen Schmerz, Ärger bezwingen
sich nur mit Mühe bezwingen können
jmd. wird vom Schlaf bezwungen
eine bezwingende Geste, Schönheit, Musik
Ihr habt das Herz mir bezwungen [SchillerBürgschaft]
Mine wollte auffahren, aber sie bezwang sich [ViebigTägl. Brot445]
2.
eine Schwierigkeit bewältigen
Beispiele:
einen Berg, die steile Wand bezwingen
den Kosmos bezwingen
mit doppelter Übersetzung konnten die Radfahrer alle Höhenwege bezwingen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwingen · zwingend · bezwingen · Zwinger · Zwang · zwängen · zwangsläufig
zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga, aschwed. (auch schwach) þvinga, schwed. tvinga (germ. *þwingan) und schwach flektierendes anord. (aus dem Mnd.?) þvinga ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit awest. θwązǰaiti ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. *tu̯eng̑h- ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB twāṅk- ‘einzwängen’, lit. tveñkti (Wasser) ‘stauen’, reflexiv ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein (σάττειν) ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw-Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw-Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen (‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen (‘genötigt’) sehen (17. Jh.). zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), besonders zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; vgl. ahd. nōtthwingāri ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter ↗zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) (eine) Niederlage zufügen · ↗besiegen · bezwingen · ↗kleinkriegen · ↗niederringen · ↗niederzwingen · ↗schlagen · ↗übertreffen  ●  die Luft abdrehen  fig. · allemachen  ugs. · den Rest geben  ugs. · ↗fertigmachen  ugs. · ↗plätten  ugs. · ↗wegpusten  ugs. · ↗zerfetzen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
bezwingen · ↗übermannen · ↗überwältigen
Synonymgruppe
besiegen (Krankheit) · bezwingen · stärker (gewesen) sein · zum Aufgeben zwingen · ↗überwinden  ●  in die Knie zwingen (Gegner)  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›bezwingen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bezwingen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bezwingen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich kann mich gerade noch bezwingen, es nicht laut zu sagen.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 128
Mit den herkömmlichen Mitteln kann man den Terror nicht bezwingen.
Die Welt, 19.09.2001
Wir wollen von Spiel zu Spiel versuchen, diese Gegner zu bezwingen.
Der Tagesspiegel, 22.09.1999
Und sie vermochte ihre Begierde nicht zu bezwingen: rasch sah sie schräg zurück.
Boy-Ed, Ida: Vor der Ehe. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3372
Und dann, mit einer übermenschlichen Kraftanstrengung, bezwang sie sich noch einmal.
Frapan, Ilse: Arbeit. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 593
Zitationshilfe
„bezwingen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bezwingen>, abgerufen am 29.03.2020.

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