bieder

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbie-der (computergeneriert)
Wortbildung mit ›bieder‹ als Erstglied: ↗Biederkeit · ↗Biedermann · ↗Biedermeier1 · ↗Biedermeier2 · ↗Biedersinn
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
ehrlich, rechtschaffen
Beispiele:
ein biederer Handwerksmeister, Bürger, Nachbar
eine biedere Hausfrau
unsere biederen Vorväter
jmd. ist von biederer Gesinnung, biederem Gemüt
jmdm. die biedere Hand, Rechte schütteln
Sie spielen hier den biederen Bauern und sind ein ganz gerissener Kunde [WelkBulle31]
2.
spöttisch allzu naiv, treuherzig
Beispiele:
brav und bieder führte er den sinnlosen Befehl aus
Ein alter, ehrlicher Soldat, schaute er bieder und einfältig auf seine Richter [Feuchtw.Jüd. Krieg415]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bieder · biderb · anbiedern · Biederkeit · Biedermann · Biedermeier
bieder Adj. ‘brav, rechtschaffen, unkompliziert in seinem Verhältnis zur Umwelt’. Das nur im Dt. bezeugte Adjektiv ahd. bitherbi ‘nützlich, brauchbar’ (8. Jh.), mhd. biderbe, durch die Betonung auf der ersten Silbe verkürzt zu bider, asächs. bitherƀi, mnd. bederve ist eine alte Bildung zum Verbum ↗dürfen (s. d.) mit dem umgelauteten Vokal des Singulars (vgl. nhd. darf) und der (hier betonten) Vorsilbe ahd. bi- (s. ↗be-). Als Ursprungsbedeutung ist daher anzusetzen ‘dem Bedürfnis entsprechend’. bieder ist bis Ende des 16. Jhs. durchgehend bezeugt, wird im 17. Jh. selten, aber in der 2. Hälfte des 18. Jhs. (durch Klopstock, Lessing, Bürger u. a.) wieder geläufig; älteres biderb Adj. gilt teils historisierend, teils spöttisch bis zur Gegenwart. anbiedern Vb. ‘auf plumpe Weise um Sympathie werben’ (um 1800). Biederkeit f. vgl. ahd. bitherbī̌gheit (11. Jh.), mhd. biderbecheit, wie das Adjektiv bis ins 16. Jh. belegt, dann wieder seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. Biedermann m. ‘Spießer’, mhd. biderman ‘unbescholtener Mann’. Biedermeier n. Stilbezeichnung für Malerei, Literatur und Möbel der Zeit von etwa 1815 bis 1848, die, im Gegensatz zu den Ausdrucksformen des Vormärz, die ruhige, nach außen geschlossene Welt des Kleinbürgertums repräsentieren. Zugrunde liegt das von Eichrodt 1853 gebildete Pseudonym Biedermaier (aus Scheffels „Biedermanns Abendgemütlichkeit“ und „Bummelmaiers Klage“, 1848, unter dem er die kleinbürgerliche Haltung anprangert). Seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. wird Biedermeier für Spießer verwendet. Die Aufwertung zum Stilbegriff erfolgt vor allem durch die Jahrhundertausstellung 1906, vorwiegend durch den gediegenen Möbelstil der Biedermeierzeit veranlaßt.

Thesaurus

Synonymgruppe
bieder · brav und bieder · ↗hausbacken · ↗reizlos · ↗schlicht
Assoziationen
Synonymgruppe
bieder · ↗borniert · brav und bieder · ↗engstirnig · ↗kleinbürgerlich · ↗philisterhaft · ↗piefig · ↗provinziell · ↗spießbürgerlich · ↗spießerhaft  ●  ↗spießig  Hauptform · ↗philiströs  geh., bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bankangestellte Buchhalter Bürgerlichkeit Büroangestellte Eidgenosse Familienkutsche Familienlimousine Familienvater Fußwerker Gemütlichkeit Handwerker Handwerksmeister Hausfrau Hausmannskost Hausmutter Hausvater Image Mittelmaß Regiehandwerk altbacken behäbig betulich bodenständig brav daherkommen eher hausbacken langweilig spießig wirkend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bieder‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Spieler des Deutschen Meisters spulten derweil biedere Übungen ab.
Der Tagesspiegel, 20.02.2003
Es stimmt schon irgendwie, wenn man sagt, die Schweizer seien sehr bieder!
Bild, 12.04.2002
Am andern Morgen verließ mich der biedere alte Mann und ich sah ihn nicht wieder.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4900
Da wandte sich ein alter biederer Bauer zu mir, der Bürgermeister des Ortes.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 2. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 1468
Aber schon ehe wir abreisten, stimmten die Zahlungen bei unserem biederen Impresario nicht.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„bieder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/bieder>, abgerufen am 18.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Bidonville
Bidon
Bidjar
bidirektional
Bidet
Biederkeit
Biedermann
biedermännisch
Biedermannsgesicht
Biedermannsmaske