biegsam

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbieg-sam (computergeneriert)
Wortzerlegungbiegen-sam
Wortbildung mit ›biegsam‹ als Erstglied: ↗Biegsamkeit  ·  mit ›biegsam‹ als Letztglied: ↗unbiegsam
eWDG, 1967

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von biegen (Lesart 1)
Beispiele:
biegsames Metall, Holz
eine biegsame Gerte, Rute, Stange
ein biegsamer Degen
das junge Bäumchen ist noch biegsam
geschmeidig
Beispiele:
eine biegsame Gestalt
ein biegsamer Körper, Hals
jmds. Glieder, Finger, Hüften sind biegsam
eine biegsame Stimme
Sie ging rasch und biegsam ihm voran [RemarqueZeit zu leben394]
übertragen leicht zu lenken
Beispiel:
ein biegsamer Geist, Charakter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

biegen · Biegung · Biege · biegsam · Biegsamkeit
biegen Vb. ‘in eine von der Geraden abweichende Form bringen, krumm machen’ (reflexiv) ‘sich krümmen, sich beugen’, intransitive Verwendung heute nur im Sinne von ‘bogenförmig die Richtung ändern, einen Bogen machen’, stets mit einer durch Präposition angeschlossenen Ortsangabe (z. B. um die Ecke, in eine Nebenstraße biegen). Ahd. biogan (8. Jh.), mhd. biegen ‘biegen, beugen, krümmen’ (und nicht gesichertes asächs. biogan) entspricht got. biugan ‘beugen’. In den übrigen westgerm. Sprachen weist das starke Verb ablautende Präsensformen (mit Dehnung der Tiefstufe) auf, vgl. asächs. būgan ‘sich beugen’, mnd. būgen ‘beugen, verbiegen, sich biegen, ausweichen’, mnl. būghen ‘beugen, wenden, unterwerfen, sich beugen, geneigt sein’, nl. buigen ‘biegen, beugen, sich biegen, sich beugen’, aengl. būgan ‘sich beugen, sich unterwerfen, sich wenden, nachgeben, zurückweichen, fliehen’ (woraus engl. to bow ‘beugen, krümmen, sich beugen, sich verneigen’ mit schwacher Flexion). Für das Anord. kann nach den belegten Präteritalformen bugu ‘sie bogen’, boginn ‘gebogen’ ein Infinitiv *bjūga oder *būga angesetzt werden (vgl. aber schwach flektierendes schwed. buga sig ‘sich verbeugen’, vielleicht unter mnd. Einfluß). Germ. *beug-, *būg- setzt ie. *bheugh- voraus, während außerhalb des Germ. aind. bhujáti ‘biegt, krümmt sich’ (Part. Perf. bhugna- ‘gebogen, krumm’) und wohl auch air. fidbocc ‘hölzerner Bogen’ auf ie. *bheug- zurückführen, das gleichfalls für semantisch entferntere Bildungen wie griech. phé͞ugein (φεύγειν), lat. fugere ‘fliehen’ und wohl auch für lit. bū́gti ‘erschrecken’ gilt. Wahrscheinlich muß von einer Wurzel ie. *bheug(h)- ‘biegen’ ausgegangen und eine spätere Bedeutungsentwicklung zu ‘zurückweichen, fliehen’ vermutet werden (vgl. auch ‘ausweichen’ im Mnd. und ‘zurückweichen, fliehen’ im Aengl.). Das ursprünglich intransitive germ. Verb, von dem das unter ↗beugen (s. d.) dargestellte Kausativum abgeleitet ist, wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht; biegen stimmt daher in seinen Verwendungen oft mit beugen überein. Im älteren Nhd. konkurriert es mit diesem auch als grammatischer Terminus (biegen ‘flektieren’ vom 15. bis ins 18. Jh.). Zur Wortgruppe von biegen gehören ferner ↗Bogen, ↗Bucht, ↗Bügel, ↗bücken (s. d.). Biegung f. ‘im Bogen verlaufende Stelle, Krümmung, Kurve’, namentlich in älterer Sprache auch als Vorgangsbezeichnung ‘das Biegen, Beugen’ (jetzt nur ‘bogenförmige Richtungsänderung’, vgl. eine Biegung machen), spätmhd. biegunge ‘das Beugen, Verbeugung’; als Fachwort der Grammatik (neben ↗Beugung, s. d.) seit dem 15. Jh. ‘Flexion’, so bis ins 18. Jh. und gelegentlich noch im 19. Jh. Biege f. ‘Kurve, Bogen’ (2. Drittel 20. Jh.), eine wohl im Jargon der Flieger aufkommende, scherzhaft-lässige Bildung, die nicht unmittelbar an älter nhd. (16. bis 18. Jh.) Biege f., mhd. biege f. ‘Beugung, Biegung, Neigung’ (zuvor ahd. biogo m. ‘Biegung, Krümmung, Bogen, Bucht’, 10. Jh.) anschließt. biegsam Adj. ‘leicht zu biegen, geschmeidig’, mit Bezug auf Charaktereigenschaften ‘äußeren Einflüssen zugänglich, fügsam’, vereinzelt im 15. Jh. nachzuweisen (md. byegsam, 1440), geläufig seit Ausgang des 17. Jhs.; dazu Biegsamkeit f. ‘Elastizität, Geschmeidigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
biegsam · ↗gefügig · ↗weich
Synonymgruppe
agil · ↗behänd(e) · ↗beweglich · biegsam · ↗elastisch · ↗flexibel · ↗flink · ↗gelenkig · ↗lebhaft · ↗leichtfüßig · ↗mobil · ↗regsam · ↗variabel · ↗wendig  ●  ↗gewandt  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
biegsam · ↗schmiegsam
Synonymgruppe
biegsam · ↗duktil · ↗geschmeidig · ↗streckbar

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ast Display Draht Faser Folie Folio Gerte Hüfte Kunststoff Melodik Prosa Rohr Rückgrat Schlauch Sehrohr Sohle Solarzelle Sopran Stab Stange Taille Tenor Zweig beweglich durchsichtig dünn elastisch geschmeidig schlank weich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›biegsam‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt sind sie biegsam und für die weitere Verwendung geeignet.
Die Zeit, 03.08.2005, Nr. 31
Er fettet seine hohen Schuhe ein, millimeterdick, damit sie biegsam bleiben über Monate im Schrank.
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2004
Ich meine nicht dieses "biegsam wie eine Gerte", nicht körperlich.
Hermann, Judith: Sommerhaus, später, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 2000 [1998], S. 48
Rock und kurzärmelige Hemdbluse wölbten sich nach der biegsamen Fülle der großen Gestalt.
Betzner, Anton: Der Kohlhöfer. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 163
Ihre biegsame, beharrliche Eleganz übertönte die andern, eifernd gegen das tote Mädchen.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 55
Zitationshilfe
„biegsam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/biegsam>, abgerufen am 26.04.2019.

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